Abschied von Gastpriester aus Salzburgs Partnerdiözese im Kongo
Die Freundschaft bleibt

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Nach Abschluss seines Doktoratsstudiums kehrte Benjamin Mpongo Emeke aus der Partnerdiözese Bokungu-Ikela in die Demokratische Republik Kongo zurück. Im Gespräch mit dem Rupertusblatt verrät er, was ihm nach beinahe acht Jahren in Salzburg in seiner „neuen, alten“ Heimat wohl am meisten abgehen wird. 

Als Benjamin Mpongo Emeke Ende Jänner in der Salzburger Universitätsaula sein Doktordiplom erhielt, gab es lauten Applaus. Der frischgebackene Doktor der Theologie hatte zur Feier der Promotion einen Tennengauer „Fanclub“ dabei. Viereinhalb Jahre wirkte er neben seinem Studium als Aushilfspriester in Adnet, Bad Vigaun und Krispl. „Dass sich so viele mit mir gefreut haben, war sehr schön“, sagt der Priester aus Salzburgs Partnerdiözese. Er habe sich in den drei Gemeinden gut aufgehoben gefühlt und der Abschied sei nun nicht einfach. „Friede möge euch begleiten!“ Mit diesen Worten verabschiedete er sich von „seinen“ Pfarren.

Gesicht der Diözesanpartnerschaft

„Deutsch ist schwierig.“ Zum Glück konnte er seine Dissertation zur „Theologie des Wiederaufbaus bei Kä Mana“ auf französisch verfassen. Nicht nur die Schriften dieses Philosophen und Theologen aus dem Kongo hatten sich bei Benjamin Mpongo Emeke im Laufe der Salzburger Jahre angesammelt. Insgesamt fünf Kisten mit Büchern sind einige Tage vor ihm auf die lange Fahrt bis in den Kongo gegangen. „Sie reisen per Schiffscontainer. Mit dem Flugzeug geht es nicht, das wäre viel zu viel Übergepäck und unbezahlbar“, lacht der junge Kongolese. Als er im April 2012 in der Mozartstadt angekommen war, „hatte ich nur einen Koffer dabei“. Er erinnere sich noch gut an den Anfang. „Alles war neu für mich, angefangen bei der Sprache bis zum Verhalten der Menschen.“ Die Salzburger seien zurückhaltender als die Leute im Kongo. „Ich lernte wie wichtig Pünktlichkeit ist. Wenn sich hier jemand verspätet, gibt er oder sie Bescheid. Das ist in Afrika nicht üblich.“ Erleichtert haben ihm das Eingewöhnen seine Herbergsväter, die Herz-Jesu-Missionare im Kloster Liefering. „Ich danke ihnen für die Aufnahme und ich bin Erzbischof Franz Lackner sehr dankbar sowie allen, die mich unterstützt haben.“ Einer der wichtigsten Ansprechpersonen sei Markust Roßkopf gewesen. Der Referent für Weltkirche in der Erzdiözese unterstreicht: „Die Partnerschaft zwischen Salzburg und dem Kongo hat ein Gesicht bekommen.“ Benjamin gehe jetzt mit all seinen Erfahrungen zurück und sei ein wichtiger Multiplikator in Sachen Diözesanpartnerschaft, ist Roßkopf überzeugt. In das kirchliche Leben in der Erzdiözese ist Benjamin Mpongo Emeke intensiv eingetaucht. „Ich war bei spiriNights der Katholischen Jugend, Dekanatskonferenzen, mehrmals bei der Langen Nacht der Kirchen und sogar beim Pfarrgemeindekongress in Mariazell“, zählt er auf. Geprägt habe ihn dazu natürlich sein Dienst als Aushilfspriester im Pfarrverband Adnet – Bad Vigaun – Krispl. Er war vor allem zu den Sonn- und Feiertagen, zu Begräbnissen und Taufen vor Ort. „Im Kongo tanzen und klatschen die Menschen während der Messe.“ Dazu sei es im Tennengau nicht gekommen, schmunzelt der Seelsorger, der sich nach einem Gottesdienst regelmäßig dem Stammtisch anschloss. Die Menschen seien es daher, die er am meisten vermissen werde. „Sie sind mir ans Herz gewachsen. Ich bin aber sicher: Manche Freundschaft bleibt bestehen.“ Ein wenig werde ihm vermutlich auch das Essen fehlen. „Schnitzel und Knödel sind meine Favoriten.“

Das in Salzburg Gelernte weitergeben

In seiner „neuen, alten Heimat“ ist Emeke in der Priesterausbildung tätig. Sein Arbeitsort ist das Priesterseminar in Lisala im Norden. Von hier aus mit dem Auto in Salzburgs Partner- und seine Heimatdiözese Bokungu-Ikela zu kommen ist unmöglich. „Die Straßen sind zu schlecht. Ich muss erst in die Hauptstadt Kinshasa und dann mit dem Schiff oder Flugzeug weiter.“ Die desolate Infrastruktur könne auch als Spiegelbild für die Situation im Land herhalten. Erst vor kurzem haben die Vertreter der verschiedenen Konfessionen in der Demokratischen Republik Kongo die Probleme benannt: das Fortbestehen von Korruption, die Instrumentalisierung der Justiz, die anhaltende Unsicherheit im östlichen Teil des Landes, die Verbreitung des Banditentums in den Städten und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Der Weg in eine friedliche und gute Zukunft für alle sei noch langwierig, bestätigt Benjamin Mpongo Emeke.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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