Trauer um Papst Franziskus
Die Welt trauert um Papst Franziskus

Weniger als 24 Stunden vor seinem Ableben spendete Papst Franziskus noch den Ostersegen „Urbi et orbi“ vom Balkon des Petersdoms – wenn auch sichtlich schwach und mit brüchiger Stimme. Danach fuhr er mit seinem Papamobil die Via della Conciliazione hinunter, grüßte die Menschen, segnete Kinder. Rund 20 Minuten dauerte die Fahrt von Franziskus durch die Menge. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein. | Foto: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA
  • Weniger als 24 Stunden vor seinem Ableben spendete Papst Franziskus noch den Ostersegen „Urbi et orbi“ vom Balkon des Petersdoms – wenn auch sichtlich schwach und mit brüchiger Stimme. Danach fuhr er mit seinem Papamobil die Via della Conciliazione hinunter, grüßte die Menschen, segnete Kinder. Rund 20 Minuten dauerte die Fahrt von Franziskus durch die Menge. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein.
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„Heute Morgen um 7.35 Uhr ist der Bischof von Rom, Franziskus, ins Haus des Vaters zurückgekehrt“, verkündete Kardinal Kevin Farrell am Ostermontag, 21. April. Am Tag zuvor, am Ostersonntag, hatte der Papst noch den Weltsegen „Urbi et Orbi“ erteilt und sich mit den schlichten Worten „Buona pasqua!“ – frohe Ostern! – von der Welt verabschiedet.

Mit den schlichten Worten „Buona sera“ hatte sich Papst Franziskus am Abend des 13. März 2013 der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Bescheidenheit war eines der großen Merkmale des verstorbenen 88-jährigen Papstes. Aber auch seine Sorge und sein Einsatz für die Ausgegrenzten und die Notleidenden, seine nimmermüde werdenden Appelle für Frieden und Liebe in dieser Welt markierten seine zwölfjährige Amtszeit.
Franziskus war schon lange gesundheitlich geschwächt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Anfang des Jahres zog er sich Atemwegsinfektionen zu, die im Februar lebensbedrohlich wurden. So lange wie nie zuvor musste der Papst im Krankenhaus behandelt werden. Nach 38 Tagen wurde er entlassen und sollte sich weitere zwei Monate schonen. Doch in den vergangenen Wochen zog es ihn immer wieder hinaus zu den Menschen: Er besuchte den Petersdom und seine Lieblingskirche Santa Maria Maggiore, grüßte die Menschen nach dem Palmsonntagsgottesdienst und traf am Gründonnerstag Häftlinge eines römischen Gefängnisses.

Erster Lateinamerikaner und erster Jesuit am Stuhl Petri

Der aus Argentinien stammende frühere Erzbischof von Buenos Aires war der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri. In 2.000 Jahren Kirchengeschichte war er der erste Papst, der sich Franziskus nannte, und auch der erste Jesuit im Papstamt. In seiner Amtszeit leitete er eine umfassende Reform der römischen Kurie ein und warb für eine flexiblere Anwendung der katholischen Sexualmoral. Für seinen Einsatz für Flüchtlinge, Arme und Andersgläubige genoss Franziskus auch außerhalb der Kirche großes Ansehen. Dass die Kirche „an die Ränder gehen“ muss, war ein zentrales Leitwort für das Pontifikat von Jorge Mario Bergoglio. Es bezog sich auf alle, die am Rand der Gesellschaft leben, genauso wie auf Länder, Völker und Konflikte.

Eine Kirche für die Armen, die Ausgegrenzten und die Leidenden.

Franziskus hat vieles in seiner Amtszeit angestoßen, vieles bleibt zu vollenden – etwa das Reformprojekt einer neuen Kirchenverfassung, die den Laien mehr Mitbestimmungsrechte geben sollte. Seine Amtszeit war auch überschattet von der andauernden Krise um sexuellen Missbrauch in der Kirche sowie einer verschärften Polarisierung zwischen Reformern und Konservativen in der Kirche. Auch die drei Jahre der weltweiten Corona-Pandemie (2020-2022) fielen in sein Pontifikat. Unvergesslich sind die Bilder, als der Papst am Karfreitag allein auf dem Petersplatz betete.

Mit Predigten über menschliche Schwächen und mit einem Fokus auf Umwelt und Solidarität über die Grenzen der Religionen hinweg versuchte Franziskus, den Blick der Kirche auf neue Schwerpunkte zu lenken. Er gab Dutzende Interviews; immer wieder wurden seine Aussagen kritisiert, auch weil sie widersprüchlich interpretiert wurden.

Schon bei seiner ersten Reise als Papst besuchte Franziskus 2013 die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Dort wies er auf das Flüchtlingselend in Afrika und auf dem Mittelmeer hin. Es folgte ein weltweiter Gebetsaufruf für Frieden in Syrien. In seinen Lehrschreiben verurteilte der Papst die „Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht“ und Verteilungsungerechtigkeit als „Wurzel der sozialen Übel“ und mahnte mehr Sorgfalt mit der Umwelt, den Menschen und ihren kulturellen Traditionen ein.

Immer wieder rief Franziskus Konfliktparteien zu einer friedlichen Beilegung auf: Russland und die Ukraine ebenso wie Israel und die Palästinenser, Kolumbien nach dem Bürgerkrieg oder Nord- und Südkorea. Spektakulär war 2014 die Wiederannäherung zwischen dem kommunistischen Kuba und den USA, die auf eine Initiative des Papstes zurückging. Mehrfach war er im Gespräch für den Friedensnobelpreis.

Visionen für eine bessere Welt

Die Papst-Enzyklika „Fratelli tutti“ von 2020 entwarf Visionen für eine solidarische und ökologisch handelnde Menschheit, die gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen sollte. Im März 2022 veröffentlichte Franziskus seine lange erwartete Reform der vatikanischen Kurie. Mit diesem Auftrag hatten ihn die Kardinäle 2013 zum Papst gewählt.

Unter anderem sollen künftig auch männliche wie weibliche Laien zu Behördenleitern ernannt werden können. Zudem reformierte und vereinfachte Franziskus die vatikanischen Finanzen. Allerdings konnte er nicht verhindern, dass der Heilige Stuhl nach der Corona-Pandemie in eine bedrohliche finanzielle Lage geriet.
Sein Projekt einer Umgestaltung der katholischen Weltkirche im Sinne von mehr Mitbestimmung für die Laien blieb unvollendet. Entschieden beschnitt Franziskus die Sonderrechte einer traditionalistischen Minderheit in der katholischen Kirche, die an der alten Form der lateinischen Messe festhalten wollte.

Wie der Vatikan bekannt gab, wird der Papst am Samstag, 26. April, um 10 Uhr in seiner Lieblingskirche in Santa Maria Maggiore beigesetzt. Den Ort hatte Franziskus in seinem Testament, das er zum Hochfest der römischen Stadtapostel Peter und Paul am 29. Juni 2022 verfasst hatte, als einzigen Wunsch selber verfügt.

Wörtlich heißt es darin: „Ich habe mein Leben und mein priesterliches und bischöfliches Amt immer der Mutter unseres Herrn, der heiligsten Maria, anvertraut. Deshalb bitte ich darum, dass meine sterblichen Überreste in Erwartung des Tages der Auferstehung in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore ruhen.“ Und weiter: „Ich bitte darum, dass mein Grab in der Nische im Seitenschiff zwischen der Paulinischen Kapelle (Kapelle der „Salus Populi Romani“) und der Sforza-Kapelle der genannten päpstlichen Basilika eingerichtet wird, wie in der beigefügten Anlage angegeben. Das Grabmal muss in der Erde sein, schlicht, ohne besondere Verzierungen und mit der einzigen Inschrift: Franciscus.“ Zu den Begräbnisfeierlichkeiten werden Staatsgäste aus der ganzen Welt erwartet. KAP/Red

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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