Ukrainehilfe
Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft

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Die Ukraine ist nicht allein. In Salzburgs Pfarren werden Gebete für die Menschen im Kriegsgebiet gesprochen, Unterkünfte für die Flüchtenden vorbereitet, Spenden zur Linderung der Not gesammelt und Lkw mit Hilfsgütern auf die Reise geschickt.

von Thomas Manhart

Der Flüchtlingsstrom aus der Ukraine hat am vergangenen Wochenende bereits die 1,5-Millionen-Marke erreicht. Laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR handelt es sich um „die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“. Einziger Lichtblick in dieser dunklen Zeit: Die Betroffenheit über das unermessliche menschliche Leid durch die russische Invasion hat in Salzburgs Pfarren eine Welle der Solidarität und Hilfs­bereitschaft ausgelöst.

Aufruf zur Aufnahme von Vertriebenen

„In der Stunde dieser großen Not hilft auch die Erzdiözese tatkräftig und steht den Kriegsvertriebenen zur Seite. Wir bitten gemeinsam mit der Caritas alle Pfarren um Zusammenhalt und die Bereitschaft, geflüchtete Menschen aufzunehmen und ihnen Herberge zu geben. Setzen wir als Christinnen und Christen ein starkes Zeichen der Nächstenliebe“, sagt Erzbischof Franz Lackner. Beim Land Salzburg, das im Messezentrum ein Erstaufnahmezentrum einrichtet, rechnet man zunächst mit bis zu 5.000 Flüchtenden, danach mit intensiven Zuwächsen. „Stimmt auch nur ein Bruchteil der prognostizierten Zahlen, dann braucht es unser aller Hilfe, diese Herausforderung gut zu bewältigen“, ergänzt der Salzburger Caritas-Direktor Johannes Dines.

Erzdiözese verdoppelt Kollekte-Spenden

Neben der Suche nach und Vorbereitung von Unterkünften hat die Katholische Aktion eine tägliche Gebetsinitiative (18 Uhr in St. Markus und per WhatsApp) gestartet und es werden weiter Spenden gesammelt. An einem der nächsten Sonntage findet in den Pfarrgemeinden eine Sonderkollekte für die Ukraine-Hilfe statt – die Einnahmen werden von der Erzdiözese verdoppelt und der Caritas für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.Bereits vor einer Woche hat Salzburgs ukrainische griechisch-katholische Kirche den ersten Lkw mit Hilfsgütern ins Krisengebiet geschickt, weitere Fahrten sind ge­plant. „Es ist wichtig, dass wir sofort und nicht erst in zwei Wochen helfen. Die Lkw-Transporte sind auch ein Zeichen an die Menschen vor Ort: Ihr seid nicht allein, ihr könnt auf uns zählen“, betont Pfarrer Vitaliy Mykytyn. Privatpersonen seiner ukrainischen Gemeinde haben schon die ersten drei Familien aus dem Kriegsgebiet aufgenommen.

Flüchtlingspfarrer Alois Dürlinger

Interview mit „Flüchtlingspfarrer“ Dürlinger

„Hoffen auf Pfarren und Privatquartiere“, sagt  Stadtpfarrer Alois Dürlinger. Er ist Leiter des Pfarrverbands Salzburg-Mitte sowie Assistent und Sprecher des Erzbischofs für Flucht und Asyl.

RB: Gemeinsam mit Erzbischof und Caritas-Direktor bitten Sie in einem Rundbrief die Pfarren und Orden um die Aufnahme von Geflüchteten. Was sind die nächsten Schritte?
Alois Dürlinger: Wir hoffen auf viele Rückmeldungen, dann sichten und bündeln wir das Angebot bei der Caritas und geben dem Ganzen eine Struktur für die zentrale Verteilung der Asylsuchenden. Es braucht ein gutes Herz und einen klaren Kopf. Wichtig ist zunächst ein Quartier, aber dann auch die Grund- und Krankenversorgung sowie die weitere Betreuung, etwa mit begleitenden Helfern und Dolmetschern.

RB: Wo suchen Sie nach Unterkünften und was ist dabei zu bedenken?
Alois Dürlinger: Wir hoffen auf Herberge in Gebäuden in Kirchen- und Pfarrbesitz, aber auch auf private Angebote aus den Pfarren. Wenn man jemanden aufnimmt, sollte das allerdings auf Zeit sein – dass die geflüchteten Menschen nicht kurz darauf wieder weggeschickt werden. Umgekehrt sollte man sich mit Asylsuchenden für die Quartierzuteilung an die zentralen Aufnahmestellen und Verteilzentren wenden und nicht spontan vor der Tür stehen.

Hotline bei Bereitschaft zur Unterbringung von Flüchtlingen: Tel. 05/1760 7777, Mail: hilfe.ukraine@caritas-salzburg. Das Team der Caritas Salzburg sammelt derzeit alle Quartier-Angebote, um im Bedarfsfall darauf zugreifen zu können.

Beten für den Frieden: „Wider die Ohnmacht“ – unter diesem Motto hat die Katholische Aktion eine Gebetsinitiative für die Ukraine gestartet. Täglich von 18 bis 18.15 findet eine „Gebetsviertelstunde“ statt. Das Besondere: Einerseits treffen sich die Menschen persönlich in der Markuskirche in Salzburg (Ursulinenplatz) zum Gebet. Zusätzlich gibt es eine WhatsApp-Gebetsgruppe. Infos unter kfb@eds.at

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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