lend.raum
Ein Grund, um morgens aufzustehen

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Der lend.raum bietet Menschen in fordernden Lebensumständen einen Raum, sich in einem strukturierten Rahmen freiwillig zu engagieren und sich durch persönlichkeitsbildende Angebote weiterzuentwickeln. Die Stärkung des WIR-Gefühls steht dabei im Vordergrund. von Carina Müller

Jeden Mittwoch und Donnerstag verwandelt sich das Jugendzentrum „POINT“ im Diözesanhaus Klagenfurt zum „lend.raum“. Seit einem Jahr können in diesem Menschen in fordernden Lebensumständen sinnvollen Beschäftigungen nachgehen. So werden einerseits Lebens- und Sozialberatungen angeboten und andererseits Grußkarten oder Dekorationsmaterialien gefertigt. Die Werkstücke kommen verschiedenen Bereichen und Abteilungen der Caritas zu Gute.

Sinnvoll ins Tun kommen
Es ist Donnerstagmorgen. Petra Käfer, Erwachsenenpädagogin und Leiterin des „lend.raum“, bereitet die ersten Materialien für die heutige Arbeit vor. Um Punkt neun Uhr öffnet der Raum schließlich seine Pforten für die freiwilligen Helfer. Heute stehen drei Aufgaben im Vordergrund – das Nähen von bunten Jausensackerln für die Lerncafés der Caritas, das Backen von Friedenstauben aus Salzteig und das Basteln von Lerncafé-Buttons. „Der Grundgedanke ist, einen Raum zu schaffen, wo man zusammenkommen kann und (schrittweise) durch ein vielfältiges Angebot an Freiwilligen- Arbeit gemeinsam sinnvoll ins Tun kommt. Wir wollen eine Beschäftigung anbieten, die feste Struktur und zugleich ein Wir-Gefühl vermittelt sowie schrittweise zur Inklusion führt. Die Beschäftigung soll dabei gleichzeitig einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“

Ein kreativer Vormittag
Kurz nach neun treffen auch schon die ersten beiden Besucherinnen ein. Mit einer Tasse warmen Milchkaffee machen sich Isabella und Katharina gleich an die Arbeit. So wie jede Besucherin und jeder Besucher engagieren sie sich freiwillig im lend.raum, indem sie durch kreatives Arbeiten Materialien für die verschiedensten Bereiche der Caritas erstellen – „das bringt einen Mehrwert für die lend.raum-Besucherinnen und -Besucher und gleichzeitig die Organisation mit sich“, so Käfer.Los geht‘s mit den Jausensackerln für die Caritas Lerncafés. Isabella setzt sich als Erstes an die Button-Maschine. Gekonnt drückt sie die im Voraus ausgeschnittenen runden Kreise aus Papier, auf denen das Logo des Lerncafés zu finden ist, in die metallenen Nadelbuttons. Wenn alle fertig sind, werden sie auf die bunten Sackerln gesteckt. Um diese kümmert sich inzwischen Katharina. Sie ist begeisterte Näherin und zaubert mit einer Nähmaschine aus ein paar Stücken recycelten Stoff und einem Klettverschluss das perfekte Jausensackerl.
Katharina bezieht eine Waisenpension und die Mindestsicherung – momentan arbeitet sie nicht, will währenddessen aber freiwillig arbeiten. Sie hilft nun seit etwa drei Monaten beim lend.raum mit. Ihre ausgezeichneten Nähkenntnisse werden gebraucht, und auch ihr gibt das Nähen einen Sinn und vor allem einen Grund, morgens aufzustehen. Enthusiastisch erzählt sie: „Ich bin gerne hier. Einerseits wegen der Beschäftigung, andererseits damit ich unter Leuten bin. Das Nähen gefällt mir am besten. Ich bin gerne kreativ.“

Ein Ort, Persönliches zu bereden
Neben der Arbeit wird sich fleißig ausgetauscht. „Es soll ein sogenanntes ‚peer-counseling‘ entstehen, welches die Eigenverantwortung, Selbstreflexion und Eigenständigkeit fördert. Die Menschen sollen sich bestenfalls gegenseitig beraten, über Probleme und Erfolge reden und sich vielleicht auch außerhalb des lend.raums treffen“, so die Erwachsenenpädagogin. Von Freizeitbeschäftigungen bis hin zu privaten Problemen – die Themen, über die sich ausgetauscht wird, sind ganz verschieden. Der lend.raum bietet einen sicheren Ort, um das zu tun.

Zurück in ein strukturiertes Leben
Das Projekt konnte seit Start im letzten Jahr schon einige positive Erfolge erzielen – so fanden mehrere ehemalige Besucherinnen und Besucher wieder in die Mitte der Gesellschaft. Petra Käfer erzählt: „Ich kann mich an einen Besucher erinnern, welcher schon am Rande des Systems war. Die freiwillige Mitarbeit schuf für ihn eine Regelmäßigkeit. Er startete mit einem Tag bei uns, danach kam er an beiden Tagen. Nun arbeitet er wieder im Marketingbereich und nimmt vollkommen am sozialen Leben teil.“ Um Menschen dort hinzuführen, bedarf es einerseits professioneller Betreuung. Andererseits müssen auch die individuellen Bedürfnisse der Gruppe gedeckt werden: „Wichtig sind die Kommunikation auf Augenhöhe, persönlichkeitsbildende Trainingselemente und das Eingehen auf die Gruppe. Um die Bedürfnisse der Gruppe bestmöglich zu befriedigen, sind wir meistens zu zweit. Roland Jaritz ist Sozialpädagoge in Ausbildung und geht mir oft zur Hand“, so Käfer.

Ein Einstieg ist laufend möglich
Die Anmeldung zum Projekt ist jederzeit möglich. Die Zielgruppe sind Menschen, die bereits Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld beziehen und die geführt wieder in ein strukturiertes Leben finden möchten. „Es ist ein sehr niederschwelliges Angebot, das mit einem Erstgespräch anfängt, um einen Einblick in die Lebenswelt der Person zu bekommen und eine erste Vertrauensbasis zu schaffen“, so Käfer. Wenn die Person in die Gruppe passt, wird sie aufgenommen.

Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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