Der Druck ist groß
Wer pflegt uns morgen?

Im Alter oder bei einer Erkrankung in der vertrauten Umgebung leben, ist der Wunsch vieler Menschen. Die mobilen Dienste machen es möglich – vorausgesetzt die Fachkräfte dafür sind da.
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  • Im Alter oder bei einer Erkrankung in der vertrauten Umgebung leben, ist der Wunsch vieler Menschen. Die mobilen Dienste machen es möglich – vorausgesetzt die Fachkräfte dafür sind da.
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Der Druck ist groß. Während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt, gehen familiäre Betreuungsressourcen zurück. Daher und aufgrund der demographischen Entwicklung braucht Österreich bis 2030 mindes-tens 75.700 zusätzliche Pflegekräfte. Woher sollen sie kommen?

127.000 Menschen sind schon in der Pflege beschäftigt. Das besagt eine Studie der Gesundheit Österreich GmbH aus dem Jahr 2019. Wenn alles glatt läuft, ist auch Svetlana Savkovic ab November 2022 endgültig in der Pflege angekommen. Sie macht am Berufsförderungsinstitut (BFI) Salzburg gerade eine Ausbildung zur Pflegeassistentin. Möglich macht das eine Arbeitsstiftung, die Caritas und Co. vor einem Jahr ins Leben riefen und die Daniela Kanzian koordiniert. Sie sagt: „Der Fachkräftemangel in der Pflege betrifft alle Trägerorganisationen, deshalb kam es zu diesem Zusammenschluss.“ Nach einem Jahr zeige sich, das Angebot einer finanzierten Ausbildung wird angenommen.

Die 50-jährige zweifache Mutter Savkovic jedenfalls ist sehr froh über die Chance. „Meine Söhne und meine Schwiegertochter sind bereits in der Pflege. Für mich ist das also nichts Unbekanntes.“ Sie habe schon in einer Betriebsküche und als Kassiererin gearbeitet. „Was ich jetzt mache erfüllt mich. Mir gefällt es, wenn ich jemandem helfen kann.“ Ihre Praktikumsmonate verbringt sie gut begleitet im Caritas-Team der Mobilen Dienste. Fachbereichsleiterin Elisabeth Ebner freut sich über die Praktikantin, die – so ist das Ziel – einmal ganz zu ihrer Gruppe gehören soll. Und Svetlana Savkovic wird gebraucht. „Aufgrund fehlender Kapazitäten können wir keine weiteren Klientinnen und Klienten aufnehmen.“ Dabei sei der Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können, machbar. Ebner verweist auf Haushaltshilfe, Hauskrankenpflege und mobile Palliativbetreuung. „Doch für alle diese Dienste fehlt uns Personal.“

Interview

mit Daniela Kanzian, sie ist Koordinatorin der Salzburger Arbeitsstiftung für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe.

RB: Für wen ist die Arbeitsstiftung geeignet?
Kanzian: Voraussetzung ist eine Förderzusage des Arbeitsmarktservice (AMS). Mein Part ist die Beratung, Betreuung, Begleitung. Das heißt, mit den Personen zu klären, was ist die passende Ausbildung und wo kann sie absolviert werden. Gemeinsam schauen wir auch, dass die Teilnehmehmenden einen geeigneten Praktikumsplatz finden. Ziel ist es, dass die Menschen nach der Ausbildung übernommen werden. Praktikantinnen und Praktikanten sollen die Einrichtungen gut kennen lernen und umgekehrt. Es ist letztlich eine win-win-Situation für beide Seiten.

RB: Hat die Coronapandemie Einfluss auf Berufsein- oder umsteigende?
Kanzian: Ein Wirt meinte, Pflege hat mich immer interessiert, aber ich hatte einen guten Job. Corona brachte mich zum Umdenken: Jetzt mache ich es. Ein anderes Beispiel ist eine Tierpflegerin, die eine Tierhaarallergie bekam und nun sagt: Ich konzentriere mich jetzt auf die Menschenpflege. Im ersten Jahr begleitet die Stiftung insgesamt 120 Männer und Frauen, jung und alt, ganz bunt gemischt.

RB: Was kann die Stiftung beitragen, um den Pflegenotstand zu lösen?
Kanzian: Es ist ein wichtiger Schritt,wenngleich der Mangel nicht so
schnell zu beheben ist. Was ich sehe ist, dass Häuser und Träger mehr tun, damit die Kräfte bleiben. Es gibt Leistungen wie Bustickets oder Dienstwohnungen. Pflegeberufe sind natürlich herausfordernd mit Wochenenddiensten, doch die Leute, die wir begleiten, entscheiden sich bewusst dafür.

Zum Beruf mit Zukunft:

◆ Die Salzburger Arbeitsstiftung für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe von Caritas, Hilfswerk, Rotem Kreuz und Volkshilfe bietet Menschen, die arbeitssuchend oder in Umorientierung sind, neue Perspektiven.

◆ Unterstützt werden verschiedenste Wege. Das reicht von der Ausbildung zur Pflegeassistentin oder -assistenten bis zum Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege.

◆ Die Teilnehmenden erhalten Beratung, einen maßgeschneiderten Bildungsplan, Begleitung während der gesamten Ausbildung, finanzielle Unterstützung durch das AMS und ein monatliches Stipendium durch den Praktikumsbetrieb.

◆ Kontakt: Daniela Kanzian, 05/1760 7226, 0676/848210 432, office@pgs-salzburg.at oder www.pgs-salzburg.at

Im Alter oder bei einer Erkrankung in der vertrauten Umgebung leben, ist der Wunsch vieler Menschen. Die mobilen Dienste machen es möglich – vorausgesetzt die Fachkräfte dafür sind da.
Daniela Kanzian ist Koordinatorin der Salzburger Arbeitsstiftung für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe.
Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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