Kältetelefon der Caritas
Ein Anruf, der Leben retten kann

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Die Temperaturen fallen, die Nächte werden immer länger und der erste Schnee liegt bereits auf Österreichs Straßen. Jeden Tag kämpfen obdachlose Menschen mit den harten Bedingungen im Winter. Das Kältetelefon der Caritas hilft Menschen durch die frostige Jahreszeit.
von Carina Müller

Die Tage werden kürzer und die Nächte für obdachlose Menschen unerträglicher. Jeden Tag kämpfen Frauen und Männer bei eiskaltem Wind, heftigen Schneefällen und frostigen Temperaturen ums Überleben. Mit ihrem Kältetelefon hilft die Caritas diesen Menschen und stellt neben warmem Tee, Schlafsäcken und Decken auch eine Notschlafstelle, in der Hilfebedürftige einen Platz zum Schlafen finden, zur Verfügung. Unter der Nummer 0463/39 60 60 ist dieses vom 1. November 2021 bis zum 31. März 2022 sieben Tage die Woche zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr früh aktiv.

So wird den Kälteopfern geholfen
Dieses Jahr übernehmen 14 freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeweils zwei Dienste pro Monat. Katrin Starc, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Caritas Kärnten und zuständige für das Kältetelefon, erklärt: „Das Kältetelefon ist kärntenweit erreichbar. Am besten speichert man sich die Nummer ein und ruft das Kältetelefon an, wenn man einen obdachlosen Menschen irgendwo in Kärnten sieht. Wichtig dabei ist es, genau zu beschreiben, wo sich der oder die Obdachlose befindet und wo er oder sie genau nächtigt – z. B. im Park oder in der Nähe vom Bahnhof. Es ist auch wichtig anzugeben. wie die Person gekleidet ist und ob sie überhaupt Hilfe bzw. einen Schlafplatz will. Ist das dann alles abgeklärt und die Person will in die Notschlafstelle nach Klagenfurt, dann verständigt das Kältetelefon den Kooperationspartner – das Rote Kreuz.“ In der Notschlafstelle im Eggerheim werden die Menschen anschließend versorgt und betreut. Hier bekommen sie warme Mahlzeiten, können duschen, ihre Wäsche waschen, soziale Kontakte pflegen und schlafen. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stehen zur Beratung in ihrer jeweiligen Notlage bereit, verwalten ihre finanziellen Mittel und helfen ihnen bei der Wohnungssuche. Falls die Personen im Freien bleiben wollen, aber eventuell einen wärmenden Tee oder einen winterfesten Schlafsack brauchen, rückt das „Eggerheim“-Team aus, um die obdachlosen Menschen vor Ort zu versorgen.

Das Rote Kreuz – ein wichtiger Partner
Ein wichtiger Partner für das Kältetelefon ist das Rote Kreuz – ihre Sanitäter bringen die Menschen nicht nur zur Notschlafstelle, sondern kümmern sich auch gegebenenfalls medizinisch um sie: „Das ist das Gute an der Kooperation mit der Rettung. Die Sanitäter können vor Ort entscheiden, ob die Personen überhaupt in der Lage sind, in die Notschlafstelle zu kommen, oder ob sie ins Krankenhaus müssen. Wichtig ist nur, dass Passantinnen und Passanten nicht selbst die Rettung anrufen, sondern direkt das Kältetelefon, außer es handelt sich um einen klaren medizinischen Notfall.“, erklärt Starc. Lukas Breitenlacher ist seit mehreren Jahren Notfallsanitäter des Roten Kreuzes in Kärnten und der Steiermark und konnte schon einige Male mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kältetelefons zusammenarbeiten: „Vor allem in den Wintermonaten haben wir immer mehr Anrufe bekommen, dass vor allem in der Stadt Leute liegen, wo sich Passantinnen und Passanten Sorgen machen und den Notruf anrufen, damit wir hinschauen. Das hat uns immer in schwierige Situationen gebracht. Natürlich sieht man, dass es den Personen da, wo sie jetzt sind, nicht gut geht und sie können über Nacht auch sicher nicht dortbleiben. Dennoch haben sie aber im Prinzip kein medizinisches Problem und sind deswegen eigentlich kein Fall fürs Krankenhaus. Gerade in diesen Situationen ist die Zusammenarbeit mit dem Kältetelefon sehr wichtig und zielführend, um den Menschen zu helfen.“
Im Regelfall liegt bei den Personen kein akutes medizinisches Pro- blem vor und sie können so in der Notschlafstelle oder vor Ort vom Kältetelefon versorgt werden.
Doch es gibt auch Ausnahmen: „Ich kann mich an einen Fall erinnern, dem es von seinen Vitalzeichen her eigentlich gut gegangen ist. Man hat aber an seinen Händen und Füßen – vor allem an den Fingern und Zehen – gesehen, dass er schon länger der Kälte ausgesetzt war und teilweise an höhergradigen Erfrierungen litt, die definitiv ärztlich betreut gehörten“, so Breitenlacher.

Selbst helfen

Das Erste, was man tun kann, um Menschen in dieser Situation zu helfen, ist anrufen. In den letzten Jahren konnte man dahingehend schon positive Entwicklungen spüren: „Wir machen das jetzt das fünfte Jahr und man merkt, dass schon viele das Kältetelefon kennen. Am Anfang hatten wir nicht so viele Anrufe, weil es noch nicht so präsent war. Nun wissen aber viele, dass es das Kältetelefon jeden Winter gibt und haben die Nummer schon eingespeichert.“ Damit die Caritas obdach- und wohnungslosen Menschen in Kärnten wirksam helfen kann, ist sie auf Geld-, Sach- und Zeitspenden angewiesen. Gebraucht werden momentan gut erhaltene Männerschuhe und Männerhandschuhe sowie warme Wintermützen. Diese können von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 17.30 in der Spendenannahmestelle (Adolf-Kolpinggasse 6) und am Samstag von 9 bis 13 Uhr im carla in Klagenfurt (Adolf-Kolpinggasse 4) abgegeben werden.

Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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