Stillstand und Höchstleistung
Eine junge Tirolerin und die Herausforderungen in Coronazeiten

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Im Leben von Victoria Goldbrich aus Wörgl prallen gerade zwei Welten aufeinander: Privat steht vieles still, beruflich ist sie stark gefordert.

 „Vor ein paar Wochen hörte ich auf der Heimfahrt von der Arbeit vom totalen Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Ich habe sofort realisiert, dass unsere Hochzeit nicht stattfinden kann“, erzählt die 27-Jährige. Daheim war ihr dann auch schnell klar: „Es spielt keine Rolle, wann wir heiraten. Das Coronavirus ändert nichts an unserer Liebe. Im Gegenteil: Ich bin in dieser Situation noch dankbarer, dass jemand für mich da ist und ich nicht alleine bin“, sagt Victoria Goldbrich. Wichtig ist für sie nur, diesen besonderen Tag mit Familie und Freunden zu teilen. Gott sei Dank fand sich ein neuer Termin im Herbst, an dem Pfarrer, Gasthaus, Band, Chor und Musikkapelle Zeit haben. „Ich bin erleichtert – vor allem wegen des Chors und der Musikkapelle“, gibt sie zu. Des Grund: Die junge Frau singt beim gemischten Chor „Liedertafel Fruntsperg“ und musiziert in der Musikkapelle Vomp. „Es wäre schade, wenn diese schöne Musik nicht unsere Hochzeit bereichern würde.“

Normalerweise füllen Proben die Abende von Victoria Goldbrich. „Die Proben sind intensiv. Man sieht die Kolleginnen und Kollegen, tauscht sich aus. Besonders schade ist, dass ich meine Geschwister, die auch beim Chor sind, gerade nicht regelmäßig treffe. Im Moment bleibt nur die WhatsApp-Gruppe, um Informationen und Lieder zu teilen und sich gegenseitig zu motivieren.“ Mit dem Chor stand sie mitten in den Aufführungen eines Musicals, auch der Palmsonntag und die Ostermesse sollten musikalisch gestaltet werden. „Die Ostermesse und das anschließende Ostereier-Essen sind jedes Jahr ein Highlight unserer Gemeinschaft“, bedauert die leidenschaftliche Sängerin.

Im Alltag fehlen die Begegnungen

Bewusst nimmt sich die Tirolerin nun abends Zeit für die Dinge, für die sonst die Zeit fehlt: Sport, Yoga und sie spielt wieder Klavier – in Ruhe und ganz konzentriert. „Ich versuche, alles mehr zu genießen. Besonders fällt mir das beim Kochen und Essen am Abend auf. Wir überlegen, was wir kochen, sitzen, reden. Das tut gut. Sonst gab es oft nur ein Brot zwischen Tür und Angel“, reflektiert die Unterländerin.„Besonders fehlt mir der sonst so enge Kontakt zu meiner Familie. Ich rufe zwar meine Großeltern, die im selben Ort wohnen, an, ob sie etwas brauchen, und bringe es ihnen vorbei. Aber es tut weh, dass ich sie nicht umarmen kann und nicht besuchen darf. Dafür ist jetzt der Sonntag unser Familientag, an dem wir alle gemeinsam video-telefonieren. Das kann auch lustig sein.“
Das Paar hat vor zwei Jahren ein Haus gebaut. „Jetzt hatte ich endlich Zeit, alles zu putzen und das Haus zu genießen“, sagt die 28-Jährige und ist froh, dass sie einen sicheren Job hat und die finanzielle Situation keine Belastung ist. „Es ist schön, dass ich mit meinem Beruf in dieser schwierigen Zeit einen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann“, sagt sie.

Dankbar für die Arbeit

Als Gebietsleiterin betreut sie zwölf Spar-Supermärkte von Wörgl bis Sankt Johann in Tirol und deren Mitarbeitende. „Durch die Krise hatte ich die Möglichkeit, in den Filialen mitzuarbeiten, wir haben Waren gemeinsam im Rekordtempo eingeräumt und ich habe an der Kasse ausgeholfen. Der Zusammenhalt in dieser Zeit war enorm. Ich habe erlebt, dass jede und jeder gern gearbeitet hat und trotz allem gut gelaunt war. Die Krise hat unser Team sicher gestärkt“, ist sie überzeugt. Die Führungskraft erhielt jedenfalls einen noch besseren Einblick in Abläufe, verbrachte mehr Zeit mit den Mitarbeitenden und lernte diese auch von der privaten Seite kennen: „Beeindruckend, was beispielsweise an den Kassen zu Stoßzeiten geleistet wird. Umgekehrt haben die Kolleginnen und Kollegen in den Filialen gesehen, dass auch jene aus der Zentrale anpacken können und alle an einem Strang ziehen.“ Ihr imponiert außerdem, dass die Leute die Vorgaben ohne Diskussionen mittragen – die Schutzmasken hätten sich viele sogar früher gewünscht. „Die bringen nun alle trotz Distanz irgendwie näher zusammen. Kundinnen nähen sogar Masken, damit unser Arbeitsalltag wieder ein bisschen bunter wird.“

Daniela Pfennig 

Fotos: RB/Spar

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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