Die Sonntagsspaziergänge
Donau-Au statt Donau-Kraftwerk

Die Donau ist hier in der Stopfenreuther Au als mächtiger Strom und ruhiger Seitenarm immer wieder zum Greifen nahe.
7Bilder
  • Die Donau ist hier in der Stopfenreuther Au als mächtiger Strom und ruhiger Seitenarm immer wieder zum Greifen nahe.
  • Foto: Andrea Harringer
  • hochgeladen von Der SONNTAG Redaktion

Gar nicht so viele Gelsen wie befürchtet, dafür aber eine unvergleichlich schöne Landschaft, ein wunderbarer Blick auf die Donau und auch ein wenig Rückschau in die jüngere Geschichte Österreichs begegnen uns auf unserem SONNTAGsspaziergang in die Au bei Stopfenreuth.

Ruhig und beschaulich präsentiert sich der kleine Ort Stopfenreuth im östlichen Niederösterreich an diesem Mittwochvormittag im August. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau. Kein Vergleich wohl zum Dezember 1984, als sich hier, beziehungsweise in jenem Teil der Au, der südlich des Ortes liegt, tausende Menschen versammelten, um gegen den Bau des Donau-Kraftwerkes bei Hainburg zu demonstrieren und den Beginn der Vorarbeiten für das geplante Kraftwerk zu verhindern.

37 Jahre ist das jetzt her und damit eigentlich Geschichte, wie man so schön sagt, aber die Geschehnisse von damals wirken bis heute nach. Nicht nur, dass das Kraftwerk nicht gebaut wurde. Auch dass es hier überhaupt einen Nationalpark gibt, war eine Folge der Proteste und Demonstrationen. Denn die Idee, dass es nicht nur wichtig für den Moment, sondern vor allem auch für nachfolgende Generationen ist, dass die Natur hier geschützt und bewahrt wird, wurde damals geboren. Zwar sollte es noch ganze zwölf Jahre dauern, bis der Nationalpark Donau-Auen tatsächlich Wirklichkeit wurde, doch im Jahr 1996 war es endlich soweit. Der Nationalpark Donau-Auen feiert damit 2021 seinen 25. Geburtstag.

Mystische Au
Wohl auch wegen all dieser Ereignisse habe ich mir vorgenommen, mich bei unserem Spaziergang durch die Au nicht einfach nur am Gehen zu erfreuen, sondern sozusagen auch die Geschichte präsent zu haben. Ganz bewusst zu schauen, was da bewahrt wurde und auch immer noch wird. Was hier sein darf. Meinen Sohn habe ich heute wieder mit dabei. Für unseren Spaziergang haben wir uns die Stopfenreuther Donaurunde ausgesucht. 4 Kilometer, die uns auf beschilderten Wegen quer durch die Au führen werden. Beim Forsthaus Stopfenreuth am Rande der Ortschaft gleich beim Hochwasserschutzdamm geht die Runde für uns los und auch gleich mittenrein in den Auwald – und das obwohl wir anfangs auf einem asphaltierten Weg, der Uferstraße unterwegs sind. Fünf weitere Minuten und wir überqueren den ersten der vielen, vielen Alt- und Seitenarme der Donau, die die Auenlandschaft mitprägen. Wir sehen hier viele Anzeichen dafür, dass das Wasser erst vor kurzem höher gestanden sein muss. Unheimlich viel – mittlerweile schon angetrockneter Schlamm säumt die Straße. Die Vegetation ist oberhalb des derzeitigen Wasserspiegels immer noch leicht schlammig und grau. Der Mystik des Ortes tut das aber nicht nur keinen Abbruch, es gibt dem Platz eine noch speziellere Atmosphäre. Dass die Donau schnell mal Hochwasser führen kann und die Au dann in eine – reißende – Flusslandschaft verwandelt wird, sollte man sich bei jedem Spaziergang bewusst sein und sich am besten auch vorab informieren, ob das Spazieren gerade möglich ist, oder nicht.

Pappeln, Weiden und ein Frosch
Nur wenige Gehminuten später sind wir an der Donau angekommen. Von der Au-Terrasse, die sich hier befindet und die nicht nur als Aussichtsplattform, sondern auch als Informationsplattform über die Au und ihre Geschichte dient, eröffnet sich ein wunderschöner, erhöhter Blick über die Donau. Hier biegt die Stopfenreuther Donaurunde nach Westen ab und verläuft über einen Weg, genauer gesagt einen „Treppelweg“, also einen Weg der unmittelbar am Ufer eines Flusses verläuft. Die Donau ist hier zum Greifen nahe – und fließt beeindruckend schnell. Rund um uns herum ist es saftig grün. Vorherrschende Baumarten sind hier Pappeln und Weiden, die sich über die Donau aber auch über die zahlreichen stillen Gewässer rechts des Weges neigen und die Kraft, die das Wasser hier haben kann, eindrücklich belegen.

Einige Schritte vor uns hüpft ein winzigkleiner rotbrauner Frosch über den Treppelweg. Immer wieder raschelt es im Untergrund, Vögel fliegen auf. So stelle ich mir unberührte Natur vor. Schön, dass das hier möglich und erlebbar ist.

„Historische“ Blumenwiese
Einige Zeit lang spazieren wir die Donau entlang, dann weist uns ein Wegweiser den Weg nach rechts. Es geht weiter durch den dichten Auwald und über den Rosskopfarm, einen weiteren der stillen Arme der Donau mit ausgedehnten Schilfufern. Die verschiedensten Wasservögel wir Grau- und Silberreiher, Zwergtaucher oder Teichhühner, aber auch Ringelnattern lassen sich hier mit ein wenig Glück beobachten. Wir müssen für solch ein Erlebnis wohl an einem anderen Tag wiederkommen.

Nicht viel weiter müssen wir gehen bis wir die sogenannte Brücklwiese queren. Von hier aus hat 1984 die Besetzung der Au ihren Anfang genommen. Heute ist das ein ruhiger, sonnendurchfluteter Ort, eine weitläufiger wunderschöne Blumenwiese über der die Schmetterlinge tanzen – im Frühling blühen auf der großen Wiese sogar verschiedenste Orchideenarten. Weiter geht es in östliche Richtung und da ein Stückchen den Hochwasserschutzdamm entlang auf dem es sich bestimmt auch vortrefflich Radfahren lässt – das aber wohl eher im Herbst, wenn die Sonne nicht mehr ganz so gnadenlos herunterbrennt. Gerade weil das aber heute so ist, verlassen wir den Damm bald und nehmen den Weg, der in nördlicher Richtung in den Wald eintaucht. Zurück in der Ortschaft Stopfenreuth ist unser Spaziergang für heute zu Ende.

Der Nationalpark kann im Rahmen einer geführten Tour oder selbst erkundet werden. Bleiben Sie dabei aber bitte auf den markierten Routen. Vorsicht ist bei rasch ansteigenden Wasserständen der Donau sowie im Hochwasserfall geboten. Informieren Sie sich vor Ihrer Wanderung unter Tel. 02163/3370 oder beim Online-Pegel über die Wasserstände und Prognosen.

Serie „Sonntagsspaziergänge"

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen