WERT_VOLL
Glaubenszeugnisse aus Gold danken für Gebets-Erhörungen
- Primizkelch von Maximilian Aichern, kürzlich verstorbener Altbischof von Linz, vormaliger Abt von St. Lambrecht.
- Foto: Franz Josef Rupprecht
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Die beiden Schatzkammern der Basilika Mariazell liegen im Obergeschoss über den Sakristeien. Sie sind durch den etwa 160 Meter langen Emporengang verbunden und gelten als „Tresore des Glaubens“ und des Vertrauens.
Es geht in diesen schön gestalteten Räumen nicht in erster Linie um weltliche Schätze aus Gold und Silber oder um wertvolle Werke namhafter Künstler, sondern es geht um Glaubenszeugnisse und Dankesgaben für verschiedene Gebetserhörungen.
Natürlich finden sich auch materiell wertvolle und kunstgeschichtlich bedeutsame Gaben in diesen Räumen, aber darum geht es eigentlich nicht. Es geht vielmehr darum, dass die Wallfahrtskirche seit Jahrhunderten Schätz des Vertrauens der Pilger bewahrt. Mit der Ausstellung dieser Votivgaben und Weihegeschenke will die Kirche seit dem Mittelalter Menschen zum Glauben ermutigen und auf die Gnade hinweisen, die von der Gottesmutter Maria und ihrem Sohn Jesus im Wallfahrtsort ausgeht. Hinter jeder der tausenden Votivgaben steht eine persönliche Lebens- und Glaubensgeschichte – meist mit Bitte und Dank verbunden.
Die Themen sind früher die selben wie heute: Krankheiten, Kriege, Unfälle, Unwetter, Geburt, Wohlergehen der Kinder, Tod, Beziehungsangelegenheiten, (land-)wirtschaftlicher Erfolg und persönliche Anliegen. Jede Votivgabe in den Schatzkammern und auf den Emporen (Votivbilder) erzählt ein Stück des Lebens der Spender, oft auch von schweren Schicksalsschlägen. Und jedes Stück erzählt auch von lebendigem Glauben, begründeter Hoffnung, tiefen Vertrauen und oft vom hilfreichen Eingreifen Gottes und seiner Mutter Maria. Daher sind diese beiden barocken Kammern weniger Ausstellungsräume als eher Kapellen und Orte der Andacht. Eine erste Schatzkammer und mit ihr ein Hüter dieser „Glaubensschätze“ wird in Mariazell für das Jahr 1359 in der neu errichteten gotischen Kirche überliefert („Custos Heinrich“). Das älteste und wichtigste Stück befindet sich mit dem Schatzkammerbild des König Ludwigs von Ungarn (etwa 1364) in der Nordschatzkammer am sogenannten Schatzkammeraltar. Es wird bis heute als zweites Gnadenbild von Mariazell verehrt, besonders von den ungarischen Wallfahrern. Weitere hervorragende Stücke der Sammlung bilden Gaben der Habsburger, anderer Adelsfamilien oder von Päpsten und Bischöfen. Bei manchen Stücken kennen wir die Geschichte und die Umstände des Dankopfers, bei anderen Stücken wissen wir kaum etwas. Die beiden Schatzkammerräume, die heute in Verwendung sind, wurden bei der Barockisierung der Kirche neu errichtet, mit hochwertigem Stuck und Fresken ausgestaltet und 1675 von Kaiser Leopold I. persönlich eröffnet. In der Südschatzkammer haben sich bis heute die originalen Nussholzschränke (ca. 1665) erhalten, in der Nordschatzkammer gibt es neuere Eichenholz-Vitrinen aus dem 19. Jahrhundert.
- Das Schatzkammerbild, ein hochverehrtes Gnadenbild von Mariazell. Es wird Andrea Vanni (um 1360) zugeschrieben, Technik: Tempera auf Holz. Die Heiligenscheine sind aus vergoldetem Silberblech und mit Edelsteinen und Perlen geschmückt. Das Gemälde wird von dunkelblau emaillierten Silberblechen mit goldenen heraldischen Lilien des Hauses Anjou eingefasst.
- Foto: Franz Josef Rupprecht
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Eine sehr sensible Sache ist die notwendige Beleuchtung in den alten Ausstellungsschränken, die für die Landesausstellung 1996 neu konzipiert wurde. Nach 30 Jahren wurden nun mit Hilfe des Vereines der Freunde der Basilika Mariazell – unter Beibehaltung des bewährten Beleuchtungskonzeptes – alle damals eingebauten Lichtsysteme vollständig erneuert. Diese Maßnahme wurde dringend notwendig, da die damals verwendeten Leuchtmittel (z. B. Leuchtstofflampen) heute nicht mehr erzeugt werden dürfen. Damit haben wir jetzt wieder für viele Jahre die Möglichkeit, unsere schönen Stücke öffentlich zu präsentieren und den Menschen als Glaubenszeugnisse zu vermitteln. Die elektrotechnischen Arbeiten wurden – wie schon 1995/96 – von der Firma Merl in Bruck / Mur professionell bewerkstelligt, die hochqualitativen und für museale Präsentation geeigneten Leuchtmittel in LED-Technologie stammen von der Grazer Firma XAL. Ein herzliches Vergelt`s Gott unseren vielen Spenderinnen und Spendern, die den Erhalt und die Präsentation unserer Votivgaben auch weiterhin ermöglichen. Sehr gerne möchte ich abschließend eine herzliche Einladung aussprechen, die Schatzkammern und Emporengänge von 1. Mai bis 26. Oktober auch persönlich zu besuchen.
- Foto: Franz Josef Rupprecht
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P. MICHAEL STABERL OSB
Der Autor ist promovierter Kirchenhistoriker und Superior von Mariazell
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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