Zeit für den Hirtenhund
Österliche Sprachlosigkeit

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“ Mit diesem Ruf wärmen sich Christen allüberall am österlichen Lagerfeuer. Nach dem Tiefpunkt des Karfreitags die ostersonntägliche Gewissheit: Alles gut gegangen. Auferstehung, check! Das soll nicht despektierlich klingen und die Größe des Moments im Kirchenjahr schmälern – ich frage mich nur immer häufiger, wen diese Botschaft eigentlich noch erreicht. Ist sie noch mehr als die Durchhalteparole einer schrumpfenden Kirche auf dem Weg zur „Gated Community“? Ist sie wirklich noch Botschaft für die Welt?

Was mich nachdenklich stimmt, war ein Begräbnis, an welchem ich kürzlich teilnehmen durfte. Ein schlimmes Schicksal. Viel zu plötzlich, viel zu früh aus dem Leben gerissen. Sprachlosigkeit bei Familie und Freunden. Die Beisetzung wurde von einer Begräbnisrednerin geleitet. Viel persönliche, gleichsam professionell erarbeitete Rhetorik, auch viele watteweiche Wortwolken aus der Copy-and-paste-Hölle. Dazwischen die Toten Hosen und Trude Herr von CD. „Wer will, kann jetzt noch ein Vaterunser mitbeten.“ Einige wollten. Viele nicht. Weil sie nicht konnten. Ich hüte mich davor, das zu be- oder verurteilen – schließlich war es für die Trauernden eine stimmige Feier, weil sie ihrer Haltung entsprach. Ein Priester wäre fehl am Platze gewesen, die Rede von einer christlichen Hoffnung auf Auferstehung – sie wäre wohl ungehört verpufft.

So blieb wortreiche Sprachlosigkeit. Und für mich die Frage, wie wir unsere christliche Hoffnung so umformatieren können, dass sie auch jenen etwas sagt, die trauernd vor dem Nichts stehen. Wie können wir vonTrost sprechen, wenn nichts tröstet? Wie von Auferstehung, wenn nichts mehr da ist, was auferstehen könnte, weil die Asche erkaltet ist, weil liturgische Formeln eine Fremdsprache sind? Ich habe als Hündchen keine fertigen Antworten, aber ich glaube, wer von Auferstehung sprechen will, darf vom namenlosen Tod, von der Grabesruhe nicht schweigen. Oder anders gesagt: Wenn wir den Ostersonntag feiern, sollten wir dies stets im Wissen darum tun, dass wir auch als Christen noch im Karsamstag stehen, dass uns der Ostermontag wieder in eine unerlöste Welt entlässt. Aber wir wissen, es sollte anders sein. Dessen erinnern wir uns zu Ostern. Das mag nach wenig klingen, aber es kann für jene viel sein, die nicht mal mehr wissen, worauf sie noch hoffen sollen.

Autor:

Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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