Sonntag - 04. Oktober 2026
Im Weinberg Gottes

Der Weinberg ist und bleibt Gottes Eigentum. | Foto: Unsplash, Zachary Brown
  • Der Weinberg ist und bleibt Gottes Eigentum.
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27. SONNTAG IM JAHRESKREIS, LESEJAHR A – 4. OKTOBER 2026

1. LESUNG Jesaja 5,1–7
Der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel.

Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepfl anzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoff te er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren. Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoff te ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren! Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Denn der Weinberg des Herrn der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pfl anzung seiner Lust. Er hoff te auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih – doch siehe da: Hilfegeschrei.

2. LESUNG Philipper 4,6–9
Was ihr angenommen habt, das tut; und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und fl ehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren. Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft , edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

EVANGELIUM Matthäus 21,33–42.44.43
Das Gleichnis von den Winzern

Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

ANTWORTPSALM
Der Weinberg des HERRN ist das Haus Israel.

Einen Weinstock hobst du aus in Ägypten, du hast Völker vertrieben und ihn eingepflanzt. Seine Ranken trieb er bis zum Meer und seine Schösslinge bis zum Eufrat! Warum rissest du seine Mauern ein? Alle, die des Weges kommen, plündern ihn. Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um, es fressen ihn ab die Tiere des Feldes. Gott der Heerscharen, kehre doch zurück, blicke vom Himmel herab und sieh, sorge für diesen Weinstock! Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat, und den Sohn, den du dir stark gemacht! Wir werden nicht von dir weichen. Belebe uns und wir rufen deinen Namen an. HERR, Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her, lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet.

Psalm 80 (79),9 u. 12.13–14.15–16.19–20

Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

WORT ZUM EVANGELIUM
Heute hören wir zum dritten Mal in Folge ein Gleichnis, in dem ein Weinberg eine Rolle spielt. Diesmal geht es um einen Weingutbesitzer, der alles für seinen Weinberg tut. Er pflanzt, schützt, richtet ihn ein. Winzer übernehmen das Weingut in Pacht. Doch sie verhalten sich so, als ob das Land ihnen gehören würde. Als der Besitzer Knechte schickt, um seine Früchte einzufordern, werden diese misshandelt. Schließlich kommt der Sohn – und wird getötet.

In diesem Bild klingt das „Lied vom Weinberg“ des Propheten Jesaja an: Gott pflegt seinen Weinberg liebevoll, um sein Volk Israel zu beherbergen und zu schützen (Jes 5). Jesus erzählt damit also die Geschichte eines fürsorglichen Gottes mit den Menschen. Die Knechte stehen für die Propheten. Sie wurden oft nicht gehört, manchmal verfolgt. Der Sohn steht für Jesus selbst.

Für die Zuhörerenden wird spürbar: Hier geht es nicht um irgendeine Geschichte – hier geht es um sie selber. Der Weinberg soll „Frucht“ hervorbringen – nicht Erfolg im äußeren Sinn, sondern ein Leben voll Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Treue. Ist das Projekt „Weinberg“ gescheitert, wenn gewalttätige Menschen es an sich reißen? Die überraschende Wende zeigt sich im Bild vom „verworfenen Stein“, der zum Eckstein geworden ist: Gott lässt sich nicht aufhalten. Selbst die Ablehnung wird Teil seines Weges. Aus dem scheinbaren Scheitern entsteht ein neuer Anfang.

Der Weinberg ist und bleibt Gottes Eigentum. Wer sich an Gottes Stelle setzt und nur sich selbst sieht, verliert den Blick für das Wesentliche. Das heutige Evangelium lädt uns ein, uns nicht als Besitzende, sondern als Verwaltende zu verstehen – unserer Möglichkeiten, unserer Talente, der Schöpfung. Auch wenn wir versagen. Gott gibt nicht auf. Er vertraut weiter. Sein Ziel bleibt: ein Leben, das Frucht bringt – für alle seine Geschöpfe.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien.

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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