Oberwarts Stadtpfarrer Erich Seifner über das christliche Menschenbild
Wer bin ich?

Wer bin ich? – Das fragt sich Jung und Alt.
  • Wer bin ich? – Das fragt sich Jung und Alt.
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Was ist der Mensch? Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Bin ich nur ein Zufallsprodukt der Evolution? Eine Laune der Natur? Ein intelligentes Tier? Seit es Menschen gibt, denken sie über diese Fragen nach.

Im Folgenden nenne ich einige Aspekte, die für unser christliches Menschenbild unverzichtbar sind:

Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes; geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes (Gen 5,1). Darum besitzt der Mensch auch eine unantastbare Würde, die unabhängig ist von Alter, Geschlecht, Stand, Rasse, Sprache, Religion, Bildung oder Einkommen. Der Mensch ist „die Krone der Schöpfung“.
Das heißt: unter allen Lebewesen ist der Mensch das vornehmste Geschöpf Gottes. Diese Vorrangstellung ist aber kein Freibrief, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Im Gegenteil! Sie verpflichtet uns, verantwortungsbewusst mit den Gütern und Gaben der Natur umzugehen (vgl. Gen 2,15).
Geschöpfsein bedeutet: Wir sind nicht souveräner Herr über uns selbst. Am eindrucksvollsten erfahren wir bei der Geburt und beim Sterben, dass wir uns nicht uns selbst verdanken.

Der Mensch ist von Gott gekannt und geliebt. „Ich (Gott) habe dich beim Namen gerufen. Ich bin dein Gott. Du bist in meinen Augen wertvoll. Fürchte dich nicht!“ (Jes 43,1-5)

Der Mensch ist ausgestattet mit Verstand und freiem Willen. Willensfreiheit bedeutet nicht, tun und machen können, was wir wollen. Willensfreiheit, wie wir Christen sie verstehen, bedeutet frei sein von etwas (von äußerem und innerem Zwang und Druck) und frei sein zu oder für etwas (zu lieben, zu helfen, zu beten, …).

Der Mensch ist eine Leib-Seele-Einheit, er ist, wie das 2. Vatikanische Konzil sagt, „in Leib und Seele einer“ (GS 14,1). Leib und Seele leben also nicht getrennt nebeneinander. Sie durchdringen sich. So kann man z. B. am Gesichtsausdruck eines Menschen „ablesen“, ob er sich freut oder traurig ist. Umgekehrt hat auch ein körperlicher Schmerz eine entsprechende Auswirkung auf unseren seelischen Zustand.

Der Mensch ist eine Person: einerseits ein unwiederholbares, einmaliges Individuum und andererseits ein Wesen, das auf ein Du ausgerichtet ist. Er reicht über sich hinaus und kann sogar zum höchsten Du, zu Gott, „Vater unser“ sagen.

Der Mensch ist ein Sozialwesen. Wir sind keine Monaden. Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen, damit sie sich ergänzen und einander helfen, zu leben und glücklich zu sein (Gen 2,21-24). Wir leben auch mit vielen anderen Menschen zusammen. Wir brauchen sie, und sie brauchen uns, um unsere Lebensziele verwirklichen zu können.

Der Mensch ist ein sündiges, erlösungsbedürftiges Wesen. Sein Wille ist nach dem Sündenfall zum Bösen geneigt. Wir Menschen neigen ständig dazu, unserem Hang zum Egoismus nachzugeben und das Glück unseres Lebens bei vergänglichen Dingen zu suchen (Reichtum, Konsum, Karriere, …).
Trotz unserer Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit ist uns die Sehnsucht nach Sinn und Glück, nach dem Wahren, Guten und Schönen, nach Liebe und Geliebtsein, nach Gott, ins Herz geschrieben. Oder mit den Worten des heiligen Augustinus ausgedrückt: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Gott.“

Der Mensch ist erlöst durch Jesus Christus. Dazu ist er, Gottes Sohn, zu uns auf die Erde gekommen, ein Mensch geworden, am Kreuz gestorben und auferstanden, um uns, die Menschen, zu erlösen vom Leben der Gottferne, von unseren Sünden und vom ewigen Tod.
Dieses neue Leben wird uns in der Taufe geschenkt. Da adoptiert uns Gott als seine Kinder. Was Gott bei der Taufe im Jordanfluss zu Jesus sagt, gilt darum in gewisser Weise auch für jeden Getauften: „Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Gefallen. Mit dir habe ich Großes vor.“
In der Taufe werden wir herausgenommen aus der mit dem Bösen infizierten und verseuchten Welt (= Erbsünde) und eingepflanzt in das Leben des dreifaltigen Gottes. Das bedeutet: Wir müssen jetzt nicht mehr unserem natürlichen Hang zum Egoismus nachgeben. Wir haben als Getaufte die Möglichkeit, anders zu leben, so wie Jesus mit und für Gott und für die anderen da zu sein und zu leben.

Christen sollten wissen: Wir sind nicht hier auf Erden, um uns zu Tode zu amüsieren und zu Tode zu arbeiten. Nein! Wir sind zu einem sinnerfüllten, zielgerichteten Leben gerufen. Wir sind berufen und geschaffen für die Freude, für die Liebe, für Gott, für den Himmel.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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