Interview
„Ich wünsche mir Gelassenheit“

Elisabeth Kandler-Mayr
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Weihnachtspost, Musik und das Aufstellen der Krippe – all das gehört für Elisabeth Kandler-Mayr zu den Festtagen selbstverständlich dazu. Dem Rupertusblatt erzählt die Salzburger Ordinariatskanzlerin, wie sie kleine Oasen der Besinnung schafft und was sie sich vom neuen Jahr erhofft.

von Alexandra Hogan

RB: Wie würden Sie jemandem das Weihnachtsfest erklären, der noch nie davon gehört hat?
Kandler-Mayr: Zu Weihnachten geht es um das Ankommen Gottes in der Welt – er kommt so schutzlos wie ein Kind. Es geht um die Offenheit Gottes gegenüber den Menschen; er lässt sich in den Arm nehmen. Und dann geht es bei diesem Fest auch um sinnliche Eindrücke. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann kommt mir sofort die Musik in den Sinn. Meine Familie war immer kirchenmusikalisch tätig und meine frühesten Erinnerungen drehen sich vor allem um Gesungenes. Da war die gesamte Advent- und Weihnachtszeit besonders schön. Diese Musik mag ich bis heute besonders gern.

RB: Pflegen Sie besondere Traditionen und Bräuche in dieser Zeit?
Kandler-Mayr: Mir bedeutet beispielsweise die Weihnachtspost viel. Ich habe einige Brieffreunde und schreibe auch handschriftliche Briefe. Räuchern ist in meiner Familie auch eine feste Tradition. Das war von klein auf sehr stimmungsvoll, das Gehen mit einer Kerze, Weihrauch und Gebet. Auch die Krippe spielt bei uns eine große Rolle.

RB: Wann stellen Sie diese auf?
Kandler-Mayr: Bereits im Advent, aber anfangs noch leer. Ein Verwandter, ein Priester, hat sie mitsamt Figuren in den Kriegsjahren geschnitzt. Die Krippe füllt sich dann auf Weihnachten hin. Mit Ochs und Esel fange ich an. Dieser Großonkel ist auf einem Hof aufgewachsen und hat genau gewusst, wie diese Tiere ausschauen. Dann kommen die Schafe und die Hirten. Am Tag vor Weihnachten ziehen Maria und Josef ein, danach der Engel und das Christkind erst am Heiligen Abend.

RB: Dieses Jahr ist mit Corona zwar wieder etwas ruhiger, aber wie sehen Sie den allgemeinen Trend, in die Zeit vor den Feiertagen noch möglichst viel an Shopping, Konsum und Partys reinzupacken?
Kandler-Mayr: Mit Bedauern – für die Leute, die das sich oder anderen antun. Ich versuche Stress zu vermeiden, indem ich mir schon früher Gedanken mache und die Augen offen halte, was ich wem schenken könnte – auch wenn das schon im Oktober ist. Es geht nicht um Masse, sondern ein paar ausgewählte Dinge. Ich besuche auch nicht viele Weihnachtsfeiern, sondern treffe mich eher mit meiner Familie.

RB: Wie schaffen Sie es, kleine Momente der Besinnung in Ihren Alltag zu integrieren?
Kandler-Mayr: Mit bewusstem Zeitnehmen, zum Beispiel zum Klavierspielen. Im vergangenen Jahr habe ich im Advent begonnen, mir jeden Tag einen Gedanken mitzunehmen – aus dem Gottesdienst, aus einem Lied oder Buch. Da versuche ich einen Punkt zu finden, an den ich bewusst denken will. Das ist eine neue Tradition geworden, die trotz Corona-Einschränkungen funktioniert.

RB: Während der Feiertage wird vielen Menschen ihre Einsamkeit schmerzlich bewusst. Wie kann man ihnen gerade in Zeiten von Corona etwas Gutes tun?
Kandler-Mayr: Mit Telefonaten und Briefen. Gerade ein Brief hat eine ganz besondere Qualität – selbst wenn man ihn vorgelesen bekommt.

RB: Vergangenes Jahr um diese Zeit haben wir gedacht, dass wir fast schon aus der Coronakrise raus sind – und stecken jetzt doch noch mittendrin. Was erhoffen Sie sich gerade im Hinblick darauf für 2022?
Kandler-Mayr: Ich wünsche mir Erleichterung, zusammen mit der Erkenntnis, dass man sich und andere schützen kann. Und schließlich Gelassenheit – ein Stichwort, das mich seit vielen Jahren begleitet. Gelassenheit, möglichst geduldig sein, weniger Extreme, das wäre sicher für alle wünschenswert.

Zur Person

Elisabeth Kandler-Mayr, geboren in Salzburg, studierte Rechtswissenschaften in Salzburg und später Kanonistik in München. Nach dem Gerichtsjahr begann sie die berufliche Tätigkeit in der Erzdiözese Salzburg im Diözesangericht und ist seit 2006 Ordinariatskanzlerin und damit für verschiedene Bereiche des kirchlichen Rechtslebens zuständig, zu denen sie auch Veröffentlichungen in Fachbüchern schreibt.

Elisabeth Kandler-Mayr
Fast 80 Jahre alt ist die Krippe, die Kandler-Mayr jedes Jahr im Advent aufstellt. Das besondere: Ein verwandter Priester hat sie eigenhändig samt Figuren geschnitzt.
Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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