Schule heute
Katholische Privatschulen - wo liegt der Unterschied?

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Die Kampagne „Ich glaube - JA“ beleuchtet die Vorzüge des konfessionellen Religionsunterrichtes. Die schulische Vermittlung von Glaubensinhalten hat traditionell in den katholischen Privatschulen der Diözese Gurk oberste Priorität.
von Benjamin Höbl

„So wie es nach einem afrikanischen Sprichwort ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen, braucht es auch die ganze Kultur, ein ganzes Volk, um unsere Kinder und Jugendlichen gut zu erziehen“, betont Peter Allmaier. Seit September ist der Klagenfurter Dompfarrer, zusätzlich zu seinen bestehenden Aufgaben, Direktor des Bischöflichen Schulamtes der Diözese Gurk.
Seiner Ansicht nach tritt im Religionsunterricht die Pluralität der Gesellschaft zutage: „Im Religionsunterricht wird zum ersten Mal sichtbar: Wir haben Unterschiede, wir unterscheiden uns.“ Dechant Allmaier sieht das Bischöfliche Schulamt als Kontaktstelle der Kirche bei der Bildungsdirektion und als Verbindung zu den Pädagogen. „Wir haben derzeit etwa 380 Religionslehrerinnen und Religionslehrer und noch einmal gut 300 Lehrerinnen und Lehrer in den Privatschulen, für die wir auch mit zuständig sind“, ist sich der Schulamtsdirektor seiner Verantwortung bewusst.
„Mit Freude lehren und lernen“
Hans Omann ist seit sechs Jahren Direktor des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula. „Die Verbindung zur Diözese ist dadurch gegeben, dass der Bischof der Schulerhalter ist“, beschreibt Omann die Beziehung zur katholischen Kirche.
Ihm ist es wichtig, „neben intellektueller Bildung auch Herzensbildung“ zu vermitteln. Besonderes Augenmerk legt der Schulleiter auf die Persönlichkeitsbildung der angehenden Maturanten: „Die erste Stunde in der Woche ist eine Persönlichkeitsbildungsstunde.“ Als Start in eine neue Schulwoche nimmt sich der Klassenvorstand Zeit für soziale Themen, Aufarbeitung von Problemen oder Verhaltensübungen: „Die Schule beginnt mit der Gemeinschaft!“
Intellektuelle Herzensbildung
Einen hohen Stellenwert nimmt im Bischöflichen Gymnasium der Religionsunterricht ein. Dies spiegelt für den Direktor, selbst Theologe, die große Anzahl an Maturanten im Fach Katholische Religion wider: „Wir achten auf eine gute intellektuelle Ausbildung in Religion.“
Seit seinem Dienstantritt als Direktor merkt Hans Omann, dass „im Haus wirklich ein eigener Geist herrscht“. Dadurch ist im Gymnasium ein persönlicher und durchaus familiärer Umgang gewährleistet: „Mehrwert der katholischen Privatschule ist die soziale Herzensbildung.“
Mit Zweisprachigkeit zukunftsreif
„Wenn wir zurückblicken, sehen wir, dass die Gründung sehr wichtig war!“, lobt Direktor Stefan Schellander den Weitblick von Pfarrer Matej Ražun. Der Geistliche gründete 1908 eine private Volksschule mit slowenischer Unterrichtssprache in St. Peter im Rosental. Seit damals geben die Schulschwestern vom Heiligen Franziskus hier Bildung weiter und festigen christliche Wurzeln. Bis heute arbeiten sie in der Erziehung und Lehre von Kindern und Jugendlichen. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der Orden überdies Schulerhalter einer fünfjährigen Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in St. Peter.
Die Lehrer unterrichten in Deutsch und Slowenisch. Über die Herkunft seiner Zöglinge weiß Direktor Schellander: „Hauptsächlich kommen die Schüler aus der Umgebung, aus dem Rosental.“ Andere mit weiteren Schulwegen, teils sogar aus Slowenien, wohnen im Internat.
„Die Schwestern sind immer dem Ruf der Zeit gefolgt“, gibt Schellander seine persönliche Sicht auf die traditionsreiche Geschichte der Bildungseinrichtung preis. „Sie haben immer richtig gehandelt!“
Dank der Schwestern und ihrer Institutionen ist eine „Ausbildung am Lande“ bis zur Matura möglich, freut sich der HLW-Direktor.
An Zusatzqualifikationen stehen für die Schüler Ausbildungen zum Käsekenner, Jungbarkeeper oder Jungsommelier zur Auswahl.
Heuer organisiert der dritte Jahrgang zum 44. Mal die alljährliche Wohltätigkeitstombola. Früher sammelte die Lehranstalt dabei Spendengelder für ihre Partnerschule in Sambia. Die finanzielle Unterstützung kommt heutzutage einer bulgarischen Partnerschule zugute: „Unsere Jugend hilft jetzt der Jugend in Bulgarien.“ Mit der Tourismusschule Aprilzi führte die HLW St. Peter bereits Austauschprogramme durch.
Schulalltag an einer Privatschule
„Wir leben das Kirchenjahr“, erklärt Direktor Stefan Schellander die katholische Prägung in der HLW St. Peter. „Wir organisieren auch Fahrten nach Assisi und Rom“, informiert der Schulleiter über fakultative Klassenreisen zu bedeutsamen Stätten des katholischen Glaubens.
Kampagne „Ich glaube - JA“
„Im Religionsunterricht erfährt sich im Grunde jede Religion als Minderheit“, meint Peter Allmaier, Direktor des Bischöflichen Schulamtes. Seit Schulbeginn läuft eine Kampagne für den katholischen Religionsunterricht. Sechs unterschiedliche Sujets mit typischen Fragen von Kindern und Jugendlichen an ihre Religionspädagogen sollen einer breiten Öffentlichkeit die erstklassige Vermittlung von Wissen und Werten vor Augen führen. In Kärnten besuchen 94 Prozent aller katholischen Schüler –mehr als im Bundesdurchschnitt – den Religionsunterricht. Außerdem nimmt rund ein Drittel der Schüler ohne Bekenntnis teil. „Das würde vermutlich kein anderes Unterrichtsfach unter denselben Bedingungen schaffen!“, nimmt Peter Allmaier an. Für den Schulamtsdirektor setzt dies bei allen Beteiligten ein sehr hohes Maß an Reife voraus: „Der Religionsunterricht braucht keine Imagepflege, der ist gut!“

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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