Mein Weg nach Rom 7/10
Moderne Kunst und der „Lauf der Verrückten“
- Alberto Burris Bilder sind heute Klassiker der Moderne.
- Foto: Treml
- hochgeladen von martinus Redaktion
Von La Verna nach Assisi
Wir steigen von La Verna hinab in Richtung Tibertal zu unserem Tagesziel, einer kleinen Gemeinde namens Caprese, in der niemand Geringeres als das Universalgenie Michelangelo Buonarroti geboren und getauft wurde. Viele Erinnerungen wird er an diesen Ort nicht gehabt haben. Als er ein Jahr alt war, kehrte sein Vater mit der Familie nach Florenz zurück. Den Auferstandenen, eines der Meisterwerke des Renaissancekünstlers Piero della Francesca, bestaunen wir im Stadtmuseum von Sansepolcro. Eine Kuriosität ist bis heute die Auflage des Malers geblieben, dass das Bild immer einsehbar sein müsse. Und so können wir durch ein Fenster rund um die Uhr einen Blick ins Museum auf dieses grandiose Kunstwerk werfen.
500 Jahre später verursacht, wie der wohl kreativste Kopf Città di Castellos, Alberto Burri, vorerst für Kopfschütteln: Riesige Plastikfolien mit angesengten Löchern, aufgesprengte Tonflächen, Collagen aus Leinensäcken – das soll Kunst sein? Alberto Burris Materialbilder erregten in den 1950er-Jahren nicht nur die Gemüter Italiens. Die alten, riesigen Hallen rund um die Stadt zur Trocknung der Tabakblätter haben ausgedient. Eine solche Anlage gestaltete der Künstler noch zu Lebzeiten als Atelier um. Jetzt beherbergen sie als Museum hunderte seiner Werke, allesamt großformatig und inzwischen Klassiker der Moderne.
- In Gubbio traf Franziskus den Wolf.
- Foto: Treml
- hochgeladen von martinus Redaktion
FRANZISKUS UND DER WOLF
Gegen Ende des ersten Teiles des Franziskusweges kommen wir nach Gubbio. Hier, so erzählt die Legende über Franziskus, zähmte er den Wolf, der die Einwohner der Stadt in Angst und Schrecken versetzte. In Gubbio, am Fuße des Monte Ingino gelegen, findet jedes Jahr am 15. Mai das Fest „Corsa dei Ceri“ statt. Je zehn Männer laufen mit drei 300 kg schweren „Holzkerzen“ 300 Höhenmeter den Berg zur Basilika Sant’Ubaldo hinauf. Auf den Kerzen sind Statuen der Heiligen Georg, Antonius und Ubaldo aufgesetzt. Der Wettbewerb heißt im Volksmund „Lauf der Verrückten“, denn der Sieger steht schon vorher fest: St. Ubaldo ist immer der Erste, der die Basilika betritt. Mit Beginn der Adventzeit leuchtet hier der größte Christbaum der Welt, so steht es im Guinness-Buch der Rekorde. Na ja, der Christbaum ist eine Lichtinstallation, die sich den ganzen Monte Ingino empor erstreckt. Und wer sich getraut, im alten Korblift stehend wieder ins Tal hinunterzufahren, muss in der Tat ein bisschen mutig sein. Man muss sie einfach mögen, die Eugubini, wie die Einwohner Gubbios genannt werden.
FRANZISKUS – DER PILGER
Wir knien in Assisi in der Krypta der Franziskusbasilika vor dem Sarkophag des Heiligen, dem Patron der Pilger. Ein weiteres großes Pilgerziel am Weg nach Rom ist erreicht. Im Anschluss führt uns der Fran-ziskaner-Minorit Fra Thomas Freidel durch dieses doppelstöckige Gotteshaus. Im Pilgerbüro überreicht er uns noch die Pilgerurkunde für den Franziskusweg, das „Testimonium Viae Francisci“. Ein bis zwei Tage wollen wir noch auf den Spuren des hl. Franziskus in Assisi verweilen und das Buch „Assisi erleben“ von Thomas Freidel und Wolfgang Metz leistet uns dabei gute Dienste. Nach seiner Entsagung von jeglichem Besitz galten dem Heiligen das Evangelium und die Schöpfung als Heimat. Und so pilgerte er zuerst einmal, begleitet von einigen jungen Männern, im Jahr 1209 nach Rom, um von Papst Innozenz III. die Erlaubnis zu bekommen, ein Wander- und Predigerleben zu führen. 17 Jahre lang bis zu seinem Tode war der Poverello („der kleine Arme“) unermüdlich, seine Gesundheit kaum schonend, unterwegs – von Einsiedelei zu Einsiedelei, von Stadt zu Stadt, nach Santiago de Compostela, ins Heilige Land und nach Ägypten.
In Assisi, wo er geboren wurde, endete auch seine Pilgerreise. „Im Sonnengesang wird seine Liebe zur Schöpfung zu Poesie. Das geht so weit, dass er auch den Tod seinen ‚Bruder‘ nennt, der ihn am Abend des 3. Oktober 1226 an seinem Lieblingsort Portiunkula liebevoll umfängt“, wie P. Felix Gradl schreibt. Dass Jahrhunderte später ein Papst seinen Namen tragen würde, hätte sich Franziskus sicher nicht träumen lassen.
FERDINAND TREML
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.