Vandalismusakte in Medjugorje
Vom Saulus zum Paulus – zum Saulus?!
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„Maria ist der Teufel“, „Teufel im Kleid“, „Medjugorje ist eine Täuschung“, „Nur Jesus“ – Bartłomiej K.s bizarrer Vandalismusakt und wie die Gläubigen vor Ort da-rauf reagierten. von kap/Markus Golob
Laut diversen Medienberichten soll es sich beim Täter, der für mehrere Vandalismusakte im Wallfahrtsort Medjugorje verantwortlich sein soll, um denpolnischen Staatsbürger Bartłomiej K. handeln, welcher am Dienstag nach einer großangelegten Fahndung festgenommen werden konnte. Nach Angaben der Behörden hatten Polizeikräfte zweier Kantone gemeinsam mit Feuerwehr, Bergrettung sowie zahlreichen Bürgern nach dem Mann gesucht.
Dem 31-jährigen polnischen Staatsbürger wird die Beschädigung beziehungsweise Zerstörung religiöser Objekte inzwischen offiziell vorgeworfen. Nach bosnischem Strafrecht droht dafür eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
„Zu Fuß zu Maria“
Im Jahr 2017 startete der damals 22-jährige Bartłomiej K. von der polnischen Hauptstadt Warschau aus eine Fußpilgerreise nach Medjugorje, die er zeitgleich im Internet dokumentierte – der Titel: „Z buta do Maryi“ („Zu Fuß zu Maria“). Ihmzufolge soll die zirka 1.300 km lange und 57 Tage andauernde Reise eine Art Bekehrung gewesen sein, ein symbolischer, aber auch praktischer Bruch mit seinem alten Leben, das von Kriminalität, Gewalt und Suchtproblemen geprägt war.
Das Projekt zog Tausende „Follower:innen“ an. Aber damit noch nicht genug. Nach seiner Reise wurde sogar ein Buch daraus, er wirkte mit seiner Geschichte an einem polnischen Dokumentarfilm mit („Der Berufene 2“), und der „bekehrte Marienverehrer“ soll sogar in zahlreichen Kirchen, Schulen, Gefängnissen und Erziehungseinrichtungen aufgetreten sein, wo er von seiner schwierigen Kindheit, früheren Problemen und seiner angeblichen „religiösen Wende“ berichtete, deren nachhaltige Wirkung angesichts der ihm vorgeworfenen Taten allerdings stark angezweifelt werden darf.
Vom Marienverehrer zum -hasser?
Welche Gründe hinter der radikalen Kehrtwende stehen, die ihm nun vorgeworfen wird, ist unklar. Niemand weiß, welches Motiv hinter den Taten steckt, für die er mutmaßlich verantwortlich ist. Durch Vertraute, wie dem Regisseur von „Der Berufene 2“, und Medienberichte wurde jedoch bekannt, dass er in jüngerer Vergangenheit unter schweren persönliche Krisen gelitten haben soll – darunter eine Scheidung, der Verlust seines Arbeitsplatzes sowie psychische Probleme.
Doch was ist eigentlich konkret geschehen? Nach Angaben der Polizei des Kantons Herzegowina-Neretva wurde am 28.7. um 4.30 Uhr die Beschädigung einer Marienstatue auf dem Erscheinungsberg Podbrdo gemeldet. Eine halbe Stunde später ging die Anzeige über einen Brand am Außenaltar hinter der Pfarrkirche St. Jakobus ein. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden und griff nicht auf die Kirche über. Der erst vor Kurzem renovierte Altar wurde jedoch beschädigt. Die Polizei sicherte beide Tatorte und leitete rasch Ermittlungen ein.
Es stellte sich heraus, dass mehrere Marienstatuen am Erscheinungsberg Podbrdo und das als Gebetsstätte bekannte „Blaue Kreuz“ mit schwarzer Farbe beschmiert wurden. Auf den Sockel der Statue am Podbrdo wurden Graffitis mit den (bereits eingangs erwähnten) Schmähungen in englischer Sprache geschrieben und Transparente mit Botschaften gegen den Wallfahrtsort, die Jungfrau Maria und die Seher der angeblichen Marienerscheinungen angebracht.
Zudem verbreiteten sich in den sozialen Medien Aufnahmen einer Überwachungskamera, die einen Mann zeigen, der gegen 4.46 Uhr den Außenaltar mit einer Flüssigkeit übergießt, anzündet und anschließend flüchtet.
Viele Hände – schnelles Ende!
Unterdessen hat der Wallfahrtsort die Folgen des Angriffes innerhalb weniger Stunden weitgehend beseitigt. Mitglieder der Pfarrgemeinde, Jugendliche der Gemeinschaft Cenacolo sowie zahlreiche Freiwillige entfernten die Schmierereien an den Marienstatuen. Die Arbeiten begannen nach Angaben der Pfarre bereits am frühen Morgen und dauerten bis zum Abend an.
Auch der durch einen Brand beschädigte Außenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus wurde noch am selben Tag instand gesetzt. Und so konnte der Abendgottesdienst bereits am wiederhergestellten Außenaltar stattfinden.
„Unkraut nicht zu früh ausreißen“
Hauptzelebrant Vinko Bacak aus den Reihen der Franziskaner deutete dabei das Gleichnis vom Weizen und Unkraut vor dem Hintergrund der Ereignisse des Tages. Die Welt sei häufig durch eine „schwarze Chronik“ geprägt, in der das Böse die Schlagzeilen beherrsche, Angst auslöse und den Frieden erschüttern könne. Gott höre aber nicht auf, sein gutes Wort auszusäen und seine Gnade zu schenken. Der christliche Glaube leugne die Existenz des Bösen nicht, sondern helfe zu verstehen, woher es komme und wie leicht es im Herzen des Menschen Wurzeln schlagen könne.
Zugleich mahnte der Franziskaner zur Geduld im Umgang mit den Fehlern anderer. Menschen seien versucht, vorschnell zu urteilen oder zu verurteilen, doch Gott selbst handle anders. Er verwies auf den heiligen Augustinus und den heiligen Franziskus, deren Lebenswege zeigten, dass aus Menschen, die zunächst in die Irre gingen, große Heilige werden könnten. Wer das „Unkraut“ zu früh ausreiße, laufe Gefahr, auch den Weizen zu beschädigen. Deshalb gelte es, Gottes Geduld nachzuahmen und auf die verwandelnde Kraft seiner Gnade zu vertrauen, so Bacak.
Also wer weiß, vielleicht wandelt sich Bartłomiej K. ja wirklich erneut vom Saulus zum Paulus.
Autor:Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag |
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