Rombesuch
Erzbischof Franz Lackner zu Gast im „Salzburg des Südens“

Schweizer Gardisten stemmten den schweren barocken Himmel. Erzbischof Franz Lackner trug als erster Salzburger Oberhirte und Primas Germaniae das Allerheiligste bei einer Fronleichnamsprozession durch Teile des Vatikans.
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  • Schweizer Gardisten stemmten den schweren barocken Himmel. Erzbischof Franz Lackner trug als erster Salzburger Oberhirte und Primas Germaniae das Allerheiligste bei einer Fronleichnamsprozession durch Teile des Vatikans.
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Erzbischof Lackner besuchte Rom für kuriale Termine und feierte als erster Salzburger Erzbischof rund um den Petersdom eine Fronleichnamsprozession. Im deutschsprachigen Kolleg Santa Maria dell‘ Anima war Lackner nicht nur zu Gast, sondern spendete auch das Firmsakrament.

Es herrscht geschäftiges Treiben in den Straßen rund um die Kirche der deutschsprachigen Gemeinde Santa Maria dell’Anima unweit der Piazza Navona in Rom. Noch sind es nicht die Touristen, sondern Jugendliche und Erstkommunikanten mit ihren Eltern und Geschwistern, die um den römischen Palazzo mit seiner einladenden Renaissance-Kirche herumwuseln, auf den Kirchentreppen sitzen und miteinander aufgeregt schnattern. Nach Monaten der Pandemie erwacht das Pfarrleben wieder. „Wir sind glücklich und erleichtert, dass wieder Erstkommunionen und Firmungen möglich sind“, sagt Michael Max, Salzburger Priester und nunmehriger Rektor im Haus. Die Anima, wie die Deutschsprachigen in Rom sagen, ist ein Päpstliches Institut, das für Priester Wohn- und Gemeinschaftsort ist während sie in Rom ihren vertiefenden Studien nachgehen. Seit 2020 leitet Max die Einrichtung.

Ein Salzburger in der „Anima“

Der „Rettore“, wie ihn seine Umgebung nennt, hat einen straffen Tages- und Arbeitsplan. Neben der kirchlichen Leitung der Priestergemeinschaft und seines Alltags ist der gebürtige Gmundner auch für die wirtschaftliche Entwicklung und Erhaltung des Institutes zuständig, das vielen Menschen Arbeit gibt, Wohnungen und Geschäftslokale vermietet. „Das ist oft die schwierigste und herausforderndste Aufgabe von allen“, berichtet Max. Die Leitung der deutschsprachigen Pfarre in Rom liegt ebenso bei ihm. Gemeinsam mit dem Kuraten Konrad Bestle kümmert er sich um Seelsorge und sakramentales Leben in der Gemeinde. Bestle ist seit 2018 vor Ort und arbeitet zudem als Religionslehrer an der deutschen Schule in Rom.

Fronleichnam im Vatikan

Erzbischof Franz Lackner war vergangenes Wochenende in der „Anima“ zu Gast. Denn vor allem ist die Institution eine Anlaufstelle für deutschsprachige Pilgerinnen und Pilger und Gäste­haus für kirchlichen Besuch aus den Diözesen. Nach Terminen in der vatikanischen Kurie und der Botschaft stand er am Samstag einer Fronleichnamsprozession am Campo Santo Teutonico vor. Das Fronleichnamsfest wird in der Ewigen Stadt nicht wie in Österreich zehn Tage nach Pfingsten gefeiert, da dieser Tag in Italien kein staatlicher Feiertag ist, sondern meist erst am darauffolgenden Wochenende. Lackner selbst lebte viele Jahre als Student und Professor in Rom.

Salzburger Tracht im Vatikan

Zwischen römischen Zypressen, ehrwürdigen Grabmälern und Priestern im Chorrock und mit Römerkragen mischen sich Lederhose und Dirndlkleid. Zur Fronleichnamsprozession mit Erzbischof Franz Lackner am Campo Santo Teutonico im Vatikan hat sich die Blasmusik aus Anthering angesagt.

Der Campo Santo zählt wie die Anima zu den traditionsreichsten deutschsprachigen Institutionen in Rom. Er umfasst unter anderem den bei vielen Rompilgern bekannten „Friedhof der Deutschen und Flamen“, ein Priesterkolleg und eine Bruderschaft. „Aufgrund der Corona-Bestimmungen waren Anreise und Probe eine Herausforderung, aber Atmosphäre und Geschichte hier machen die Prozession für uns zu einem unvergesslichen Moment,“ erzählte Kapellmeister Paul Handlechner, der die Abordnung der Blasmusikkapelle anführte. Es war ein „Griss“ um das Mitfahren, aber die geltenden Vorschriften ließen nur neun Reisende zu. Unvergesslich bleibt wohl auch den Römern und Gemeindemitgliedern von Campo Santo das musikalische Feuerwerk der Salzburger, vor allem als das Te Deum durch die Kirche Santa Maria della Pietà schmetterte.

An der Messe mit anschließender Prozession rund um den Petersdom zur Kirche Santo Stefano degli Abissini nahmen unter anderem die Botschafterin Österreichs beim Vatikan, Franziska Honsowitz-Friessnigg, ihr belgischer Kollege Patrick Renault sowie der Gesandte der deutschen Botschaft Konrad Geier teil. Neben Erzbischof Lackner zelebrierten der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch und die Rektoren der Kollegien Michael Max und Hans-Peter Fischer.

„Wir zelebrieren uns selbst“

Bei dem der Prozession vorausgehenden Gottesdienst hat Lackner vor einer Ich-Kultur in der Kirche gewarnt. Diese zeige sich vor allem in der westlichen und deutschsprachigen Kirche. Geistliche seien davon nicht ausgenommen. „Wir zelebrieren mitunter nur uns selbst“, so Lackner an die Mitbrüder gewandt.

Rom: Salzburg des Südens

Für den Sonntag stand ein Firmgottesdienst in der deutschsprachigen Gemeinde Santa Maria dell‘Anima auf dem Programm. 21 Firmlinge empfingen vom Salzburger Oberhirten das Sakrament. Vorbereitet und eingeführt wurden die Schülerinnen und Schüler der deutschsprachigen Schule in der Via Aurelia vom Kuraten Bestle. Neben dem Unterricht auf Deutsch gab es für die meist italienischsprachigen Jugendlichen auch noch einen Zusatztermin wie die Wallfahrt entlang der sieben Pilgerkirchen Roms, die Firmbeichte und die Vorbereitung auf den Firmgottesdienst. „Die Kinder waren treu und motviert dabei. Nicht nur einmal musste ich meine Nutella-Vorrat für die Jugendlichen opfern, weil sie trotz der Einschränkungen an der Vorbereitung drangeblieben sind“, schmunzelt der Augsburger. In seiner Predigt warb Erzbischof Lackner bei den Jugendlichen darum, Gott in ihrem Leben eine Chance zu geben. Sehr persönlich und streckenweise auf Italienisch erzählte Lackner von seiner Berufung, seinem Weg und seinem Ringen. Schließlich zeigte er auf, wie am Beispiel von Maria der Heilige Geist im Leben eines jungen Christen wirken kann.

Nach einem „Pranzo“, wie die Italiener zum sonntäglichen Mittagessen sagen, mit der priesterlichen Hausgemeinschaft der Anima hieß es für den Erzbischof wieder aufzubrechen. Die Worte von „Rettore“ Michael Max hallen noch nach: „Wenn Salzburg schon das Rom des Nordens ist, dann kann durch die Salzburger Besuche und Beziehungen vielleicht aus Rom so etwas wie ein Salzburg des Südens sein und werden.“ Die römischen Tage des Erzbischofs waren wohl jene dieser gelungenen und beziehungsstiftenden Momente.

David Pernkopf

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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