Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Aus dem Inneren einer Covid-19-Station

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Die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften ist immer wichtig – aber während der Corona-Pandemie ist sie es ganz besonders. Was bedeutet es für Ärzte und Pflegepersonal, wenn ein Patient auf der COVID-Station betreut werden muss? Am Allgemeinen öffentlichen Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt zählt die COVID-Station 1 A zu Kärntens größter. Das Ärzte- und Pflegeteam gibt Einblicke in das Arbeitsleben mit der Krankheit.
von Katja Kogler

Die Corona-Pandemie hat auch 2021 fest im Griff. Für die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Angelika Kaufmann und ihre Kollegen fühlt sich diese Zeit wie ein Marathonlauf in Schutzkleidung an: Anzug mit Kittel, Haube, Mundschutz, Visier, drei Paar Handschuhe. Derzeit ist der Job extrem fordernd, aber der Großteil der Ärzte und Pflegekräfte macht ihn immer noch gerne – und das, obwohl er in einem Umfeld ist, das die meisten lieber gar nicht erst betreten.
Beim Verlassen des hochinfektiösen Stationsbereiches 1A nimmt das Ausziehen der Schutzkleidung noch mehr Zeit in Anspruch als das Anziehen. Alleine die Handschuhe müssen einzeln abgestreift werden. Dazwischen wird desinfiziert. Das Prozedere ist dabei genau vorgegeben. „Jeder Patientenkontakt muss jetzt noch besser geplant werden“, weiß Angelika Kaufmann, die seit 25 Jahren im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt (EKH) beschäftigt ist. 285 schwer erkrankte Patienten (Stand 6. April 2021) wurden seit Beginn der Pandemie am EKH behandelt, 63 sind verstorben. Zu Spitzenzeiten wurden auf zwei Stationen bis zu 50 COVID-Patienten betreut.
Patientenzuwächse
Abteilungsvorstand Primar Dr. Hans Jörg Neumann und Oberarzt Dr. Hans Winkler sind die verantwortlichen Ärzte der COVID-Station am EKH: „10 bis 14 Tage nach dem Anstieg der Infektionszahlen kommen in der Regel die ersten Patienten im Krankenhaus an. Wenn man die Inzidenz, also die Anzahl der Neuerkrankungen, und die Altersverteilung genau im Blick behält, kann man sich gut vorbereiten“, sagt Dr. Neumann. Wichtig ist die Kooperation mit den Landeskoordinatoren. So wurden bislang auch 194 Patienten (Stand: 6. April 2021) von externen Abteilungen an die COVID-Station des EKH Klagenfurt übernommen.
Über die Patienten weiß er: Das mittlere Alter der COVID-Patienten beträgt 82 Jahre, der älteste Patient war 101 Jahre und der jüngste Patient 33 Jahre alt. Großteils hatten sie Vorerkrankungen. Hohes Fieber, Husten, Luftnot, allgemeine Schwäche, Durchfall und Darmbeschwerden sind die häufigsten Ursachen für die Überstellung ins Krankenhaus und damit auch in die Hände von COVID-Fachkräften wie jenen im Ordenskrankenhaus der Elisabethinen.
Alltag auf der COVID-Station
Die Betreuung der COVID-Patienten nimmt viel Zeit in Anspruch. „Sie sind schwach, können sich nicht waschen, nicht ohne Hilfe essen oder Medikamente einnehmen. Alleine die Morgenpflege nimmt pro Patient mehr als eine Stunde in Anspruch“, gewährt Angelika Kaufmann einen Einblick in ihre tägliche Arbeit.
Normales Sprechen mit den Patienten ist erschwert, was die Kommunikation sehr trübt, denn die Pfleger und Ärzte im hochinfektiösen Stationsbereich tragen Mundschutz und Visier. „Die Akustik ist schlecht und zudem fehlt die Mimik. Das ist sehr ermüdend“, schildert die diplomierte Krankenpflegerin.
Zusammenarbeit
Die Abläufe auf der Station 1A sind nie Routine. „Tagtäglich stehen wir vor neuen Herausforderungen, die der Krankenhaus-Alltag mit sich bringt“, schildert Oberarzt Dr. Hans Winkler. Die Zusammenarbeit im Team ist in so einer Situation extrem wichtig. Alleine ist man nie so stark wie im Team. „Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig. Wir motivieren uns und schaffen es somit, unsere COVID-Patienten bestmöglich zu betreuen“, fasst Angelika Kaufmann die vergangenen Monate zusammen. Aufregung und Hektik würden den Ablauf auf der Station nur irritieren und die Patienten verunsichern. „Sie benötigen Ruhe, Fürsorge und auch im roten Bereich der Station angstlindernde persönliche Worte und das Halten der Hände.“ Bilder und Zeichnungen von der Familie, ein iPad für Videotelefonate und kleine persönliche Gegenstände erleichtern den Erkrankten die Bewältigung der Einsamkeit.
Ängste hinten anstellen
Die eigenen Bedenken der Ärzte und Pflegekräfte vor einer Ansteckung sind in den Hintergrund gerückt. „Am Beginn der Pandemie war COVID-19 noch die große Unbekannte. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Heute hat man Respekt vor der Erkrankung. Regelmäßige Hygiene-Schulungen und geregelte Abläufe haben die Situation deutlich verbessert“, sagt Angelika Kaufmann.
Schwere COVID-Verläufe
Die Zahl der Corona-Infektionen steigt derzeit wieder und mit Sicherheit werden einige Erkrankungen auch kritisch verlaufen, vermutet Oberarzt Dr. Winkler, der seit 1991 am Elisabethinen-Krankenhaus tätig ist. „Verschlechtert sich der Zustand von erkrankten Patienten auf der COVID-Normalstation dramatisch, wird die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin hinzugezogen.“
Etwa vier Prozent aller COVID-19-­Erkrankten des ­Elisabethinen-Krankenhauses benötigten bisher eine intensivmedizinische Behandlung. Diese Patienten werden vor allem ins Klinikum Klagenfurt zur Intensivtherapie verlegt. „Ab hier steigt der Pflege- und Betreuungsaufwand der Patienten nochmals enorm“, betont Primar Dr. Michael Zink.
Kampf um Menschenleben
Mit dem Monitoring werden Herz, Kreislauf und Sauerstoffsättigung engmaschig ­kontrolliert und überwacht. COVID-19-­Patienten mit ­einer schweren Erkrankung ­werden regelmäßig in Bauchlage gebracht, um die Atem­arbeit zu unterstützen und mehr Sauerstoff ins Blut zu transportieren. „Doch was einfach klingt, ist ein großer Aufwand“, sagt ­Primar Zink. So benötigt das Drehen in Bauchlage mindestens zwei Pflegekräfte und einen Arzt, denn der Patient im künstlichen Koma hat einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre, dünne Schläuche ­(Katheter) in den Blutgefäßen, zusätzlich meist eine Magen­sonde und einen Blasenkatheter. „Nichts darf herausrutschen oder abreißen.“
Was bleibt? Hoffnung! Die Hoffnung der Ärzte und Pflegekräfte der COVID­-Station am Ende des Tages? „Der Impfstoff. Und wenn wir sehen, dass es einem schwer an COVID Erkrankten besser geht. Das zeigt uns, dass unsere Arbeit etwas bringt und sich der Einsatz lohnt.“

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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