Glücklich altern
Das Glück der späten Jahre
- Auch in der Hilfsbedürftigkeit kann ein Mensch in Verbundenheit mit anderen leben, indem er Hilfe annimmt.
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Die Gesundheitsprobleme werden mehr und das Risiko der Vereinsamung wächst. Doch Probleme des Älterwerdens können zu Chancen werden, ist man bereit, seine Denk- und Verhaltensweisen zu ändern. Der Psychotherapeut Arnold Mettnitzer schreibt sogar von einer "Veredelung der Zeit" im Alter.
Alt wird man von ganz alleine, das ist klar. Aber die Art, älter zu werden, sieht von Mensch zu Mensch verschieden aus, und sie lässt sich gestalten. Um in guter Weise alt zu werden, braucht es die bewusste Auseinandersetzung mit dem Altern. Denn Alter ist keine Garantie für Weisheit.
Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün (80) spricht von der „Annahme der eigenen Existenz“, was die Annahme der Vergangenheit, der eigenen Grenzen und der Einsamkeit mit einschließt. Das heißt, Ja zu sagen zu mir selbst, so wie ich bin: nicht wie ich sein möchte oder wie ich sein sollte. Der Kärntner Psychotherapeut Arnold Mettnitzer (73) geht in seinem Buch „Die Veredelung der Zeit“ noch einen Schritt weiter: „Jeder und jede Einzelne ist, wer er oder sie ist. Dies zu akzeptieren bedeutet, die anderen zu respektieren und nicht von ihnen zu verlangen, dass sie sich ändern.“ Liebe äußert sich demnach als uneigennützige Aufgabe, dem anderen Raum zur Entfaltung zu schaffen.
Zu nichts mehr nütze? So mancher kranke Mensch kennt die Sorge, anderen zur Last zu fallen. Darin liegt ein ganz besonderer Ansporn: sich seines eigenen Wertes bewusst zu werden – fern jeder Leistung. Menschenwürde kommt jedem und jeder als geliebtem Kind Gottes zu. Ebenso erfährt ein Mensch in der Beziehung zu den Mitmenschen seinen Wert; gerade in der Hilfsbedürftigkeit kann ein Mensch in Verbundenheit mit anderen leben, indem er Hilfe annimmt. Jede Gemeinschaft entsteht durch Geben und Nehmen, und durch beides entsteht Beziehung.
„Das Gute gibt es nicht umsonst.“
Die Zeit, die noch vor einem liegt, wird kürzer – und deshalb umso kostbarer. Doch das Gute gibt es nicht umsonst, betont Arnold Mettnitzer. Das Leben sei kein Lottospiel, bei dem man auf Glück oder Unglück warte. Es gelte, die durch die Pensionierung gewonnene Freiheit zu meistern und im Leben immer wieder neu anzufangen. Die meisten Menschen brauchen einen strukturierten Alltag und sinnvolle Aufgaben, die zu erfüllen stolz und zufrieden macht. Die Lebensfreude kann dabei wie ein Kompass sein, der die Richtung anzeigt: Was macht mir Freude? Wo werde ich gebraucht?
Wie man die Zeit „veredelt“
Der große Erfahrungsschatz ist ein Vorteil, der einen besseren Überblick und heitere Gelassenheit ermöglicht. Dieser Vorteil macht dann besonders Sinn, so Mettnitzer, wenn er genützt wird „für eine echte, unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Neuen“. Neugierig bleiben und dazulernen, das macht lebendig und schlägt eine Brücke zur jungen Generation.
Für eine „Veredelung der Zeit“ hat der Psychotherapeut weitere Vorschläge: spielen, lachen, tanzen, lächeln (auch wenn es nichts zu lachen gibt), ein geistiges und körperliches Fitnessprogramm, ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben („die beste Arznei gegen Einsamkeit“), Wertschätzung und Dankbarkeit. Auch Anselm Grün nennt Dankbarkeit eine Tugend des Alters, die es anzustreben gilt – ebenso wie Gelassenheit, Geduld, Sanftmut, Freiheit und Liebe. Da ist zum einen die Dankbarkeit für erfahrenes Gutes und Schönes, zum anderen für all das nicht erlittene Leid, von dem man verschont geblieben ist. Dankgebete sind – mehr als Bittgebete – Balsam für die Seele.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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