Ein Leben wie ein Aufruf
Das große MIT

Ernst Pohler | Foto: Diözese/Archiv

„Das Wort MIT war mir wichtig in der Seelsorge: Mitdenken, Mitbeten, Mitarbeiten, Mitverantworten und sich mitfreuen“, schreibt Ernst Pohler in seinem Testament.

Ein Nach-Ruf hat an dieser Stelle nichts verloren. Wäre da nicht das Leben eines Menschen, der wie ein Auf-Ruf war. Es gibt Gott sei Dank viele solche Menschen, die oft ganz im Stillen wirken, Ernst Pohler war so einer: 35 Jahre Dekan im Außerfern, 60 Jahre Seelsorger im besten Sinn des Wortes. Vor kurzem ist er heimgegangen.
Nichts von dem, was er war, geben Zahlen wider. Sie
bleiben äußerlich. Was er innerlich war, davon spricht sein geistliches Testament – im Wortlaut nachzulesen
auf www.tirolersonntag.at. Es ist für mich wie eine
Zusammenfassung dessen, worum es im Glauben geht. Einer der höchst herausfordernden Sätze in Ernst Pohlers Testament: „Ich habe mich mit den Menschen des Außerfern voll identifiziert.“ Sicher wird er nicht immer Wort gehalten haben. Aber der Anspruch des Apostels Paulus bleibt: „Allen alles werden“. Das gilt bei uns genauso wie in Israel, Palästina oder in der Ukraine.
Alle mitzunehmen darf nicht blasse Utopie werden.

Gilbert Rosenkranz

Aus Ernst Pohlers Testament:

„Wenn ihr diese Zeilen lest oder davon hört, dann habe ich bereits alles Weltliche verlassen und bin in die volle Wirklichkeit, in das liebende Geheimnis Gottes `hineingeboren´ worden. Hinter jedem Loslassen liegt auch die befreiende Erfahrung, für Neues offen zu sein, das Gottes Liebe schenkt. Diese Hoffnung der Freude hat mit das Evangelium Jesu immer geschenkt.
Auf mein Leben rückschauend danke ich Gott, dass ich mit vielen guten Menschen unterwegs sein, das Leben teilen und viel gemeinsame Freude im Glauben erfahren und Sinn erfüllende Zeiten erleben konnte …
Die Pfarre Breitenwang – zu der auch Ehenbichl, Pflach und die Schwarzkopf Archbachsiedlung gehört – ist zu meiner wunderbaren, eigentlich Heimat geworden. Das Dekanat Breitenwang mit den 37 Pfarren weiter zu entwickeln war eine herausfordernde Aufgabe. Ich habe mich mit den Menschen des Außerfern – mit den Freuden und den Sorgen dieses Gebietes von Tirol – voll identifiziert. Ich gebe zu, dass manche harte Schicksalsfälle im Seelsorgegebiet – wie das Sterben von jungen Menschen – mich selbst an die Grenze des Tragbaren gebracht hatte.
Mein Seelsorgeziel war: Die Kirche muss eine erlebbare Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu sein. Das Wort MIT war mir wichtig in der Seelsorge: Mitdenken, mitbeteben, mitarbeiten, mitverantworten und sich mitfreuen. Zur Priesterweihe hatrte ich als Mitto die Bibelstelle von Paulus, 1 Korinter 3,11 gewählt: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: JESUS CHRISTUS! Dieses Paulus Wort hat mich im Hintergrund immer begleitet …"

Autor:

Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag

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