Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Füreinander brennen

In eisiger Nacht sind sie auf einer unbewohnten Insel gestrandet. Das kleine Feuer, das sie spontan entzündeten, erlosch langsam. Die Kälte wurde unerträglich. Jeder der Gestrandeten hielt zwar noch ein Stück Holz in der Hand. Doch die Folge? Als erste schien die Frau zu reagieren. Sie blickte in das dunkelhäutige Gesicht eines Migranten und zögerte kurz. Dann schloss sich ihre Hand umso fester um das Scheit. „Warum sollte ich meine letzte Chance zugunsten des Fremden opfern?“
Der Mann neben ihr schaute umher, fand aber niemanden, der seiner Partei angehörte. Der Bettler versteckte sein Holz unter seinen Lumpen. „Sie alle sind reich. Warum soll ich ihnen etwas geben?“ Der Reiche daneben war gar nicht auf die Idee gekommen, er könnte etwas schenken. Und der Migrant? Sein Gesicht war von Hass verzerrt. Er spürte, dass die Anderen ihn ablehnen. Nun sei der Augenblick der Rache gekommen. Umso entschlossener schloss sich seine Faust um das Scheit. Schlussendlich gab es noch den kleinen, unscheinbaren Mann, der noch nie jemandem getraut hatte. Warum sollte er es diesmal tun? Man fand alle sechs erfroren. Die vereisten Hände fest um ein Stück Holz geschlossen. An Fronleichnam feiern wir den Gottmenschen. Er brannte und brennt für andere. Und ist auch deshalb zum Brot für uns alle geworden!

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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