Bischofsvikar Engelbert Guggenberger im Gespräch mit Gerald Heschl
Synodaler Weg: Gemeinsam gehen und aufeinander hören

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Papst Franziskus hat weltweit einen synodalen Weg für die Kirche gestartet. In Kärnten ist Engelbert Guggenberger
Diözesanverantwortlicher für diesen synodalen Weg. Ein Gespräch
über Ziele, Wege und Erwartungen in den Prozess.

Sie sind Diözesanverantwortlicher für den synodalen Weg, den Papst Franziskus für die gesamte Weltkirche begonnen hat. Was kann man sich darunter vorstellen?
Guggenberger: Es ist epochal, was der Papst hier in die Wege leitet. Mir kommt es fast so vor wie sein Testament. Sein Grundanliegen, das genau jetzt die Kirche braucht, ist das gemeinsame Gehen. Das II. Vatikanische Konzil spricht von der Kirche als „pilgerndes Volk Gottes“.

In Deutschland hat die Kirche einen synodalen Prozess begonnen, der viele Konflikte brachte. Es ging etwa um Abstimmungen zu brisanten Themen. Wie kann das gelöst werden?
Guggenberger: Natürlich gibt es in puncto Demokratie noch Handlungsbedarf in der Kirche. Doch dieses gemeinsame Gehen ist etwas anderes als nur die Implementierung demokratischer Spielregeln. In der politischen Demokratie stehen Parteien für Interessen. Mehrheitsentscheide führen zum Sieg einer Partei. In der Kirche geht es aber um eine andere Qualität. Der Papst spricht deswegen auch nicht von Demokratie. Es geht bei uns um eine Sendung, an der sich alle beteiligen sollen. Das ist auch die Bedeutung des Wortes „Synodalität“, das aus dem Griechischen übersetzt heißt: der gemeinsame Weg.

Ist also der Weg das Ziel?
Guggenberger: Ja, absolut. Die Synodalität ist ein Weg, der in sich schon Methode und Ziel ist. Er meint, dass über das Einüben von Synodalität das Ziel erreicht wird. Man kann das nicht von oben herab befehlen.

Wie wird dies in Kärnten angelegt?
Guggenberger: Wir beginnen in Kärnten am 17. Oktober. Schon am Tag vorher werden in 12 Pfarren Gesprächsgruppen stattfinden. Dort stellen wir die Frage, welche Themen die Menschen heute beschäftigen und wie eine synodale Kirche aussehen könnte. Am Sonntag selbst wird ein Hirtenwort zur Eröffnung des synodalen Prozesses verlesen. Dann wird es Initiativen zu Gesprächen, zu Feiern und Gottesdiensten geben. Unsere Diözesansynode, die 2022 den 50. Jahrestag begeht, wird in die Gespräche einfließen. Wir werden eine Bilanz ziehen, was davon schon verwirklicht ist und wo es noch weiteren Bedarf gibt.

Wie lange dauert dieser Prozess?
Guggenberger: Der Gesprächsprozess selbst dauert etwa ein halbes Jahr. In dieser Zeit soll es Gespräche geben, Gebet und gottesdienstliche Feiern, um die Synodalität einzuüben und aufeinander zuzugehen. Ganz wichtig ist auch das vorurteilsfreie Zuhören. Dabei soll die gesamte Gesellschaft eingebunden werden. Dazu gehören Gläubige ebenso wie Ausgetretene, Jugendliche und Frauen, andere Konfessionen und Religionen. Es geht also um einen breiten Dialog der Kirche mit der Gesellschaft. Das ist die Vision des Papstes.

Erwarten Sie sich Diskussionen bis hin zu Abstimmungen über Strukturen?
Guggenberger: Dies wäre genau der falsche Weg. Denn dies führt in einen Parlamentarismus, der von der Idee der Synodalität massiv abweicht. Wichtig ist nämlich die innere Haltung. Das geht nur durch das Aufeinander-Hören im gegenseitigen Respekt. Dies ist schwierig, wenn man schon mit vorgefassten Standpunkten aufeinander zugeht und nur danach trachtet, die eigene Meinung durchzusetzen.

Welche Rolle spielt die Spiritualität im Prozess?
Guggenberger: Spirituelle Einbettung ist dem Papst besonders wichtig. Wir müssen aufeinander hören, aber auch auf den Willen des Heiligen Geistes. Dazu braucht es eine längere Phase des Einübens in synodale Haltungen. Daher ist der Prozess auch auf mehrere Jahre ausgelegt. 2023 soll eine Bischofssynode auf der Ebene der Weltkirche die Ergebnisse zusammenfassen.

Was ist eine synodale Haltung?
Guggenberger: Das Miteinander-Reden ist schon ein Einüben in Synodalität. Dadurch kommt es zum Aufweichen festgefahrener Einstellungen. Wichtig ist: Freie Rede ist gewünscht! Wir wollen hören, wo in unserer Kirche noch Potenzial ist, synodaler zu werden.

Was geschieht mit den Gesprächsergebnissen?
Guggenberger: Diese gehen an das Synodensekretariat in Rom. Dort wird ein Dokument für die kontinentalen Kirchen erstellt. Dieses wird dann von den einzelnen Bischofskonferenzen weiter bearbeitet und bildet die Grundlage für die Bischofssy-node 2023.

Die Erwartungen sind vielerorts sehr hoch. Erwarten Sie große Veränderungen?
Guggenberger: Veränderungen in der Struktur der Kirche sind nicht das vorrangige Ziel und gehen nicht von heute auf morgen. Es braucht zunächst ein neues Bewusstsein. Die Struktur richtet sich nach diesem Bewusstsein. Eine Vertiefung der Synodalität wird nach und nach in der Struktur erfahrbar werden. Dort, wo unsere Struktur noch nicht synodal ist, wird sich diese ändern. Das ist meine Hoffnung. Wie schnell das geht, werden wir noch sehen.

Könnte es sein, dass der synodale Weg in ein Konzil führt?
Guggenberger: Wohin er uns führen wird, können wir aus heutiger Sicht noch überhaupt nicht sagen. Das II. Vatikanische Konzil war geprägt vom Charisma des damaligen Papstes. Man muss aber schon sagen, dass der synodale Weg, wie ihn Papst Franziskus jetzt einschlägt, ebenso erstaunlich ist. Hier bündelt sich all das, was derzeit in unserer Kirche fehlt. Das sehe ich als sehr zukunftsorientiert.

Als Ziel hat der Papst formuliert: eine größere missionarische Wirksamkeit von Kirche in der heutigen Welt. Wie kann das gelingen?
Guggenberger: Ich glaube, wenn es der Kirche gelänge, mehr Geschwisterlichkeit vorzuleben. Das ist auch ein Zeichen angesichts der Covid-Krise, aber auch der Klimakrise, die zeigen, dass wir alle in einem Boot sitzen. Wir können diese He-rausforderungen nur bewältigen, wenn sich die Gesellschaft zu etwas Gemeinsamen zusammenfindet. Daher ist der synodale Weg so breit angelegt, damit wir alle gemeinsam in die Zukunft gehen.

Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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