Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission
Als Kirche gemeinsam auf dem Weg

Am 21. Mai 2021 kündigte Kardinal Mario Grech für den Herbst den Beginn einer Bischofssynode an, die die gesamte Weltkirche einbezieht. Was bedeutet das für die Kirche in Österreich? von Michael Kapeller

Die Ankündigung, dass Papst Franziskus am 9. und 10. Oktober 2021 eine Bischofssynode zum Thema „Gemeinschaft, Partizipation und Mission“ beginnen wird, die in mehreren Phasen die gesamte Weltkirche einbezieht, war für viele überraschend. Nach einer gewissen „Schockstarre“ kommen nun die Vorbereitungen in Gang. Die Erwartungen sind geprägt von Euphorie bis Skepsis. Was hat es nun aber mit diesem synodalen Vorgang auf sich?

Aufgabe einer Synode

Das Wort „Synode“ meint ganz grundsätzlich eine christliche Versammlung von Kirchenvertretern. Ab der Mitte des 6. Jahrhunderts wird immer deutlicher unterschieden zwischen einer Sy-
node, verstanden als Versammlung einer Teilkirche und einem ökumenischen Konzil, bei dem die höheren Entscheidungsträger unter dem Papst für die gesamte Weltkirche die höchste Lehr- und Gesetzgebungsvollmacht ausüben.
Das Kirchenrecht von 1983 sieht Diözesansynoden vor, um im Rahmen der kirchlichen Lehr- und Entscheidungsbefugnis des Ortsbischofs Fragen einer Teilkirche zu klären, und Bischofssynoden, bei denen sich der Papst von Bischöfen bei speziellen Themen eines größeren Gebietes oder der gesamten Kirche beraten lässt. Die Einschätzungen und Beschlüsse der Teilnehmer der Bischofssynode fließen in ein „Nachsynodales Schreiben“ ein, wobei der Papst nicht an die Ergebnisse der Synode gebunden ist.
Zudem können mit entsprechender Genehmigung durch den Apostolischen Stuhl auf Landesebene und für eine Kirchenprovinz sogenannte „Partikularkonzilien“ bzw. „Provinzkonzilien“ durchgeführt werden.
Etwas anders verhält es sich beim sy-nodalen Weg Deutschlands. Dort wurde ein eigenes Format geschaffen, um möglichst viele Themen und Personen in den Prozess einbinden zu können. Dafür weisen die Ergebnisse keine unmittelbare Verbindlichkeit für die Kirche in Deutschland auf.

Die Methode ist auch Inhalt

Seit seinem Amtsantritt tritt Papst Franziskus bei relevanten Fragen für eine möglichst breite Beteiligung der Christinnen und Christen ein. So bezog er vor der Familiensynode mittels Fragebogen viele Personen und Organisationen direkt in den Beratungsprozess ein. Bei der Jugendsynode und der Amazonien-Synode ging er in ähnlicher Weise vor. Für den Papst kommt die Kirche voran, wenn sie sich vom Lebensschicksal der Menschen evangelisieren lässt und darin die Präsenz Christi erkennt.
Dieser Vorgang einer synodalen Kirche erfordert die Bereitschaft zum Zuhören, die Fähigkeit, auch andere Positionen zu verstehen, und die Bereitschaft, mit diesen oft konträren Positionen im Gebet um Einmütigkeit zu ringen.

Der Glaubenssinn des Gottesvolkes

Beim synodalen Prozess der Bischofssynode 2023 wählt der Papst in einer Phase der Kirche, die von vielfältigen Spannungen und Krisen gekennzeichnet ist, einen besonderen Weg der Entscheidungsfindung und Erneuerung. Dabei greift er die kirchliche Überzeugung auf, dass die Gesamtheit der Gläubigen nicht irren kann.
So ein Vorgang ist möglich, wenn aktuelle Themen und sogenannte „heiße Eisen“ auf der Ebene der Ortskirche, eines Kontinents und der Weltkirche so verhandelt werden, dass alle Positionen gehört werden und so lange überlegt, beraten und gebetet wird, bis sich eindeutig der Wille Gottes zeigt und darin der Weg der Kirche deutlich wird. Dazu lädt der Papst alle Gläubigen und alle Menschen guten Willens ein.

Michael Kapeller ist Leiter des Instituts für kirchliche Ämter und Dienste.

Autor:

Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag

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