Armut
„Teuerung darf nicht Armutswelle werden“

Der Preis-Schock im Supermarkt trifft vor allem jene, die sowieso schon wenig haben. | Foto: RB/Denys Kurbatov/shutterstock.com
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  • Der Preis-Schock im Supermarkt trifft vor allem jene, die sowieso schon wenig haben.
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Die Preissteigerungen treffen alle, aber nicht alle gleich. In Haushalten mit geringem Einkommen geht es an die Existenz. Bei der Caritas stiegen die Sozialberatungen im September im Vergleich zum August um 35 Prozent – monatlich sind es jetzt mehr als 1.200 Beratungen.

Eine Stromjahresabrechnung von 1.271,16 Euro lässt eine Alleinerziehende aus Bischofshofen verzweifeln. Sie stottert den Betrag jetzt monatlich ab und nachdem alle anderen Fixkosten beglichen sind, bleiben der 21-Jährigen, wenn sie Glück hat, 250 Euro. Damit muss sie das ganze Monat auskommen, inklusive Lebensmitteleinkäufe. „Ich kann mir nichts auf die Seite legen, denn ich brauche jeden Cent“, schildert sie. Ihre Hoffnung für die Zukunft ist, dass sie im Jänner doch einen Kindergartenplatz für ihren Sohn bekommt und endlich einen Job annehmen kann.

Wobei Arbeit nicht mehr vor Armut schützt. „Wir haben derzeit häufiger Menschen bei uns, die Vollzeit angestellt sind und die sagen, sie hätten nie gedacht jemals in diese Lage zu kommen“, berichtet Melanie Fritzer, Leiterin der Caritas-Sozialberatung. Der psychische Druck, so die Expertin sei groß. „Die Leute brechen in Tränen aus. Das ist auch für uns in dieser Intensität neu.“ Mit ihren 15 Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Anlaufstellen in der Erzdiözese berät und unterstützt sie. „Das heißt, wir machen eine Haushaltsrechnung, prüfen, ob es Anspruch auf Unterstützungsleistungen gibt und erarbeiten dann einen Plan wie es weitergehen kann.“ In Notsituationen gebe es Kleidungs- oder Essensgutscheine. „Oft kommen Betroffene erst zu uns, wenn es schon sehr kritisch ist.“ Fritzers Appell: „Warten Sie nicht, melden Sie sich so früh wie möglich bei uns.“

Schauen wir aufeinander

„Wir müssen verhindern, dass aus der Teuerungswelle eine Armutswelle wird“, sagt Caritas-Direktor Johannes Dines und fordert ein krisenfestes Sozialsystem. „Es braucht mehr Individualhilfe, aber auch strukturelle Veränderungen.“ Klar sei, die derzeitigen Krisen seien nicht morgen bewältigbar. Langer Atem sei gefordert und der Zusammenhalt in der Gesellschaft: „Schauen wir aufeinander.“

Hilfe in der Krise: Die Sozialberatung der Caritas unterstützt Menschen in sozialen Notlagen. Die Beratung erfolgt persönlich, telefonisch oder online. Infos: www.caritas-salzburg.at, sozialberatung@caritas-salzburg.at, 05 1760-1760.

Der Preis-Schock im Supermarkt trifft vor allem jene, die sowieso schon wenig haben. | Foto: RB/Denys Kurbatov/shutterstock.com
„Menschen  brechen in der Beratung in Tränen aus. Dabei geht es um Grundlegendes wie den Essenseinkauf oder die Miete“, berichtet Melanie Fritzer von der Caritas. | Foto: RB/Caritas
Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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