Roland Gager (34), Religionslehrer an der HTL Eisenstadt
„Es gibt spannende Diskussionen“

Religionslehrer, aber kein Missionar: „Man kann niemanden gläubig machen, aber ich versuche zu überzeugen“, betont Roland Gager.
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Roland Gager möchte seine Schülern lehren, die „Warum-Fragen“ zu stellen.

SOPHIE LAURINGER 

Rolang Gager konnte es während der Corona-Auszeit gar nicht erwarten endlich wieder loszulegen. Auch jetzt freut er sich auf den Schulstart. Nun pendelt der gebürtige Deutschkreutzer wieder von Wien, seinem Wohnort, nach Eisenstadt. Ein biographisches Detail: Hier an der HTL hat auch Roland Gagers verstorbener Vater Religion unterrichtet. Der Sohn benützt seinen Schreibtisch und fühlt sich in der Schule sehr wohl. „Die Kollegen anerkennen, dass Religion eine wichtige Ergänzung zu den technischen Fächern ist“, erklärt der Lehrer. „Man kann im Religionsunterricht über alle möglichen Dinge des Lebens sprechen.“

Neue Perspektiven. Nur wenige Schüler haben sich von seinem Unterricht abgemeldet – auch solche ohne Bekenntnis nehmen teil. „Gerade von diesen kommen dann die interessanten Fragen. Sie wollen es meistens ganz genau wissen. Es entstehen dadurch spannende Diskussionen mit wertvollen Beiträgen“, betont der Pädagoge. Gute Rückmeldungen bekommt er auch von Eltern, die es schätzen, dass die Kinder im Unterricht ihre Religion besser kennenlernen. Was kann Religionsunterricht bewirken? Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen, meint Gager. In den Evangelien gebe es Weisheiten und Wahrheiten, die auch in der heutigen Zeit ihre Gültigkeit haben. In den technischen Fächern geht es sehr oft um die messbaren Dinge. Die Themen, die sich aus der Lebenswelt der SchülerInnen ergeben, finden ihren Platz im Religionsunterricht.

Halbwissen. Am meisten schätzt Roland Gager an seinem Fach die damit verbundene Vielseitigkeit. Er ist froh viele kreative Möglichkeiten zu haben. So zeigt er seinen Schülern schon mal ein Video über Fleischkonsum und leitet zu Fragen betreffend Umwelt und Verantwortung für die Schöpfung über. Eine Schülerin hat einmal festgestellt: „Wenn man sich auskennt in der Bibel, dann gibt es auf alle Fragen eine Antwort.“ Dabei ist dem Pädagogen wichtig: „Man muss aber in der Lage sein, das Ganze auszulegen: Wie war es damals, als der Text entstand und was sagt uns das heute?“ Wonach fragen Schülerinnen und Schüler? Da gebe es die „Klassiker“ wie Sekten, Drogen und Okkultismus. Roland Gager bringt gerne aktuelle Themen in den Unterricht ein. Während der Coronakrise wurden Fragen zur Pandemie im Fernunterricht erörtert. Konfrontiert wird er mit Machtmissbrauch, der Sexualmoral, dem Kirchenbeitrag, Hexenverfolgungen oder mit den Kreuzzügen. Zu diesen Punkten gebe es oft Halbwissen, Gager erklärt die Zusammenhänge. „Der Papst wird übrigens sehr ernst genommen“, weiß der Lehrer.

Welche Bedeutung hat der Religionslehrer heute? „Vorbildlich sollte man sein, aber auch Dinge hinterfragen. Dabei ist man auch Zielscheibe für Kritik“, meint Roland Gager. Er sieht sich nicht als Missionar: „Man kann niemanden gläubig machen, aber ich versuche zu überzeugen.“ Und was sollen seine Schüler am Ende der Schulzeit über den Religionsunterricht sagen können? Roland Gager will nicht, dass seine Schüler mit Halbwissen aus der Schule gehen: „Jeder konnte hoffentlich das für sich mitnehmen, was er gebraucht hat. Denn Religion soll ein Fach sein, wo es ums Leben geht.“ «

WORDRAP
Roland Gager (34)
Ausbildung:
Matura am Gymnasium Oberpullendorf, Lehramtsstudium Theologie und Geschichte
Das sage ich gerne im Unterricht: Hinterfragt, lasst andere Meinungen zu und scheut keine Diskussionen.
Mich wundert... dass die Schüler manchmal nicht kritischer sind und vieles als gegeben hinnehmen.
Das wurde ich schon gefragt: „Diese Musik dürfen Sie als Religionslehrer hören?“ (Als mich Schüler auf dem Novarock-Festival in Nickelsdorf antrafen.)

Autor:

Martina Mihaljević aus Burgenland | martinus

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