Fastenserie
würdigen: Die Größe des Menschen

Beziehungen, Verstrickungen, Konflikte: All das gehört zum Menschsein wie die Luft zum Atmen. Aber was tun, wenn der Konfliktfall eingetreten ist? Gedanken aus biblischer Perspektive. von Michael Kapeller

Das erste Wort der Bibel über den Menschen handelt nicht von dessen Begrenztheit, Ungenügen und Versagen. Im Buch Genesis wird der Mensch vielmehr als Geschöpf Gottes, als Bild Gottes und als ihm ähnlich vorgestellt. Diese besondere Würde zeichnet den Menschen aus, selbst wenn er sich ihrer nicht immer bewusst ist oder sie ihm von anderen Menschen abgesprochen wird. In der Bibel bildet sie so etwas wie ein Vorzeichen, das alle weiteren Aussagen über den Menschen bestimmt – besonders wenn ihm Unrecht widerfährt bzw. er sich in Schuld verstrickt.

Was ist der Mensch?

Diese Frage zählt mit den Fragen „Woher komme ich?“ und „Wohin gehe ich?“ zu den existenziellen Urfragen des Menschen. Eine Antwort darauf bietet Psalm 8, wo es heißt: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit“ (Ps 8,5-6). Dem Psalmisten ist bewusst, wie klein und unbedeutend der Mensch in Anbetracht der Größe der Welt, ja des Universums, ist und wie erhaben Gott in seiner Weisheit und Güte wirkt. Dennoch bekennt er, dass Gott sich jedem Menschen zuwendet und ihm die Königswürde der Gottähnlichkeit verleiht. Diese Auszeichnung wird aber an eine Aufgabe geknüpft. Der Mensch hat wie ein guter Hirte die Erde für alle Lebewesen zu bewahren und für ein friedliches Zusammenleben zu sorgen. Spätestens an dieser Stelle meldet sich Unbehagen. Zu viel vom Menschen verübte Bosheit, Zerstörung, Niedertracht und Gewalt stören diese erhabene Vorstellung! Da scheint die Bestimmung des Menschen durch den römischen Komödiendichter Plautus realistischer: „Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen.“ Was bedeutet dieser Befund nun aber für die besondere Würde und Gottebenbildlichkeit des Menschen? Einen weiteren Zugang bietet der Apostel Paulus.

Pflanzen – gießen – wachsen

Streit und Eifersucht haben die Gemeinde von Korinth erfasst. Die einen berufen sich auf die Autorität des Paulus, andere wiederum halten zu Apollos. Zu dieser Auseinan-
dersetzung nimmt Paulus im Ersten Korintherbrief Stellung, indem er den Konflikt hinter dem Konflikt benennt. Dazu bedient er sich des Bildes einer Pflanze: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt“ (1 Kor 3,6-7). Paulus hält den Korinthern vor Augen: Ihr beschäftigt euch mit Gruppeninteressen, Macht und Einfluss. All das ist menschlich und irdisch. Das Entscheidende aber ist das Wirken Gottes. Diese Perspektive verschärft Paulus, wenn er die Korinther als Gottes Tempel bezeichnet, in dem der Geist Gottes wohnt. Eindringlich warnt er davor, diesen Tempel Gottes, der die Gemeinde ist, zu zerstören. Hier zeigen sich Größe und Elend des Menschen. Gottes lebenschaffende Gegenwart wirkt im Menschen, wenn er sich als Teil der Gemeinschaft vom Geist leiten lässt. Erklärt er sich selbst zum Maß aller Dinge, so setzt er nicht nur das Wohl der Gemeinschaft sondern letztlich auch sein eigenes aufs Spiel.
Was kann nun aber der Größe des Menschen zum Durchbruch verhelfen? Für Paulus ist der entscheidende Schlüssel die Beziehung Gottes zum Menschen. So schreibt er im Römerbrief: „Die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes“ (Röm 8,14). Gott hat den Menschen nicht nur mit Gottebenbildlichkeit gekrönt, er leitet ihn in der Kraft seines Geistes, befreit ihn von der Furcht vor negativen Einflüssen und Abhängigkeiten und bietet ihm eine innige Beziehung an: „Ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15). Wie lässt sich dies aber mit der Erfahrung menschlicher Abgründe in Einklang bringen? In ihren Aussagen über die Größe und Würde des Menschen bleibt die Bibel nüchtern. So ist für Paulus die Größe des Menschen oftmals im Leiden verborgen (Röm 8,17). Aus der rabbinischen Tradition stammt die Überzeugung: „Alle Dinge hat Gott fertig geschaffen. Den Mensch aber schuf er auf Hoffnung hin.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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