Was uns Franziskus heute sagt 4/4
Im Elend dankbar
- Den Sonnengesang, das Lob Gottes durch alle Geschöpfe, dichtete der heilige Franz von Assisi nicht, als es ihm gut ging, sondern in einer schwierigen Lebenslage.
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Franz von Assisi war ein Dichter. Mit seinem weltberühmten Sonnengesang schrieb er ein helles, zärtliches Lied, das von seiner eindringlichen Kraft bis heute nichts verloren hat. Es ist das gesungene Vertrauen darauf, dass Gott eine gute Welt erschaffen hat und sie leidenschaftlich liebt. Man könnte nun meinen, ein glücklicher Mensch habe diese Zeilen geschrieben. Doch Franziskus lag im Winter 1224/25 krank darnieder, kämpfte mit großen Schmerzen und dunklen Gedanken. Seit einer Kriegsgefangenschaft in jungen Jahren plagte ihn eine chronische Malaria, dazu kamen ein Milzleiden und eine eitrige Bindehautentzündung. Zusätzlich trug er die Wunden Jesu am Leib, seine Hände, Füße und Seite waren extrem berührungsempfindlich. Um seine Versorgung zu gewährleisten, hatten ihm die Gefährten eine Hütte nahe dem Kirchlein San Damiano gebaut, wo Klara und ihre Schwestern lebten. Das ist mehr als ein liebevolles Detail. Franziskus besingt im Sonnengesang die Gestirne und Elemente als Schwestern und Brüder. Eben dieses geschwisterliche Miteinander war für ihn in diesen Wochen überlebensnotwendig.
„ICH KANN NICHT MEHR!“
Die Hütte, in der sie ihn gemeinsam pflegten, musste vollkommen abgedunkelt sein. Die entzündeten Augen vertrugen keinerlei Licht. Von Mäusen wird deshalb erzählt, die ihn weder bei Tag noch bei Nacht in Ruhe ließen. Sie kletterten auf seinen Tisch, verschmutzten alles, störten Schlaf und sogar Gebet. Franz, der nicht zum Selbstmitleid neigte, schrie: „O Gott, ich kann nicht mehr, hilf mir!“ In einer dieser dunklen Nächte hörte Franziskus eine liebevolle Stimme: „Ich bin dir ganz nah, lieber kleiner Bruder!“ Und die Stimme fährt fort: „Stell dir vor, jemand verspricht dir im Gegenzug für all dein Leid einen großen Schatz. Aber du würdest ablehnen, weil du wüsstest, dass dieser Reichtum nichts ist im Vergleich zu dem, was du wirklich geschenkt bekommst. Würdest du dich dann nicht sehr freuen?“ Franziskus antwortete: „Natürlich!“ Gott erwiderte zärtlich: „Dann freu dich sehr, denn ab jetzt magst du dich so sicher fühlen, als wärst du schon in meinem Königreich.“ Franziskus fiel diese Verheißung direkt ins Herz. Am Morgen steht er gestärkt auf und erzählt seinen Gefährten: „Ich habe inmitten meiner Schmerzen und Leiden eine unerhörte Freude geschenkt bekommen! Gott selbst ist ganz nah zu mir gekommen.“ Er fühlte, dass sein Elend nicht hieß, von Gott verlassen zu sein, sondern im Gegenteil, sicher von ihm durch alles getragen zu werden. So fand er ausgerechnet in diesem fürchterlichen Winter zur Gewissheit zurück, ein über alles geliebtes Kind Gottes zu sein.
LOB IN DER VERZWEIFLUNG
Dieser innere Durchbruch fließt in den folgenden Tagen in das Lied für Gott, den Lobgesang der Geschöpfe ein. Franziskus schrieb den Sonnengesang nicht, während er über Blumenwiesen wanderte und durch Frühlingswälder streift e. Er schrieb ihn, nachdem er durch eine tiefe innere Dunkelheit gegangen war. Darin steckt bis heute ein großer Trost: Gott ist da – in jeder Lebenslage. Nicht als ein Zauberer, der nur die Hand ausstreckt und unsere schwierigen Situationen ändert. Sondern als der, der an unserer Seite steht und sich mit uns durch alle Not quält.
Buchtipp: Bruder Feuer und Schwester Licht – Franz und Klara von Assisi, Zwei Lebensgeschichten im Dialog. Von Martina Kreidler-Kos und Nikolaus Kuster OFMCap, Patmos 2026, 376 Seiten, Euro 23,95
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Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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