Hauskirche
„Alltag ist Gottesdienst“

„Gott ist da. Nicht nur im Advent. Wir wollen Gott an den Freuden und Sorgen unseres Alltags teilhaben lassen. Nicht als stiller Zuseher, sondern als der, der er ist:  allmächtig und trotzdem nah. Er kann alles wenden und auch still mit uns mitleiden. Auch das ist Beziehung: zu lernen, dass seine Pläne nicht immer gleich unseren sind“, sagt Angelica Spießberger. Hier beim Singen mit ihrem Mann Thomas und ihren Kindern Maximilian, Ludwig und Theresa (v.l.).
  • „Gott ist da. Nicht nur im Advent. Wir wollen Gott an den Freuden und Sorgen unseres Alltags teilhaben lassen. Nicht als stiller Zuseher, sondern als der, der er ist: allmächtig und trotzdem nah. Er kann alles wenden und auch still mit uns mitleiden. Auch das ist Beziehung: zu lernen, dass seine Pläne nicht immer gleich unseren sind“, sagt Angelica Spießberger. Hier beim Singen mit ihrem Mann Thomas und ihren Kindern Maximilian, Ludwig und Theresa (v.l.).
  • Foto: RB/dap
  • hochgeladen von Ingrid Burgstaller

Wie können Familien den Advent selbstständig religiös gestalten? Warum es nicht nur Schokolade und Gottesdienststreams braucht, um geistliches Leben in den Familien zu ermöglichen, verrät Angelica Spießberger.

Oberhalb der Couch im Vorzimmer von Familie Spießberger hängt ab dem ersten Dezember ein Adventkalender mit dem Namen Hauskirche. „Unser Leben mit Gott spielt sich zum Großteil im Alltag ab. Hauskirche bedeutet also nichts anderes, als täglich Beziehung zu leben mit Gott“, erzählt Angelica Spießberger, Mutter von drei Kindern. Das passiert auch durch den Adventkalender: „Der ist nicht mit Schokolade gefüllt – sondern mit Briefchen aus der Heiligen Schrift.“ Texte aus der Weihnachtsgeschichte sind in unterschiedlicher Länge und Form in einem Fenster zu finden. „Vom Kommen des Engels zu Maria, bis hin zur Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Das stimmt uns immer gut ein und erinnert uns ans Wesentliche“, erzählt Spießberger.

Hauskirche bedeutet für die Flachgauer Familie die Fragen zu stellen: Was glauben wir eigentlich – und sich darüber auszutauschen. Im Vorraum steht eine mit Goldpapier ausgelegte Krippe. „Noch ist sie leer. Es ist unsere Aufgabe, sie mit Liebe und guten Taten zu füllen, bis das Jesuskind darin gebettet wird“, sagt die Dreifach-Mama. Auf die dünnen Goldpapierstreifen schreiben die Familienmitglieder jeden Abend nach einer kurzen Andacht das Gute, das tagsüber gelungen ist. Beim Tagesrückblick bespricht die Familie Geschehenes und den Mut zur guten Tat: „Wir reden darüber, wie Jesus sich freut, wenn wir einander helfen und gut zueinander sind, besonders dann, wenn wir lieber etwas anderes tun würden.“

An manchen Tagen ist die Krippe reichlich gefüllt, an anderen kommt kaum etwas hinzu. „So ist es eben – im Leben wie in der Familie“, sagt Spießberger und zwinkert. Ein entscheidender Punkt von Hauskirche ist das gemeinsame Gebet als Familie. „Wir beten morgens und bitten um Gottes Schutz für den Tag. Mittags danken wir Gott für die Gaben, dass wir zu essen haben und abends legen wir den Tag zurück in Gottes Hände. Wir sind dankbar, manchmal fragend, erschöpft, erschüttert oder fröhlich“, erzählt sie. „Wir versuchen mit Gott zu reden, wie mit einem Freund“, sagt der kleine Ludwig, als er hinter der Türe hervorlacht. „Das klingt vielleicht ein wenig keck; ganz konkret heißt es: frei aus dem Herzen heraus können wir mit Gott reden“, ergänzt seine Mama. Neben den alltäglichen Zeichen und Ritualen gibt es die kreative Gestaltung der Hauskirche am Fest des heiligen Nikolaus.

Kinder brauchen Geschichten

„Die erste Adventwoche wird begleitet von dem gemeinsam für dieses Jahr ausgewählten Gedicht zum Nikolaus. Das muss bis zum Vorabend bei allen drei Kindern sitzen. Dazu ertönt ‚Lasst uns froh und munter sein‘ und wir feiern eine Liturgie, die auf den Schrifttexten des Tages beruht“, berichtet die studierte Religionspädagogin. Der Advent sei für ihre Familie eine Zeit der Gedichte und Erzählungen.

Wenn der Nikolaus nicht kommt

Dass es der als Nikolaus verkleidete Mann diesmal aufgrund der Coronapandemie schwerer hat, stört die Spießbergers nicht. „Einen Nikolaus trafen die Kinder vor Corona sowieso im Kindergarten und nach der Familienmesse in unserer Pfarre. Unsere Kinder wissen, dass die Nikoläuse nur Vertreter sind, die den Auftrag von der Kirche haben, Jesus und die Liebe zu den Menschen stellvertretend als Nikolaus verkleidet in die Häuser zu tragen“, erklärt die Neumarkterin.

„Am 5. Dezember stellen wir abends drei Teller auf den Tisch. Nachdem wir unser Gedicht aufgesagt haben, geht’s ab ins Bett. Am Morgen stehen dann drei rote Papiersäckchen auf den Tellern.“ Die Freude sei immer riesig. Nüsse, Mandarinen und Süßigkeiten müssen aber gut eingeteilt werden. „Denn eigentlich ist die Adventzeit ja auch Fastenzeit. Im ,Zuckerrausch des Keksebackens‘ und der Adventmärkte vergessen die Menschen das oft.“

David Pernkopf

Auf www.trotzdemnah.at gibt es Bausteine für Nikolaus-Familienfeiern, Bastelanleitungen, Geschichten, Legenden und ganz viel Nikolauswissen.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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