ÜBER_BLICK
Religiöse Feiertage haben gesamtgesellschaftlichen Wert

Foto: pixabay

Expertinnen und Experten diskutierten bei einer Tagung in Wien über die Bedeutung religiöser Feiertage in Österreich.
Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle diese Tage heute für Gesellschaft und Identität spielen. Dabei ging es auch um Themen wie Gleichbehandlung und die religiöse Vielfalt im Land.

ERLEBBARE GEMEINSCHAFT
Katharina Renner, Vizepräsidentin der Katholischen Aktion, sagte: „Wir brauchen diese Anlässe und müssen sie uns bewahren, weil solche Feiertage Gemeinschaft erlebbar machen und auch zivilgesellschaftliches Engagement ermöglichen.“ Feiertage seien ein „Ausdruck von kultureller und religiöser Identität“, hätten aber auch eine Bedeutung über die Religion hinaus.

KARFREITAG: STILLER FEIERTAG
Für evangelische Christ:innen hat der Karfreitag ein besonders hohes Gewicht. Der evangelische Kirchenhistoriker Leonhard Jungwirth erklärte, dass der Karfreitag immer auch politisch wichtig war: „Seine Stellung war stets das Ergebnis politischer Aushandlungsprozesse.“ Die Geschichte des Karfreitags als Feiertag sei immer eng mit jener des 8. Dezembers, des katholischen Feiertags Mariä Empfängnis, verbunden gewesen, der ja als Marienfeiertag stark mit den Geschehnissen der Gegenreformation zusammenhänge. Der politische Durchbruch 1955, als beide gesetzliche Feiertage wurden, habe die Voraussetzungen für Versöhnung geschaffen, nicht nur im Verhältnis zwischen rö-misch-katholischer und evangelischer Kirche, sondern auch zwischen christlich-sozialem und sozialdemokratischem Lager, sagte Jungwirth.

Nach der Abschaffung des Karfreitags als Feiertag im Jahr 2019 sieht Jungwirth eine „Privatisierung des Religiösen“. Gleichzeitig habe sich die Bedeutung verändert. Der Karfreitag werde heute stärker als Zeichen für Solidarität gesehen, etwa mit Menschen, die leiden oder Hilfe brauchen. Deshalb sei er ein „Angebot an die gesamte Gesellschaft“ und ein „stiller Feiertag für alle“.

GEGEN BITTSTELLUNG

Sowohl der jüdische als auch der muslimische Diskussionsteilnehmer kritisierten die „Bittstellung“, wenn es am Arbeitsplatz oder in der Schule um Freistellungen für die Teilnahme an religiösen Feiertagen gehe. „Wichtig wäre für uns ein verbrieftes Anrecht auf die Einhaltung der Regeln der Feiertage mit Arbeitsverbot“, sagte Willy Weisz von der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Jurist und Politikwissenschaftler Michael Kramer, der vor 20 Jahren zum Islam konvertierte, merkte kritisch an, dass im christlich geprägten Feiertagskalender islamische Feiertage nicht berücksichtigt würden. Generell sei im Islam das Zeitfenster für das Freitagsgebet wichtig, dieser Tag gelte jedoch nicht als Ruhetag. Andere Beiträge zeigten weitere Sichtweisen: In Freikirchen spielen Feiertage eine kleinere Rolle, werden aber wieder wichtiger. In der orthodoxen Kirche sind sie zentral für den Glauben. Ein Vertreter einer atheistischen Organisation wünschte sich „weniger Bevorzugungen, weniger Benachteiligungen“.

Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Feiertage nicht nur religiös wichtig sind, sondern auch für die ganze Gesellschaft eine Rolle haben. Ihre Bedeudung verändert sich.

EPD/KATHPRESS/AME

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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