Haben Sie es gewusst?
40 Tage in Quarantäne

Im 100 Meter langen „Teson Grande“ auf der kleinen Venedig vorgelagerten Insel "Lazzaretto Nuovo" wurden vor 600 Jahren die Schiffsladungen 40 Tage lang zwischengelagert und desinfiziert. Auch die Schiffsbesatzungen durften in dieser Zeit die Insel nicht verlassen. - Bis 1975 wurde die Insel vom Militär genützt, heute bietet ein privater Verein Führungen an und führt archäologische Sommercamps durch.
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  • Im 100 Meter langen „Teson Grande“ auf der kleinen Venedig vorgelagerten Insel "Lazzaretto Nuovo" wurden vor 600 Jahren die Schiffsladungen 40 Tage lang zwischengelagert und desinfiziert. Auch die Schiffsbesatzungen durften in dieser Zeit die Insel nicht verlassen. - Bis 1975 wurde die Insel vom Militär genützt, heute bietet ein privater Verein Führungen an und führt archäologische Sommercamps durch.
  • Foto: Tourismusverband Venedig
  • hochgeladen von Wolfgang Linhart

Wer derzeit aus dem Ausland nach Österreich kommt, muss sich einer freiwilligen Selbstisolierung unterziehen. So soll verhindert werden, dass man, sollte man mit dem Corona-Virus infiziert sein, weitere Menschen mit der Krankheit ansteckt.

Die Quarantäne ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern wurde ganz radikal bereits vor 600 Jahren in Venedig eingeführt. Als führende Seemacht wurde die Stadt am Wasser, die besonders mit dem Orient Handel trieb, zum Einfallstor für die erste schwere Pestepidemie Mitte des 14. Jhs. in Europa. Um dies möglichst zu verhindern, richtete die Stadtverwaltung eine Insel ein, auf der man sowohl die Waren als auch die Schiffsbesatzungen, bei denen man Angst hat, dass sie die Pest mitbringen könnten, 40 Tage einsperrte – daher der Name (quaranta = 40). Auf die Zahl kam man, weil sie auch in der Bibel eine wichtige Rolle spielt: Man denke nur an die 40-tägige Fastenzeit oder den Umstand, dass jüdische Frauen 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein galten.
Im Gegensatz zum „Lazzaretto Vecchio“, einer abgelegenen Spitalsinsel, auf die man ab 1423 die todgeweihten Kranken brachte, diente das 1468 errichtete „Lazzaretto Nuovo“ an der Zufahrt nach Venedig nur als Quarantäne-Station. Die Schiffsbesatzungen verbrachten hier 40 Tage in kleinen Wohnhäusern am Rand der Insel, nachdem sie sich zuvor einer Reinigung durch Essigbäder unterziehen mussten. Im Hauptgebäude, dem heute noch erhal-
tenen 100 Meter langen „Teson Grande“ wurden die Schiffsladungen zwischengelagert und desinfiziert, indem man sie der Sonne aussetzte oder mit Rauch von Rosmarin, Wachholderbeeren und würzigen Kräutern behandelte.
Ähnliche Quarantäne-Stationen entstanden bald auch in Ragusa, in Malta oder Marseille.

Im 100 Meter langen „Teson Grande“ auf der kleinen Venedig vorgelagerten Insel "Lazzaretto Nuovo" wurden vor 600 Jahren die Schiffsladungen 40 Tage lang zwischengelagert und desinfiziert. Auch die Schiffsbesatzungen durften in dieser Zeit die Insel nicht verlassen. - Bis 1975 wurde die Insel vom Militär genützt, heute bietet ein privater Verein Führungen an und führt archäologische Sommercamps durch.
Das "Lazzaretto nuovo" in einer stilisierten Ansicht
Autor:

Wolfgang Linhart aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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