Glaube und Altern
Der Glaube des Alterns, das Altern des Glaubens

Ein auf Transzendenz ausgerichteter alternder Mensch erkennt darin eine völlig neue Lebensausrichtung im Alter. Er darf lernen, das irdische loszulassen, weil ihn das Neue, das Leben bei Gott erwartet. | Foto: Diözese St. Pölten
  • Ein auf Transzendenz ausgerichteter alternder Mensch erkennt darin eine völlig neue Lebensausrichtung im Alter. Er darf lernen, das irdische loszulassen, weil ihn das Neue, das Leben bei Gott erwartet.
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Bischof Alois Schwarz schreibt im neu erschienen Buch „Lebenskunst Älterwerden“ über die Ausrichtung des alternden Menschen auf das Leben danach. „Kirche bunt“ veröffentlicht einen Auszug.

Der jüdische Philosoph Martin Buber schrieb einmal über das Altern: „Altsein ist ja ein herrlich Ding, wenn man nicht verlernt hat, was Anfangen heißt.“ Der Anfang, von dem Buber spricht, ist auch in der Lebensphase des alternden Menschen eine immerwährende Herausforderung.
Damit diese vielleicht letzte Herausforderung des irdischen Daseins gut gelingen kann und versöhnt hinüberführt in die zeitlose Ewigkeit, braucht der Mensch die Trans-zendierung des kategorialen Denkens, dass das Erfüllen von Leistung, Gesundheit oder dem Zwang nach Konsum nicht das Letzte oder das Eigentliche am Ende des Lebens sein kann. Das ist kein leichter Weg, denn die Gesellschaft signalisiert dem alternden Menschen ein anderes Bild.

Nicht „Ich kann“, sondern „Ich bin“!
Das Leben artet oft aus in einer permanenten lebenslangen Leistungsshow. Schon im frühen Kindheits- und Jugendalter zeigt der Mensch, was er kann und dass er fähig ist, Leistung zu erbringen. Freilich braucht es auch fleißige und leistungsstarke Menschen, die in der Welt ihre Talente, ihr Wissen und Können unter Beweis stellen. Der Einstieg ins Berufsleben, das meist dann etwa 40 Jahre dauert, spiegelt das erlernte „Ich kann“ wider, denn es lässt den Menschen Jahr für Jahr hineinwachsen in den Glauben, dass das Leisten und Können er selbst geworden ist. Der Glaube, dass der Mensch die erbrachte Leistung ist, sei es in Beruf, im Sport im persönlichen Gesundheitswahn, der ewigen Jugend durch Schönheitsoperationen und so fort, führt den Menschen in die Irre.

Die Seele ist im Ausdruck
eines gläubigen Menschen
rückgebunden an Gott.

Was ist, wenn es zu Brüchen im erfolgreichen Dasein des Lebens kommt, wie beispielsweise zur Kündigung durch Wegrationalisierung oder durch ein neues Management, eine schwere Krankheit, einen Unfall oder dergleichen. Der Mensch, der sich ausschließlich auf das „Ich kann“ verlässt und in dem Glauben lebt, dass das „Ich kann“ er selbst ist, wird in der Phase der Pensionierung möglicherweise eingeholt von dem Gedanken, er sei nutzlos und unbrauchbar geworden.

Irgendwann im Leben sollte der Punkt kommen, an dem der Mensch aus dem „Ich kann“ seines Lebens die Suche nach dem „Ich bin“ startet, weil er damit die Beziehung zu Gott aufnimmt, dem „Ich bin da“ (Ex 3,14).
Der alternde Körper findet sein Pendant in seinem alternden Selbst, der reifen Seele. Während das reife Alter des Körpers zugeht auf das Sterben und Loslassen des irdischen Daseins, drängt die reife Seele hin auf das Überschreiten der Grenzen vom Irdischen hinein in die Transzendenz. Die Seele des Menschen ist im Ausdruck eines gläubigen Menschen rückgebunden an Gott, der das Leben ist. Hier geschehen zwei diametral völlig unterschiedliche Prozesse in ein und demselben Körper, das Zugehen auf den Tod der körperlichen Materie und das Hineinwachsen in das ewige Leben des inneren Selbst, der reifen Seele. Der gläubige, alternde Mensch schwebt also zwischen zwei Polen, dem irdischen Sterben und dem Leben in Ewigkeit.

Ein auf Transzendenz ausgerichteter alternder Mensch erkennt darin eine völlig neue Lebensausrichtung im Alter. Er darf lernen, das Irdische loszulassen, weil ihn das Neue, das Leben bei Gott erwartet. Der auf Transzendenz ausgerichtete gläubige Mensch strahlt in seiner inneren Zufriedenheit in Verbundenheit mit Gott Ruhe aus. Diese Ruhe stellt gleichsam den Ausgleich zur geschäftigen Betriebsamkeit der Menschen in den jüngeren Lebensphasen her.

Altern im Glauben bedeutet, sich aufzumachen und nicht an der Heimat und den irdischen Dingen zu kleben. Das Alter birgt die Möglichkeit, seine Zukunft neu auszurichten und zu gestalten. Ein auf Transzendenz hin ausgerichtet Mensch achtet auf seinen alternden Körper, bleibt jedoch in der Seele jung und lebendig, weil es die Seele ist, die ihn in das neue Leben bei Gott begleiten wird.  Autor: Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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