Ein Abschiedsbesuch bei den Innsbrucker Franziskanern
Vertrauen in die Botschaft Jesu

Schauen voll Zuversicht in die Zukunft: P. Egwin Raffl und P. Rupert Schwarzl (v. l.), die letzten beiden Franziskaner des Innsbrucker Klosters.  | Foto: Kaltenhauser
  • Schauen voll Zuversicht in die Zukunft: P. Egwin Raffl und P. Rupert Schwarzl (v. l.), die letzten beiden Franziskaner des Innsbrucker Klosters.
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In der Luft geschwebt ist es schon länger: dass die Tage des Innsbrucker Franziskanerklosters gezählt sind – nach über 500 Jahren. Beim Kapitel im Mai, bei dem Besetzung und Struktur der Klöster neu überdacht werden, wurde entschieden, das Kloster zu schließen.

„Zu zweit ein Gemeinschaftsleben nach unserer Ordensregel aufrecht zu erhalten, ist sehr schwierig“, so P. Rupert Schwarzl, Filialvikar und Ökonom im Franziskanerkloster Innsbruck an der Hofkirche. „Aber wir haben ein sehr gutes Zusammenleben gehabt. Das ist alles andere als selbstverständlich und ich kann nur danken für P. Egwin als Mitbruder. Er ist ein sehr überzeugendes Beispiel von Selbstdisziplin und Hilfsbereitschaft“, sagt P. Rupert.

Gelassenheit trotz Wehmut. P. Rupert erzählt von der Tradition, dass jeder Mitbruder beim Eintritt eine Nummer erhalte. Als er 1966 in Telfs bei den Franziskanern eingetreten war, erhielt er die Nummer 167. Beim Tod eines Mitbruders rücken die anderen jeweils eine Nummer vor. P. Rupert ist inzwischen bei Nr. 23 angelangt. Sein Mitbruder P. Egwin Raffl, 87 Jahre alt, sei schon einstellig. Angst macht ihnen das nicht: „Wir sehen den Tod als Bruder, so wie Franziskus, ganz gelassen.“ Der Mangel an Mitbrüdern rufe aber nicht in erster Linie das Ende des irdischen Lebens vor Augen, sondern die großen Herausforderungen, was die Aufrechterhaltung des Gemeinschaftslebens und der seelsorglichen Aufgaben angeht. Auch hier ist P. Rupert – bei aller Wehmut, den geschichtsträchtigen Ort Innsbruck nach nur vier Jahren mit Ende September wieder verlassen zu müssen – von Dankbarkeit geprägt: „Ich war 35 Jahre lang ohne Unterbrechung in unterschiedlichsten Leitungsfunktionen im Orden tätig. Jetzt freue ich mich sehr darauf, im Kloster in Graz einfach nur Seelsorger sein zu dürfen.“ Ein besonderes Anliegen sind ihm die Verkündigung des Evangeliums als Frohbotschaft und die Beichte: „Allein das ist es wert, Priester zu sein, dass Menschen das Pakt‘l ihrer Schuld abgeben und befreit in den Alltag zurückkehren können.“ P. Egwin wird ins Kloster nach Hall gehen. Er freut sich auf das Leben in einer größeren Gemeinschaft und wirkt weiter als Seelsorger.

Franziskanischer Geist bleibt. Auf den engen Klostergängen hallen die Schritte. Viele Räume stehen schon leer. Die Mitbrüder, deren Namen auf der Stecktafel zur Verteilung der täglichen Aufgaben im Kloster stehen, sind längst verstorben. Zu P. Rupert und P. Egwin hatte noch ein dritter Mitbruder gehört, der aber nach einem Dreivierteljahr in Innsbruck plötzlich verstorben war. Seither sind sie nur noch zu zweit. Das Haus, in den 1970er Jahren unter Eduard Wallnöfer mit der Auflage errichtet, die Seelsorge an der Hofkirche zu gewährleisten, ist stark sanierungsbedürftig. Es wird nach dem Weggang der Franziskaner in den Besitz des Landes zurückfallen. Was damit geschieht, ist noch ungewiss. Sicher ist, dass die Kapuziner die Seelsorge an der Hofkirche übernehmen werden. „Das freut uns sehr, denn so bleibt der franziskanische Geist an der Hofkirche bestehen“, so P. Rupert. Die treue „Hofkirchen-Gemeinde“, zu der auch viele Touristen gehören, wird es danken.

Der Herrgott weiß mehr. „Beim Abschied werden Tränen fließen“, ist sich P. Rupert sicher. Der Köchin und der Mesnerin, die dem Kloster seit Jahren in Treue verbunden sind, werde der Provinzial zum Abschied eine Affiliationsurkunde überreichen – als Zeichen dafür, dass die beiden Frauen der Ordensgemeinschaft geistlich angehören. „Christus hat uns verheißen, dass er bei uns bleibt bis zur Vollendung der Welt. Das hat auch Franziskus, der öfter depressiv war, in einer Vision geschaut: Christus hat ihm zugesagt: ‚Franziskus, mach dir um den Orden keine Sorgen, ich werde ihn bis zum Ende der Welt erhalten.‘ Und so wird es sein. Der Herrgott weiß wie, auch wenn wir es nicht wissen“, so P. Rupert voll Zuversicht. Weder Jammern noch unrealistischer Optimismus sei angebracht, vielmehr ein unverbrüchliches Vertrauen in die frohe Botschaft Jesu.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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