Zum Tod von Queen Elizabeth II.
„Christentum war Quelle der Kraft“

Fünf Päpste hat die kürzlich verstorbene britische Königin Elizabeth II. zu Lebzeiten persönlich getroffen. Zuletzt kam es 2014 zu einer Begegnung mit Papst Franziskus. | Foto: RB/Vatican Media
  • Fünf Päpste hat die kürzlich verstorbene britische Königin Elizabeth II. zu Lebzeiten persönlich getroffen. Zuletzt kam es 2014 zu einer Begegnung mit Papst Franziskus.
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Nicht nur Monarchin, sondern auch weltliches Oberhaupt der englischen Kirche war Queen Elizabeth 70 Jahre lang. Wie sie selbst es mit dem Glauben hielt und welchen Einfluss sie auf den ökumenischen Dialog hatte, erzählt der Salzburger Kirchenhistoriker Dietmar Winkler.

von Alexandra Hogan

Salzburg. Lange hat das Vereinigte Königreich sich darauf vorbereitet, nun ist der Ernstfall eingetreten: Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. endete eine Ära. Die verstorbene Königin hat nicht nur die Weltgeschichte mitgeprägt, auch den Dialog zwischen der anglikanischen und der katholischen Kirche hat sie beeinflusst.

Fünf Päpste hatte die Monarchin zu Lebzeiten persönlich getroffen. „Und jedes Mal war es auch katholischerseits ein Aufmarschieren von Klerikern, Seminaristen und Würdenträgern. Das zeigt, dass sie nicht nur als Staatsoberhaupt, sondern auch als weltliches Oberhaupt der englischen Kirche wahrgenommen und gewürdigt wurde“, sagt Dietmar Winkler, Professor für Kirchengeschichte und Patrologie an der Universität Salzburg. Bereits als Kronprinzessin habe sie Papst Pius XII. getroffen, aber mit dem Zweiten Vatikanum und ihrer Regentschaft habe der freundschaftliche Dialog richtig Fahrt aufgenommen.

Thronfolge: Zeichen der Annäherung

Über Jahrhunderte war es englischen Thronkandidaten verboten gewesen, Katholiken zu heiraten. Zuwiderhandelnde wurden aus der Thronfolge ausgeschlossen. Elizabeth II. hat dieser Praxis 2015 schließlich ein Ende gesetzt – auch dies ein Zeichen der Annäherung und der Modernisierung der englischen Kirche.

Wie stand die Queen persönlich zur Gretchenfrage? Wie hielt sie es zeitlebens mit Religion und Glaube? „Sie war eine spirituelle Person. Damit war die Königin nicht nur weltliches Oberhaupt der englischen Kirche. Für sie war das Christentum eine Quelle der Kraft. Das hat sie selber mehrfach öffentlich geäußert“, sagt der Kirchenhistoriker.

Stimmen zum Tod der Queen

Salzburgs Erzbischof Franz Lackner: „Königin Elizabeth II. hat ihrem Land und vielen Menschen darüber hinaus mit größtem Pflichtbewusstsein und tiefer Religiosität als Symbol und Vorbild gedient.“ Das hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, zur Nachricht vom Tod der britischen Monarchin betont. „In ihre Regierungszeit, die manche das ‚Zweite Elisabethanische Zeitalter‘ nennen werden, fielen beispiellose Umwälzungen.“ Er selbst, so Lackner, erinnere sich noch aus seiner Jugend an den Besuch der Königin in Österreich im Jahr 1969. „Ihre starke und integre Persönlichkeit wird der Welt, der Politik, der Ökumene mit der Kirche Englands fehlen.“

Erzbischof Justin Welby von Canterbury, Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft, betonte, die verstorbene Königin sei „eine treue Christin“ gewesen. Sie habe „jeden Tag ihres Lebens ihren Glauben gelebt“.

Patrick Curran, anglikanischer Pfarrer in Wien, nannte die Verstorbene eine „weise Monarchin“, die Gott unablässig gesucht hatte. Ihr Tod sei ein weiterer „Bruch in dieser Zeit der Umbrüche“.

Hintergrund

Den Glauben bewahren: Als Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England ist König Charles III. auch „Defender of the Faith“ – also Verteidiger des Glaubens. Um seine Interpretation dieser Aufgabe brach seit 1994 in unregelmäßigen Abständen aus, was neudeutsch als Shitstorm bezeichnet wird. Wie er diese Rolle ausfüllen will und wie sich das auf den Krönungseid auswirkt, wird mit Spannung erwartet.
Den Titel „Verteidiger des Glaubens“ (Defensor fidei) hat der englische König Heinrich VIII. 1521 verliehen. Es war ein Dankeschön von Papst Leo X., der erfreut zur Kenntnis genommen hatte, dass Heinrich sowohl den Papst als auch die katholische Glaubenslehre gegen die Anwürfe eines mittlerweile bekannten Mönches namens Martin Luther verteidigt hatte.

Autor:

Thomas Manhart aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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