Wort zum Sonntag von Klaus Einspieler
Durchkreuzt

Foto: pixabay.de

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Spätestens seit den islamistisch motivierten Terrorangriffen auf das World Trade Center vor genau zwanzig Jahren werden Menschen, die ihren Glauben mit Überzeugung leben, beargwöhnt. Auch die christlichen Kirchen fühlen sich zunehmend gezwungen, zu begründen, warum es gut ist, dass es sie doch noch gibt. – Welchen Nutzen hat der Glaube? Man beeilt sich zu betonen: Er ist eine Lebenshilfe. Etliche Buchhandlungen geben dem Recht. Das Regal Religion gibt es dort schon lange nicht mehr. Religiöse Literatur ist unter Ratgebern unterschiedlichster Prägung zu finden. Was nicht in das Bild von Jesus dem Menschenversteher passt, kommt kaum noch zur Sprache.
Das heutige Evangelium hält dagegen und ruft in Erinnerung: Christen glauben an den gekreuzigten Messias. Er ist eben nicht abgeklärt in hohem Alter sanft entrückt, sondern gewaltsam aus der Welt gerissen worden. Sein Glaube war auf den ersten Blick wohl keine Lebenshilfe. Seine Weisheit lautet nicht: Du musst zuerst einmal auf dich schauen, oder: Du musst lernen, dich abzugrenzen, sondern: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Niemand hört diese Botschaft gern.
Und doch ist dieser Prophet aus Galiläa ein außergewöhnlicher Lebensratgeber. Er schielt nicht nach hoher Auflage und billigem Applaus. Er ruft in Erinnerung, dass alles Große, das Menschen hervorgebracht haben, nur entstehen konnte, weil sie ihre eigenen Interessen hintangestellt haben. Manche werden dabei an ihre Eltern denken, die ihnen unter Entbehrungen vieles ermöglicht haben. Sie haben es gerne getan; es ist nämlich aus Liebe geschehen. Wenn das schon im Kleinen so ist, dann umso mehr im Blick auf die große Verheißung Jesu vom Reich Gottes. Wer sie teilt, muss loslassen lernen, um zu gewinnen. Für Narzissmus und Egoismus ist also in der Familie Jesu kein Platz. Hingeben, füreinander da sein, auch wenn es weh tut – diese Botschaft durchkreuzt das Konzept einer Wellnessreligion. Und dennoch lohnt sich die Nachfolge Christi. Wer in seiner Spur bleibt, wird gewinnen.

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Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag

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