200 Jahre Pfarrer Sebastian Kneipp
Gesundheit kommt durchs Wasser

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Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried geboren. Als junger Mann erkrankte er an Tuberkulose. Damals eine unheilbare Krankheit. Doch es gelang ihm, sich durch eiskalte Tauchbäder in der Donau selbst zu heilen. Der Grundstein seiner Wasserkur war gelegt. Von einem Leben als Seelsorger mit vielen Talenten.
von Ingeborg Jakl

Wassertreten in der eigenen Badewanne, über den taufrischen Rasen laufen oder im Winter einige Sekunden durch den Schnee. Danach sofort dicke Socken anziehen und ins Warme. Das, was Pfarrer Sebastian Kneipp vor über 150 Jahren seinen Patienten „predigte“, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Inzwischen ist aber einiges dazugekommen. Vor allem im Bereich Bewegung.
Licht, Luft und Wasser
Etwa 120 Wasseranwendungen gibt es nach der Kneippschen Lehre. Zunächst von Apothekern und Ärzten als Kurpfuscher bekämpft, gelang Sebastian Kneipp 1886 der Durchbruch mit dem Buch „Meine Wasserkur“, in dem der Priester die gesundheitsfördernde Wirkung der Güsse beschrieb. „Die Mittel, welche das natürliche Heilverfahren beansprucht, beruhen in Licht, Luft, Wasser, natürliche Ernährung, Ruhe und Bewegung in ihren verschiedenen Anwendungsformen, Dinge, die, wenn sie normal vorhanden, den gesunden Organismus gesund erhalten und wieder gesund machen können, wenn er erkrankt ist“, dozierte Pfarrer Sebastian Kneipp.
In diesem Jahr haben sich die rund 4000 Mitglieder der Kneipp Aktiv Clubs in Kärnten an Pfarrer Kneipps Empfehlungen gehalten und seine Vorschläge zumeist allein umgesetzt, sagt Annemarie Warl, Vorsitzende des Kneipp Landesverbandes Kärnten. Gemeinsame Übungsstunden, Treffen sowie Unternehmungen und Ausflugsfahrten mussten pandemiebedingt gestrichen werden.
„Unser beliebten Yogakurse, Rücken-Fit sowie Gymnastik haben wir schnell ins Internet verlegt“, erklärt Felice Greussing-Preis vom Vorstand des Kneipp Aktiv Clubs Klagenfurt. „Aber das Turnen vor dem Computer ersetzt natürlich nicht das gemeinschaftliche Turnen in der Gruppe. Der Austausch gehört nämlich auch dazu.“
Die meisten Mitglieder
Mit 1243 Mitgliedern sind die Klagenfurter die mitgliederstärkste Gruppierung in ganz Österreich! Vor 94 Jahren fanden sich in der Landeshauptstadt Menschen zusammen, die die Lehre von Pfarrer Sebastian Kneipp begeistert aufnahmen und umsetzten. Schnell war eine Gruppe entstanden, die sich nicht nur mit den fünf Säulen von Pfarrer Kneipps Therapie beschäftigte, sondern darüber hinaus auch für gemeinsame Aktivitäten sorgte. „Ausflüge, Reisen, Feiern gehören auch zu einem gelingenden Leben“, erzählt Horst Hainzl, Obmann des Klagenfurter Kneipp Aktiv Clubs. Derzeit plant er gemeinsam mit seinen Vorstandskolleginnen und -kollegen umsichtig die nächsten Schritte. „Im Sommer möchten wir unseren Mitgliedern ein Programm vorstellen, das sich auf den Herbst und Winter erstreckt. Alle warten schon darauf.“
Wasser und mehr
Abhärten, vorbeugen: Das ist die knappe Zusammenfassung der Therapie nach Sebastian Kneipp. Seine Heilmethode ist moderner und gefragter denn je. Wasser, Wasser und noch einmal Wasser. Kalt, klar, manchmal mit hohem Druck verteilt. Das ist die schlichte Basis der Kneipp-Therapie. Neudeutsch heißt das Hydrotherapie, womit sich Sebastian Kneipp, mit 28 Jahren an normalerweise tödlicher Tuberkulose erkrankt, selbst heilte. Er wurde 76 Jahre alt und starb im Jahr 1897, nachdem er vielen anderen Menschen ebenfalls mit seiner Wasser-Therapie geholfen hatte. Viele Ärzte und Apotheker hatten ihn als Kurpfuscher verklagt, seine Patienten jedoch verehrten ihn, heute würde man sagen, als „Superstar“. Er hatte seine Anhänger, die von überall her kamen, um bei ihm Hilfe zu suchen.
Pfarrer Kneipp war der Überzeugung, dass die Natur alles bietet, was ein Mensch braucht, um gesund zu sein und gesund alt zu werden. Seine Therapie basiert auf fünf Säulen, die den Menschen nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch stärken sollen und so zu einem gesünderen Lebensstil beitragen. Dazu zählen die Ernährung, die Balance (das psychische Wohlbefinden), Wasser, Pflanzen, in dem Fall Kräuter, und natürlich die Bewegung. Ziel ist immer die Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
Das bewog den „Österreichischen Kneippbund“, gemeinsam mit dem Ehepaar Anne und Peter Knoll um Aufnahme des „Kneippens“ in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO anzusuchen. „Seit Oktober 2020 ist der Österreichische Kneippbund dabei“, sagt Annemarie Warl nicht ohne Stolz.
Kneippen geht weiter
Der Landesverband ist das Glied zwischen Kneipp Aktiv Club und der Bundesleitung. Aufgaben des Verbandes sind die Unterstützung der 18 Aktiv Clubs im Kärnten. Dazu zählen die Fortbildungen der Übungsleiter, die Errichtung von Kneippwanderwegen und Kneippanlagen. In Kärnten gibt es 15, die einladen, sich in der Natur zu bewegen. Außerdem wird die Ausbildung der Kindergarten-Pädagoginnen zu zertifizierten Kneipp Kindergärten forciert.
Dem Österreichischen Kneippbund gehören mehr als 30.000 Mitglieder an, denen in den 206 Kneipp Aktiv Clubs ein vielfältiges Gesundheitsprogramm angeboten wird. Dass gerade nach Corona wieder beginnt!

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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