Caritas präsentiert Bilanz 2019
Caritas-Hilfe in Kärnten und weltweit

Fast 100.000 Menschen in Kärnten sind armutsgefährdet. Sie finden bei der Caritas Hilfe und Unterstützung, wie die aktuelle Bilanz der Hilfsorganisation zeigt.
von Gerald Heschl

Dass viele Menschen in Kärnten in Not sind, hat die Caritas schon 2019 gespürt. So hat im Vorjahr fast ein Viertel mehr die Sozialhilfe gebraucht, als noch ein Jahr zuvor. Besonders gefragt war auch die Telefonseelsorge, wo mehr als 14.000 Mal angerufen wurde.
All diese Maßnahmen können nur durchgeführt werden, weil zahlreiche Spender der Caritas ihr Vertrauen schenken. Mehr als 2,5 Millionen Euro an Spenden hat die Caritas im Vorjahr erhalten. Der weitaus größte Teil – 1,8 Millionen Euro – wurde für Kärntner in Not aufgewendet. Etwas mehr als 600.000 Euro kamen der Auslandshilfe zugute. Damit wurde die schlimmste Not bei der Heuschreckenplage in Kenia oder in den Flüchtlingslagern gelindert.
Niedrige Verwaltungskosten
Insgesamt hat die Caritas 2019 mehr als 46 Millionen Euro eingesetzt. Darin ist sowohl die Nothilfe enthalten, wie der Bereich der Alten- und Pflegehäuser oder der umfangreiche Bildungssektor.
Besonders stolz ist Marion Fercher, kaufmännische Geschäftsführerin der Caritas, auf die niedrige Verwaltungsquote, die lediglich 4,5 Prozent ausmacht. Das heißt, von jedem gespendeten Euro kommen mehr als 95 Cents direkt bei den Betroffenen an. Fercher: „Damit sind wir im Vergleich aller Organisationen extrem gut aufgestellt.“
Auf einen besonderen Aspekt der Armut in Kärnten wies bei der Präsentation des Caritas-Wirkungsberichtes Direktor Ernst Sandriesser hin: Mehrkindfamilien und Alleinerziehende. Sandriesser: „Es ist beschämend, dass in unserer Gesellschaft zwei oder mehr Kinder schon ein Armutsrisiko bedeuten.“
Mit Blick auf die Corona-Pandemie stellte Sandriesser fest, dass erst jetzt, nach dem Lockdown, die gravierendsten Folgen sichtbar werden. So verzeichnet die Suchtberatung eine Verdoppelung ihrer Anfragen. Noch stärker sind die Ansuchen um Sozialhilfe bei den Männern gestiegen. Der Caritasdirektor führt dies auf die Folgen von Corona auf den Mittelstand zurück: „Viele Menschen, die jetzt um Sozialhilfe ansuchen, hatten zuvor noch nie Kontakt mit der Caritas.“
„Dabei stehen wir erst am Beginn einer negativen Entwicklung“, fürchtet Sand-riesser. Wenn im Spätsommer oder Herbst Unternehmen schließen müssen oder die letzten finanziellen Reserven zur Neige gehen, werde die Not weiter steigen: „Es besteht die Gefahr, dass das soziale Gleichgewicht in eine eklatante Schieflage gerät.“ In diesem Sinne fordert die Caritas eine „Solidaritätsmilliarde“ für Menschen in Not, die auch für eine nachhaltige Sozialpolitik in Österreich sorgen soll. Sandriesser: „Der Lockdown hat unsere Gesundheit geschützt, jetzt geht es darum, uns sozial zu schützen.“
Insgesamt sei die Corona-Krise für die Caritas eine besondere Herausforderung gewesen, resümmierte Sandriesser: „Wir waren es immer gewohnt, bei Katastrophen aktiv zu sein. Jetzt waren plötzlich Außeneinsätze, Kontakte zu Menschen, unmöglich.“ Dennoch sei es gelungen, die wichtigste Versorgung sicherzustellen.
Virus isolieren – nicht Menschen
Zwiespältig beurteilt der Caritasdirektor die Besuchsverbote in den Alten- und Pflegehäusern. Diese seien „für die Gesundheit positiv, für die Seele aber sehr belastend“ gewesen. Zwar sei es den Mitarbeitern in den Caritas-Häusern gelungen, durch besondere Kreativität Formen einer zwischenmenschlichen Nähe zu finden, aber die Einsamkeit vieler Menschen sei dennoch erschreckend gewesen. Dies dürfe so nicht mehr geschehen, betonte Sandriesser: „Wir müssen das Virus isolieren, aber nicht die Menschen.“
Als besondere Herausforderung für die Zukunft sieht Sandriesser den Klimawandel. Dieser werde „die globale soziale Krise der Zukunft“. Schon 2019 unterstützte die Caritas Kärntner Unwetteropfer mit 90.000 Euro.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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