Das Oberhaupt der Familie Habsburg
„Ich fühle mich in ganz Europa zu Hause“

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Sein Großvater war der letzte Kaiser. Sissi-Filme sieht er sich aber nicht an. Dafür ist er ein Verfechter der europäischen Idee. Karl Habsburg, Familienoberhaupt des Monarchen-Clans im SONNTAG-Interview anlässlich seines 60. Geburtstags.

Ich treffe den Kaiserenkel im Haus der Paneuropabewegung in Wien-Landstraße. Im Büro zieren Fotos von Vater Otto die Wände, Regale sind voll von historischen Büchern. Seit 1986 steht Karl Habsburg an der Spitze der Paneuropa-Bewegung, er ist auch Vizepräsident der Paneuropa-Union. Ich bitte ihn um eine persönliche Vorstellung, dabei nennt er sich Karl von Habsburg. Warum?

Karl Habsburg: Mein Vater war Otto von Habsburg, daran besteht kein Zweifel. Daher empfinde ich mich als Karl von Habsburg. Dass ich so heiße, stört außer in Österreich niemanden. Es tut mir leid, wenn sich hierzulande einige Leute dadurch beleidigt fühlen. Für mich ist das eine derartige Lächerlichkeit, eine kleine Spießigkeit. Es passiert mir immer wieder, dass ich anonym von Leuten angezeigt werde, die nicht einmal den Mut haben, ihren Namen zu nennen. Das trägt bestenfalls zu meiner Unterhaltung bei.

Sie waren im Frühjahr 2020 an Corona erkrankt. Wie geht es Ihnen?
Ich habe großes Glück gehabt. Ich habe mich schon Ende Februar angesteckt und bei mir ging es wirklich praktisch problemlos ab. Außer ein bisschen Fieber und Husten über zehn Tage habe ich wirklich nichts gehabt und es ist auch nichts übriggeblieben.

Sie sind in Bayern aufgewachsen. Was hat Sie da geprägt?
Sicherlich die Tatsache, dass ich mit meinen Geschwistern im Exil groß geworden bin. Ich durfte ja als Kind nicht nach Österreich einreisen. Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit, als wir an die Grenze gefahren sind und man gesagt hat: Da drüben ist Österreich, aber da dürfen wir nicht hin, weil wir im Augenblick dort nicht willkommen sind.

Sie hatten eine sehr persönliche Beziehung zu Ihrer Großmutter Ex-Kaiserin Zita. Was faszinierte Sie an ihr?
Sie war ein ungemein charismatischer Mensch und eine sehr Respekt heischende Person. Es war für mich völlig normal, dass ich sie immer nur mit Sie angesprochen habe. Es wäre mir nicht im Traum eingefallen, sie mit Du anzusprechen. Wann immer sie gemerkt hat, dass einen etwas interessiert, historisch oder politisch, hat sie aus ihrem eigenen Wissen darüber berichtet. Sie hatte eine unglaubliche Perspektive mit den Lebensabschnitten, die sie durchlaufen hat.

Wie hat Sie Ihr Vater Otto geprägt?
Ich habe sehr selten den erhobenen Zeigefinger gesehen, aber sehr viel Unterstützung in meinen Interessen erhalten. Besonders Geschichte, Politik, Geographie, aber auch Religion hielt er für wichtig. Ich verstand, wie wichtig Religion für die Schaffung unserer Gesellschaft, unseres Wertebildes immer gewesen ist.

Ein wichtiger Ort für Ihre Familie ist Mariazell, warum?
Es ist ein spiritueller Lebensmittelpunkt, den meine Familie mitentwickeln durfte und eine persönliche Beziehung dazu hatte. Meine Vorfahren bemühten sich vor schwierigen Entscheidungen oder bei Problemen um die Fürsprache der Muttergottes von Mariazell. Es ist auch ein wunderschöner Ort. Bei meinen Eltern war diese Beziehung auch sehr stark. Sie heirateten in Nancy in Frankreich. Liebe Freunde von ihnen, die in Mariazell aktiv waren, beschlossen damals, es sei notwendig, dass die Muttergottes dabei anwesend ist. Sie haben eine Kopie der Gnadenmutter auf den Altar gestellt und sind mit der echten Muttergottes im Rucksack aus Mariazell zur Hochzeit angereist.

Das Mitnehmen der Mariazeller Gnadenstatue wurde damals erlaubt?
Ich glaube, diese Frage wurde besser nicht gestellt.

Schon Ihr Vater war großer Promotor der Paneuropa-Bewegung. Was ist Ihnen wichtig?
Das europäische Konzept ist natürlich ungemein mit unserer Familie verbunden, auch historisch. Wir haben persönliche Verbindungen in praktisch alle europäischen Länder, deswegen fühle ich mich auch in ganz Europa zu Hause.

Karl Habsburg-Lothringen
Drei Generationen Habsburg:
Karl als Bub am Arm seines Vaters Otto vor dem Bild des seligen Kaisers Karl.

Welchen Unterschied gibt es zwischen der EU und der Paneuropa-Bewegung?
Die größte Differenz ist, dass die Europäische Union nicht Europa ist. Es ist ein Missverständnis, wenn die Menschen Europa und die Europäische Union gleichsetzen. Diese EU ja noch nicht vollständig, da es viele Länder gibt, die organisch zu Europa gehören, gegenwärtig aber nicht dabei sind. Daher betonen wir immer wieder Europa als Ganzes.

Sie engagieren sich stark in der Bewahrung von Kulturgütern, wie kam es dazu?
Für mich bedeutet Einsatz für die Kulturgüter Einsatz für unsere Identität. Ich glaube, viele Menschen unterschätzen völlig, dass wir Teile unserer gesamten Weltidentität verlieren, etwa wenn in Konflikten Kulturgüter zerstört werden, oder wenn Sprachen verloren gehen.

2004 wurde Ihr Großvater Kaiser Karl I. seliggesprochen. Wie haben Sie das erlebt?
Im Vorfeld der Seligsprechung hat sich zwar das eine oder andere Mitglied der Familie sehr darum gekümmert, aber wenn die Familie sich zu sehr engagiert hätte, wäre das zu sehr als Einsatz in eigener Sache angesehen worden. Die Vorstellung, dass man einen Großvater hat, der durch die Kirche seliggesprochen wurde, ist auf der einen Seite großartig, auf der anderen Seite natürlich nicht einfach, weil man das selber nie erreichen wird.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie beim Schloss Schönbrunn vorbeikommen?
Ich gehöre ja nur zur Erkenntnisgeneration und nicht zur Erlebnisgeneration, deswegen glaube ich, dass es mir gar nicht anders geht als einem Touristen. Vielleicht habe ich ein bisschen mehr historische Kenntnis, weil ich noch Menschen kannte, die dort gewohnt haben. Aber ich bin sicher kein Nostalgiker.

Sie haben sich nie Sissi-Filme angesehen. Warum?
Man nimmt mir das nicht wirklich ab, aber ich muss gestehen, ich habe noch keinen Sissi-Film zur Gänze gesehen. Ich bin hie und da nicht umhingekommen, gewisse Ausschnitte zu sehen. Ich bin mir aber über die zweifellos kulturelle Bedeutung dieser Filme sehr bewusst.

Drei Generationen Habsburg: Karl als Bub am Arm seines Vaters Otto vor dem Bild des seligen Kaisers Karl.
Autor:

Stefan Hauser aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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