Perspektivenwechsel
Geistliche Begleitung – wie zeigt sich Gott in meinem Leben?

Wer seinen Glauben vertiefen möchte, in seiner Beziehung zu Gott wachsen möchte, für den kann geistliche Begleitung der richtige Weg sein. „Bei der geistlichen Begleitung gestatte ich jemandem von außen einen Blick auf mein Leben zu werfen, um dann im Gespräch mit ihm neue Perspektiven für mein Leben zu bekommen und zu erkennen, wo und wie sich Gott in meinem Leben zeigt“, sagt Benediktiner-Schwester Nathanaela Gmoser OSB.

Wir treffen Schwester Nathanaela Gmoser OSB im Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung im 16. Wiener Gemeindebezirk. Seit 11 Jahren ist sie Mitglied dieser Ordensgemeinschaft – mit viel Herz, viel Hirn und viel Engagement. Geistliche Begleitung ist seit vielen Jahren für sie ein wichtiges Thema und ein echtes Herzensanliegen. Geistliche Begleitung – das bedeute, sich mit jemanden, der im Glauben steht, in regelmäßigen Abständen zu treffen. „Bei diesen Treffen werfen wir dann gemeinsam einen Blick auf mein Leben, beleuchten es sozusagen aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Ziel ist es, neue Perspektiven für mein Leben zu gewinnen und zu erkennen, wo und wie sich Gott in meinem Leben zeigt.“ Viele Aspekte des Lebens hätten in so einer geistlichen Begleitung Platz, sagt Sr. Nathanaela: „Zum einen natürlich mein Leben mit Gott, meine Beziehung zu Gott. Aber auch andere Dinge, die mich beschäftigen, gehören dazu, Bereiche etwa, in denen es gerade schwierig ist, wo ich mir Fragen stelle. Die geistliche Begleitung ist dann ein Ort, ein vertrauter Rahmen, an dem und in dem ich diese Sachen aufs Tablett bringen kann, um dann die nächsten Schritte zu erkennen und auch gehen zu können.“

In welche Richtung geht mein Leben

Generell, davon ist Sr. Nathanaela überzeugt, ist geistliche Begleitung etwas, von dem jeder profitieren kann – unabhängig von Lebensalter oder Lebensstand – der sich Gedanken über sein Leben mache, der herausfinden will, wo es hingeht, wo seine Berufung liegt. Berufung hier durchwegs verstanden im weitesten Sinn: in Richtung geistliches Leben, aber auch etwa in Richtung Ehe und Familie. „Überall, wo es jemandem um eine Vertiefung seiner Gottesbeziehung geht, wo es um menschliches Wachstum und Reifung geht, kann geistliche Begleitung Hilfe geben.“ Vorrausetzung sei, offen zu sein – „ehrlich mir und dem Begleiter oder der Begleiterin gegenüber. Ich muss bereit sein, wirklich alles auf den Tisch zu legen.“

Sie selbst hat mit geistlicher Begleitung in jener Zeit begonnen, als sie sich überlegt hat, ins Kloster zu gehen, erinnert sie sich: „Mein Begleiter damals hat versucht, mit mir zu schauen, wo mein Platz ist – das hat mir sehr geholfen.“ Auch nachdem für sie klar war, dass sie ihr Weg sie ins Kloster führen wird, hat sie weiterhin geistliche Begleitung gehabt. „Dieses regelmäßige Reflektieren, wie es mir auf meinem Weg geht, tut mir bis heute gut“, sagt sie.

Zeit nehmen

Aber wie und wo finde ich den richtigen geistlichen Begleiter? Immerhin soll das ja ein Mensch sein, dem gegenüber ich mich komplett öffnen kann, dem ich also tief vertraue. „Den richtigen Begleiter zu finden, das braucht unter Umständen Zeit“, sagt Sr. Nathanaela. Ein geistlicher Begleiter, eine geistliche Begleiterin sollte mitten im Glauben stehen und ein aktives Glaubensleben führen. Er sollte eine reife Persönlichkeit sein, außerdem vertrauenswürdig und diskret.

„Ich denke außerdem, dass die Person mit geistlicher Begleitung selbst Erfahrung haben sollte. Es sollte jemand sein, der sehr gut zuhören kann und der dabei vor allem die Fähigkeit hat, sich selbst zurück zu nehmen.“ Dem geistlichen Begleiter muss bewusst sein, dass es bei der Begleitung nicht um irgendwelche Ratschläge geht oder darum, für jemand anderen Entscheidungen zu treffen, sondern jemanden so zu begleiten, dass der dann selbst weitere Schritte setzen und Entscheidungen treffen kann. „Die Hauptperson in der geistlichen Begleitung ist in jedem Fall derjenige, der begleitet wird“, so  Sr. Nathanaela.

Sehr oft findet man einen geistlichen Begleiter oder eine geistliche Begleiterin über Empfehlungen. Oder man kennt selbst jemanden, den man aktiv fragen möchte. Oder man verschafft sich online einen Überblick über starke Persönlichkeiten, die geistliche Begleitung anbieten. Online am Referat für Spiritualität der Erzdiözese Wien www.erzdioezese-wien.at/geistlichebegleitung.

„Wenn man einen geeigneten Begleiter gefunden habe, dann sei es meist so, dass man sich ein-, zweimal trifft und miteinander darüber spricht, wie sich der zu Begleitende seine geistliche Begleitung vorstellt und auch darüber, was der Begleiter oder die Begleiterin anbieten kann.“ Erst dann beginnt man den gemeinsamen Weg – wichtig sei da dann auch die Regelmäßigkeit der Treffen. Der Prozess der Begleitung muss in jedem Fall „immer ganz offen bleiben“, sagt Sr. Nathanaela und erinnert sich, wie gut es etwa für sie war, dass ihr geistlicher Begleiter zu jener Zeit, als sie überlegte ins Kloster zu gehen, keinerlei Druck auf sie ausübte, sie in keine Richtung gedrängt habe, ihr aber bei der Entscheidungsfindung unheimlich geholfen hat. „Ich hatte immer den Eindruck, ich kann weiter machen, solange es mir gut tut und ich kann es beenden, wenn ich das für richtig halte. Geistliche Begleitung das ist immer die totale Freiheit – nur dann kann sie fruchtbar sein.“

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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