Kommentar
Zuhören als Segen

"Hört – und ihr werdet leben": Die Worte Moses an das Volk Israel rütteln auch nach tausenden von Jahren noch wach. Vom Zuhören und Aufeinanderschauen ist in unserem Land momentan viel die Rede. Genauso von Spaltungen und Verbitterungen. In der Kirche ist es nicht anders. Hier die einen, da die anderen, dazwischen Gräben aus Rechthaberei, Skandalen, Vorurteilen und Enttäuschungen.

"Wenn all das vorbei ist, möchte ich in einer Welt leben, in der ich gehört werde." Diese Worte hat die türkischstämmige Autorin Elif Shafak in einem Park in London während der Pandemie aufgelesen. Dem Zuhören hat sie ein kleines, ungeheuer gehaltvolles Buch gewidmet: "Hört einander zu" heißt es. Davon, gehört und gesehen, anerkannt, wertgeschätzt – und sogar geliebt zu werden, reden wir Christ/innen gerne und viel. Eine solche Haltung zu leben, kostet. Aber – siehe Mose – sie führt zum Leben.

Der Papst persönlich hat uns gebeten, unsere Stimmen abzugeben und versprochen, sie anzuhören. Sein Versprechen in Gottes Ohr. Denn noch gibt es sie, die Menschen, die für die Kirche brennen und sich wünschen, gehört zu werden.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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