Ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde
Angst vor dem Krieg

Als Priester steht Vitaly Mykytyn der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde St. Markus in Salzburg vor. Als Teil der katholischen Ostkirchen feiern die Gläubigen zwar die byzantinische Liturgie in ukrainischer Sprache, befinden sich aber in Einheit mit der römisch-katholischen Kirche.
  • Als Priester steht Vitaly Mykytyn der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde St. Markus in Salzburg vor. Als Teil der katholischen Ostkirchen feiern die Gläubigen zwar die byzantinische Liturgie in ukrainischer Sprache, befinden sich aber in Einheit mit der römisch-katholischen Kirche.
  • Foto: RB/privat
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Während Vitaly Mykytyn in Salzburg Seelsorger für die byzantinischen Gläubigen der Pfarre St. Markus ist, bangt seine Familie in der Ukraine um die Zukunft ihres Landes. Über Identitätssuche, Übungen für den Katastrophenfall und Skepsis vor leeren Versprechungen.

von Alexandra Hogan

„Viele Ukrainer wollen einfach nur die Freiheit, selbst zu wählen, in welche Richtung Land, Kultur, Sprache und Religion gehen sollen“, sagt Vitaly Mykytyn. Der griechisch-katholische Priester stammt aus der Ukraine, wo seit nunmehr acht Jahren immer wieder Auseinandersetzungen mit dem russischen Nachbarn stattfinden. Aufgewachsen ist der Wahlsalzburger als Kind aber noch in der Sowjetunion.

„Wenn ich mit meinen Großeltern zu Weihnachten in die Kirche gegangen bin, dann standen oft Lehrer an der Pforte. Die waren nicht freiwillig hier, sondern waren angewiesen zu schauen, welche Kinder mit ihren Familien den Gottesdienst besuchen“, erzählt er. Dass solche Kirchgänge schwere Folgen im kommunistischen und damit atheistischen Staat haben konnten, verstand Mykytyn erst später. Die Auflösung der UdSSR und damit der Beginn eines eigenständigen Staates für die Ukraine mit freier Religionsausübung hat er als Befreiung und Frühling für die Region wahrgenommen.

„Dann möchte ich bei dir bleiben.“

Über einige Umwege ist der byzantinische Priester nach Salzburg gekommen. Seit fast zehn Jahren lebt er mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern in der Mozartstadt. Der Kontakt in seine Heimat ist trotzdem nie abgerissen. Erst vor einigen Tagen habe er mit seiner Schwester in der krisengebeutelten Ukraine telefoniert – und die hatte Beunruhigendes zu berichten.

„Ihre zehnjährige Tochter, meine Nichte, hat irgendwo aufgeschnappt, dass mit dem 16. Februar der Dritte Weltkrieg beginnen würde“, erzählt Mykytyn. In der Schule hätten alle Kinder bereits Übungen für das richtige Verhalten im Katastrophenfall gehabt. Das habe der Nichte so viel Angst gemacht, dass sie nicht mehr in die Schule gehen, sondern bei ihrer Mutter daheim bleiben wollte. „Meine Nichte meinte: Wenn Krieg kommt, dann möchte ich bei dir bleiben, Mama.“

Dieser Tage war in den Medien Unterschiedliches zu lesen, über leichte Entspannung im bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, über einen drohenden Einmarsch der Russen, über potenzielle Gipfeltreffen, die deeskalieren sollen. Mykytyn bleibt skeptisch. „Russland hat in den vergangenen Jahren viel versprochen, aber wenig gehalten. Da fragt man sich bei allem: Sind das wieder leere Worte oder werden Taten folgen?“

Identitätsfrage führt zu Konflikt

Eine Wurzel des Konflikts sieht der byzantinische Priester in der Suche Russlands nach Identität. „Im 16. Jahrhundert orientierte sich Russland in den Westen und legte mehr Augenmerk auf europäische Werte. Dabei wurde das Gebiet der heutigen Ukraine wichtig, denn es stellt geografisch eine Brücke zum Westen dar. Ich denke aber auch, dass viele Russen ein Problem damit haben, dass das ukrainische Volk quasi der eigentliche Erbe der Kiewer Rus ist – des mittelalterlichen altostslawischen Großreiches.“Was sich Mykytyn für die Zukunft im Miteinander der beiden Länder wünscht: „Wir sollten Unterschiede einfach anerkennen, denn sie sind nichts Schlechtes. Und wir sollten als Nachbarn friedlich miteinander leben – nicht als Feinde.“

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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