Ein neuer Turmbau zu Babel?
Dürre - klimatisch und geistlich
Auch wenn das Klima in der Erdgeschichte nie statisch, sondern stets von langfristig wechselnden Zyklen zwischen Eis- und Warmzeiten geprägt war, besteht im Wesentlichen ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber, dass der Mensch für den aktuellen Klimawandel mitverantwortlich ist. Diese keineswegs neue Erkenntnis wäre eigentlich eine gute Grundlage für eine ganzheitliche globale Veränderung. Doch irgendwie scheint mir die derzeitige Dürre der vertrockneten Böden auch ein Hinweis auf den ausgetrockneten Geist zu sein. Immerhin sind wir von zahlreichen Leuten umgeben, die nach wie vor nicht begriffen haben, dass unser aller Lebensgrundlage in Gefahr ist. Daneben wird mit zunehmend spürbaren Auswirkungen jene Gruppe immer größer und ungeduldiger, die meint, es müsse eine schnelle Lösung her. Diese Gruppe mag zwar keine schlechten Absichten haben, stellt indirekt aber eine wachsende Bedrohung dar, weil sie vermehrt Druck auf die Entscheidungsträger ausüben wird, rasche wirksame Maßnahmen zur Linderung der Klimafolgen zu ergreifen. Das Problem ist, dass gesetzte Klimaziele verfehlt werden und es zu den bekannten Maßnahmen kaum Optionen gibt, außer der Modifikation der Sonneneinstrahlung durch Geoengineering, oder auch Climate Engineering genannt. Diese bewusste großskalige Beeinflussung des Klimas wird international und gesamtgesellschaftlich noch kaum diskutiert. Unter Experten gilt Geoengineering jedenfalls als höchst umstritten und gibt es für den Einsatz keine klaren Regeln. Wenngleich feststeht, dass diese risikoreichen Methoden nicht die Ursache beheben, sondern bestenfalls Symptome bekämpfen können, ist zu befürchten, dass sich die Politik unter dem steigenden Druck früher oder später dieses Werkzeuges bedienen wird. Zusätzlich zur ebenfalls nicht unumstrittenen, aber seit Jahrzehnten in vielen Ländern praktizierten lokalen Wetterbeeinflussung durch Cloud Seeding (künstlicher Regen durch Wolkenimpfen) könnte mit Geoengineering laut Experten ein unvorhersehbares, neues globales Klima entstehen, das unumkehrbar ist und mit erheblichen regionalen Auswirkungen einhergeht. Um dies zu vermeiden, gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und einen elementaren medizinischen Grundsatz für die Behandlung der „Patientin“ Erde zu verinnerlichen: „Im Zweifel nicht schaden!“. Denn was wir jetzt am wenigsten brauchen, ist ein neuer „Turmbau zu Babel“. Was unsere Erde und ihre Bewohner hingegen am dringendsten bräuchten, wären besonnene Entscheidungsträger, die in der Lage sind, über Lobbyismus, Parteipolitik, Staatsgrenzen und Legislaturperioden hinaus, nachhaltig zu denken und zu handeln. Weil solche aber - insbesondere in Zeiten, in denen wir in mehrdeutiger Weise von Dürre betroffen sind - nicht einfach so vom Himmel fallen, bedarf es mehr denn je des Beitrages jedes einzelnen und darüber hinaus zahlreicher aufrichtiger und demütiger Gebete für gedeihliches Wetter und für einen sorgsameren Umgang mit der Schöpfung.
Christoph Winter
Autor:Christoph Winter aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT |
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