Zugunglück in Pottendorf
Die Eisenstädter Dommusik St. Martin trauert

Daniel Guillen

Der begabte Violinist Daniel Guillen aus Eisenstadt kam diese Woche bei einem Zugunglück ums Leben. Der 25-Jährige galt als eine der größten musikalischen Begabungen des Burgenlandes. Ein Nachruf von Dom- und Diözesanmusikdirektor Thomas Dolezal

Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen: In jeder Beziehung, auch in der persönlichen Beziehung zum Schöpfer allen Lebens, gibt es Momente, in denen man die Welt nicht mehr zu verstehen vermag. Wir haben es vergangene Woche am Montagabend auf irgendeinem Weg der medialen Berichterstattung erfahren: kurz nach 18 Uhr ist auf der Pottendorfer Bahnlinie bei Münchendorf (NÖ) ein Personenzug entgleist. Neben Verletzten und Schwerverletzten gibt es auch ein Todesopfer zu beklagen. Der junge Mann (Jahrgang 1996), der von einem umstürzenden Eisenbahnwaggon erschlagen und unter ihm begraben wurde, ist Daniel Guillen, begnadet begabter Violinist in der Eisenstädter Dommusik.

Umjubelter Solist. Zwei Stunden vor dem schrecklichen Ereignis habe ich mit Daniel noch telefoniert, es ging um seine Mitwirkung bei einem Requiem am kommenden Samstag. Daniel Guillen hat schon als Jugendlicher in der Eisenstädter Kirchenmusik mitgewirkt, regelmäßig am Martinsdom, auch in der Bergkirche. Als eine der größten musikalischen Begabungen im Burgenland war und ist Daniel nicht nur ein Aushängeschild für das Joseph Haydn-Konservatorium. Er war im Haydnorchester tätig und im burgenländischen Jugendsymphonie-Orchester, dort auch als umjubelter Solist: https://m.youtube.com/watch?v=qoFGlsS0vtU

Musikalischer Aufstieg. Zuletzt – und das hat uns alle sehr stolz gemacht – hatte Daniel im Dezember blutjung das Probespiel für die 1. Violine beim Radio-Symphonie-Orchester (RSO) gewonnen und demzufolge seit Februar eine fixe Stelle in dem renommierten Orchester inne. Trotz dieser künstlerisch wie existenziell befriedigenden Situation hat Daniel auf mein Bitten hin keinen Zweifel daran gelassen, auch weiterhin in der Kirchenmusik – sei es in Eisenstadt oder sonst wo – mitzuwirken. Er hat (vielleicht aus eigener Erfahrung) gewusst, dass die Kirchenmusik, sei es im chorischen oder im Instrumentalbereich, davon abhängig ist, dass die noch weniger routinierten Mitwirkenden an den Meisterhaften Anlehnung und Vorbild nehmen können, und dass ein ernsthaftes musikalisches Niveau in diesem Genre nur auf solche Art Zukunft hat. (Eine Erkenntnis, die zu erlangen nicht Wenigen bis ins hohe Alter verwehrt bleibt.)

In diesen schweren Stunden sind alle Empfindungen bei Daniels Mutter, Corinna. Auch sie ist langjährig Mitglied der Eisenstädter Dommusik und in vielen burgenländischen Musikbereichen als Violinistin, auch in verschiedenen Stufen des Unterrichts, angesehen tätig. Sie war Daniels erste Lehrerin, und er ihr prominentester Schüler. Der Gedanke, dass Corinna am Tag nach dem Muttertag ihr toter Sohn in gewisser Weise in den Schoß gelegt wurde, ist unerträglich und schnürt einem die Kehle zu.

Die Dommusik wird zu gegebener Zeit in einer musikgeprägten Feier ihres lieben Kollegen gedenken und ihn dem Herrgott und seiner Güte anempfehlen. Durch Fleiß und Engagement und nicht zuletzt durch seine Vorbilder war Daniel Guillen bereits in jungen Jahren ein Meister. Möge dies geachtet sein, wie im Himmel so auf Erden.

Lieber Daniel, vergelt’s Gott! Wer sonst wäre dazu in der Lage?

Autor:

Redaktion martinus aus Burgenland | martinus

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