Ausstellung zur Wotrubakirche
Ein "Bollwerk des Glaubens"

Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien-Mauer (von Osten).
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  • Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien-Mauer (von Osten).
  • Foto: Belvedere WIen, Foto: Johannes Stoll
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Eine Ausstellung im Belvedere 21 dokumentiert die Entstehungsgeschichte der Wotrubakirche vom bildhauerischen Entwurf Fritz Wortrubas bis zur architektonischen Umsetzung in den 1970er-Jahren.

Im SONNTAG lesen Sie dazu die spannenden Hintergründe des Kirchenbaus rund um die von den Sowjets entführte Margarethe Ottillinger und ihren Anstoß zum Bau der außergewöhnlichen Kirche.
von Ingeborg Schödl

Als bei der feierlichen Einweihung der „Kirche zur heiligsten Dreifaltigkeit am Georgenberg“ am 24.Oktober 1976 der Kirchenrektor Franz Mikl die versammelte Gemeinde mit den Worten begrüßte: „Sie stehen hier am bedeutendsten Platz Mitteleuropas – nur die Wiener wissen das nicht“, ahnten sicher weder er noch die Anwesenden, dass fünfundvierzig Jahre später diesem Kirchenbau und seinem Architekt Fritz Wotruba eine Ausstellung gewidmet wird.

Das aus 152 ineinander geschachtelten Betonblöcken bestehende Gotteshaus ohne Turm und Kuppel war vorerst für die Wiener nur ein „Steinerhaufen“. Erst als die Wotruba-Kirche zu einem Pflichtbesuch für Touristen aus aller Welt wurde, begriffen auch die Wiener, dass es sich um einen der bedeutendsten Kirchenbau der Nachkriegszeit handelt.

In der kleinen Ausstellung im Belvedere 21 wird anhand von Modellen das Werden und die Auseinandersetzung Fritz Wotrubas mit diesem Bau aufgezeigt. Sehr kurz gegriffen ist aber die Entstehungsgeschichte auf den Wandtafeln.

Wobei gerade das Aufzeigen des Miteinanders zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten wie Margarethe Ottillinger und Fritz Wotruba mehr zum Verstehen dieses Kirchenbaus beitragen kann.

Margarethe Ottillinger – die Frau, die zuviel wusste [Spielfilm-Doku]

Die Idee für diesen Kirchenbau stammt von der ÖMV-Vorstandsdirektorin Margarethe Ottillinger, deren persönliches Schicksal eng mit der österreichischen Nachkriegsgeschichte verbunden ist. Als Bauernopfer im damals bereits ausgebrochenen „Kalten Krieg“ wurde sie als junge Beamtin bei einer Dienstreise auf dramatische Weise von der russischen Besatzungsmacht verhaftet und wegen angeblicher Spionage für Amerika zu 25 Jahren Straflager verurteilt. Nach sieben Jahren im GULAG kam sie 1955 nach Unterzeichnung des Staatsvertrages zurück und wurde 1957 auch rehabilitiert.

„Mit Gott macht man keine Geschäfte“
Den immer wieder auftauchenden Hinweis, dass der von ihr initiierte Kirchenbau auf dem Gelübde für eine glückliche Heimkehr beruht, bestritt Ottillinger stets. In einem Brief an eine Freundin schreibt sie, dass dies nicht stimme, denn „mit Gott macht man keine Geschäfte “. Ihr Beweggrund war, ein „Bollwerk des Glaubens“ gegen den Kommunismus zu errichten.

Ursprünglich wollte sie diese Idee in ihrem Geburtsort Steinbach umsetzen. Geplant war eine Kirche mit angeschlossenem Kloster. Als Architekten empfahl ihr der damalige Caritas-Präsident Leopold Ungar den Bildhauer Fritz Wotruba.

Wotruba zählte damals schon zu den bedeutendsten und über die Grenzen Österreichs hinaus international bekannten Künstlern. Aus der Schweizer Emigration 1945 nach Österreich wieder zurückgekehrt, beeinflusste der Anton-Hanak-Schüler die österreichische Bildhauerei der Nachkriegsjahre wesentlich. Weltweit wurde in Ausstellungen sein Schaffen ausgestellt, das von unbändiger Leidenschaft erfüllt war. Seine Persönlichkeit skizzierte er selbst am besten: „Was ohne Leidenschaft getan wird, ist wirkungslos. Es gibt eine kalte und eine glühende Raserei und es gibt eine tödliche Lauheit“.

Mit Margarethe Ottillinger traf er auf eine Persönlichkeit, die ebenfalls von Leidenschaft für alle ihre Pläne erfüllt war. Von ihrem Wunsch eine Kirche zu bauen, war der seit der Kindheit vom sozialdemokratischen Gedankengut geprägte Wotruba vorerst nicht begeistert. Er lehnte mit dem Hinweis ab: „Ich bin kein Katholik.“ Schlagfertig erwiderte Ottillinger: „Dann werden sie eben katholisch. Machen Sie etwas für die Allgemeinheit, für Gott. Sie sind ein begnadeter Künstler.“ Ihre Vorgabe für den Bau war, dass dieser schockieren muss, damit die Menschen innehalten. Er muss licht und hell sein und wirken wie eine Burg, eine Festung. Gedanken, die Fritz Wotruba ansprachen.

Der Tod Wotrubas war ein Schock
Der vorerst für Steinbach erstellte Wotruba-Entwurf stieß auf heftigen Widerstand. Sowohl punkto Gestaltung wie der enormen Baukosten. Die Erzdiözese Wien, die eine Beteiligung zugesagt hatte, zog diese zurück.

Sehr emotionell reagierte Fritz Wotruba auf diesen „Rückzieher“ der Kirche. Er wollte seine Idee über den Bau einer Kirche des 20. Jahrhunderts trotzdem mit allen Mitteln durchziehen. Auch Margarethe Ottillinger wollte das. Bezüglich eines neuen Bauplatzes sagt ihr Kardinal Franz König, als Erzbischof von Wien seine Unterstützung zu. Auf dem Georgenberg in Wien- Mauer fand man nach längerem Suchen den idealen Platz. Mit dem Bau konnte 1974 endlich begonnen werden.

Wotrubas Projekt zwang die Technik neue Konstruktionsformen und Baumaterialien zu erproben. Mit der Verbindung von Beton und Glas hatte man damals noch keine Erfahrung. Während Fritz Wotruba mit der Lösung der immer wieder auftauchenden Probleme beim Bau beschäftigt war, musste Margarethe Ottillinger die finanziellen Mittel dafür aufbringen.

Es grenzte fast an ein Wunder aus welchem weltanschaulichen Ecken sie Spenden für den Kirchenbau aufbringen konnte. So machte der sozialdemokratische Bundeskanzler Bruno Kreisky fünf Millionen Schilling flüssig, die Gemeinde Wien und der Gewerkschaftsbund je eine Million. Es gehörte fast zum guten Ton, sich mit einer Spende an diesem Kirchenbau zu beteiligen.

Der Tod von Fritz Wotruba am 28. August 1976 war ein Schock, der das Unternehmen nochmals ins Wanken brachte. Aber ein langjähriger Mitarbeiter von Wotruba, der Architekt Fritz G. Mayr, führte das Projekt im Sinne des großen Künstlers zu Ende. Am 24.Oktober 1976 konnte die feierliche Einweihung erfolgen.

Wenn auch die Ausstellung „Himmelwärts“ im Belvedere 21 etwas bruchstückhaft über diesen bedeutenden Kirchenbau und seine Entstehungsgeschichte informiert, kann der interessierte Besucher dadurch zu einem Entdeckungsbesuch auf den Georgenberg animiert werden.

WOTRUBA. Himmelwärts – Die Kirche auf dem Georgenberg. Bis 13.3.2022 im Belvedere 21, Arsenalstraße 1; Info: belvedere.at

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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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