Pastoralwoche
Kein Ritual oder Gebet ohne Bibel

Endlich wieder eine Pastoralwoche. Vier Tage Austausch in Südtirol zum Thema Sakramente.� | Foto: RB/lsg
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  • Endlich wieder eine Pastoralwoche. Vier Tage Austausch in Südtirol zum Thema Sakramente.
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Quellen des Glaubens, insbesondere der Sakramente, standen im Zentrum der diesjährigen Pastoralwoche in Brixen in Südtirol. Mehr als 70 Seelsorgerinnen und Seelsorger spürten ihnen gemeinsam nach.

von Lisa Schweiger-Gensluckner

„Endlich wieder“, sagte Erzbischof Franz Lackner zu Beginn, „ist es möglich in dieser Form zusammenzukommen.“ Er trifft einen Nerv, denn nach der Corona-Zwangspause ist das Verlangen nach Austausch, Vernetzung und Bestärkung vier Tage lang in der Cusanus-Akademie in Brixen anhaltend. Ein wichtiges Thema, die Sakramentenpastoral, habe uns zusammengeführt, so Lackner.

Theologie kompakt

Drei Jahre arbeitet die Gruppe „Sakramentenpastoral“ an Wegen einer erneuerten Verkündigung im Bereich der Sakramente. Darunter auch Michael Max. Dem Rektor des päpstlichen Instituts Santa Maria dell‘Anima in Rom und promovierten Liturgie-Wissenschafter oblag es, an einem Vormittag das Grundverständnis der Sakramententheologie zusammenzufassen.

„Worum geht es, wenn wir von Sakramenten reden? Was geschieht da eigentlich? Und in welcher Form könnte das in unserer Verkündigung Platz finden“, fragte Max.

Christus-Ereignis als Schlüssel

„Der Schlüssel zum Verständnis von Gottes Tun heißt: Pascha-Mysterium oder Christus-Ereignis“, erinnert der Theologe und meint damit Leben, Leid, Tod und Auferstehung des in Jesus Mensch gewordenen Gottes. „Es ist das einzige Ereignis, das bleibt“, betont er. Und: „Beim Christus-Ereignis geht es um die Erfahrung, dass ich mit betroffen bin. Mit mir geschieht etwas.“Und hier ist die Brücke zur Feier der Liturgie: Diese sei „kein rein technischer Vollzug, den ich für Gott mache, weil er das brauchen würde“, so Max. Sie sei kein pädagogisches oder therapeutisches Handeln. „Sie ist Gottes Handeln, Werk und Dienst an den Menschen durch Jesus Christus im Heiligen Geist. Ein Dienst, der sich in Worten und Riten ereignet.“

Aus dem Judentum habe die frühe Kirche die einfache Gestalt ihres Betens und Feierns übernommen, bestehend aus zwei Teilen: der Erinnerung und Vergegenwärtigung. „Genau in dieser ganz einfachen Struktur funktionieren heute noch all unsere Gottesdienste und im Speziellen die Feiern der Sakramente“, erläutert der Priester.

Von den Quellen gesprochen: Abschließend lud Michael Max ein, „die Verkündigung der Sakramente, das Reden über sie mit den Menschen, die sich darauf vorbereiten, von der Heiligen Schrift her zu gestalten. Es gibt praktisch keinen Text, kein Gebet, kein Ritual, das nicht biblisch geprägt ist“, so der Experte. Das erlebten auch die Teilnehmenden der Brixen-Woche, wenn sie zweimal täglich lebendig miteinander Liturgie feierten: als Quellgrund eben. 

Was nehmen Sie sich mit?

Pater Evarist Shayo, Pfarre Angath-Angerberg-Mariastein | Foto: RB/lsg
  • Pater Evarist Shayo, Pfarre Angath-Angerberg-Mariastein
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„Ich gehe sehr bereichert von der Pastoral­woche nach Hause. Ich habe so viele Mitbrüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen gelernt. Und vor allem war das Thema ein Erfrischungskurs. Ich habe wieder Neues gelernt, vor allem über den Wandel in dieser Zeit. Das ist für mich besonders interessant. Für die Pastoralarbeit habe ich eine Bestärkung bekommen. Ich fühle mich wie erneuert nach diesem Kurs. Die Pastoralwoche ist für mich sehr wichtig, das ist wie Aufladen.“ 
Pater Evarist Shayo, Pfarre Angath-Angerberg-Mariastein

Maria Gruber, Krankenhaus-Seelsorgerin, KH  Schwarzach | Foto: RB/lsg
  • Maria Gruber, Krankenhaus-Seelsorgerin, KH Schwarzach
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„Das Miteinander von den verschiedenen Berufsgruppen im guten Geist Jesu ist ein echter Schatz. Das braucht es für die Kirche: dass wir alle gut mitei­nander arbeiten. Die Vortragenden haben uns Wichtiges erzählt. Respekt habe ich vor der Entwicklung der Kirche, den Zeichen der Zeit. Das ist mir nicht neu. Auch als Mutter bekomme ich die Themen der Zeit serviert. Das Wissenschaftliche tröstet aber bei aller Schwierigkeit. Denn die Distanz zur Kirche ist eine weltweite Entwicklung. Das Gelernte hilft mir sehr, auch in meiner Arbeit im Krankenhaus. Dort begegnen mir viele kritische Stimmen. Ich kann gut mit zweifelnden, distanzierten Menschen ins Gespräch kommen. Für mich ist Zweifel ein großes Zeichen von Glauben. Er führt uns weiter, wenn wir keine Angst haben.“Maria Gruber, Krankenhaus-Seelsorgerin, KH Schwarzach

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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