Interview mit Johannes Laichner
Über die eigenen Grenzen gehen

DDr. Johannes Laichner leitet den SR Inntal (Roppen, Mils, Karrösten, Karres) und ist Missio-Diözesandirektor. Zum 1. September wechselt er nach Wien.  | Foto: Laichner
  • DDr. Johannes Laichner leitet den SR Inntal (Roppen, Mils, Karrösten, Karres) und ist Missio-Diözesandirektor. Zum 1. September wechselt er nach Wien.
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Mit 1. September wird Pfarrer Johannes Laichner vom SR Inntal im Oberland Missio-Nationaldirektor. Ein Gespräch über Abschied, Neuanfang und Mission heute.

Wie haben Sie von Ihrer Ernennung zum Missio-Nationaldirektor erfahren?
Laichner:
Das war ganz unkonventionell – man stellt es sich feierlicher vor, als es ist (lacht)! Der Nuntius hat mich angerufen und mich gebeten, nach Wien zu kommen. Für mich kam es unerwartet, auch wenn ich wusste, dass ich auf dem Dreier-Vorschlag stehe.

Wie geht es Ihnen mit der Ernennung?
Laichner:
Ich freue mich sehr, habe aber auch großen Respekt vor der Aufgabe. Als Priester lebe ich in der Bereitschaft, mich senden zu lassen und auf Entscheidungen, die mir entzogen sind, zu vertrauen. Von Tirol gehe ich schweren Herzens weg, ich bin gern Pfarrer, an der Schule, freue mich über all das Schöne, was ich als Pfarrer erleben darf.

Was bedeutet die neue Aufgabe für Sie?
Laichner:
Es ist für mich nicht primär ein Amt oder eine Aufgabe. Etwas pathetisch gesagt, bedeutet es für mich vor allem, die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen, in einer ganz konkreten Form. Das Anliegen von Missio ist es nicht, Werbung oder Fundraising für die Kirche zu machen, sondern die Liebe Gottes weiterzugeben – natürlich auch materiell, aber nicht nur. Daher kommt für mich auch der Respekt vor der Aufgabe. Denn es geht darum, an der Weltkirche mitzuarbeiten und dafür Brücke zu sein. Und Brücken zu bauen zu den Schwestern und Brüdern in ganz vielen Regionen der Welt.

Oft hört man: Helfen wir erstmal den Leuten im eigenen Land. Wie stehen Sie dazu?
Laichner:
Solidarität hat keine Grenzen. Es ist klar, dass man nicht jedem helfen kann, und man braucht seriöse Vermittler. Solidarität beginnt in der Heimat, soll aber die Welt jenseits der Heimat nicht ausschließen. Wenn sie von Anfang an auf ein „mia san mia“ beschränkt wird, dann dreht man sich letztlich nur um sich selbst, ist unfrei. Christen sind wir nie nur für uns allein. Daher geht es bei Solidarität im Kern um Ganzhingabe.

Was bedeutet das?
Laichner:
Wo ich aus einer zutiefst christlichen Grundhaltung heraus handle und das auch begründen kann – dass ich aus der Faszination für Jesus Christus heraus handle – da kann ich über meine eigenen Grenzen hinausgehen, mein kleines Ich verlassen. Ob ich dann nach Peru gehe und eine Schule aufbaue oder sonntags eine kleine Spende gebe – aus diesem Geist heraus kann alles zu einem Akt der Hingabe werden, in dem viel von mir selbst drin liegt. Dann ist auch Mission keine Einbahnstraße, sondern echte Begegnung, getragen von Respekt und Dialog.

Mission ist also eigentlich ein Austausch?
Laichner:
Ja. Das beginnt damit, nicht von Bedürftigen zu sprechen, sondern von Partnern. Wir geben ihnen vielleicht Ressourcen. Sie geben uns ihre Freude am Glauben, stecken uns an mit ihrer Dynamik. Über eine Brücke geht man von beiden Seiten! Salopp könnte man sagen: Sie haben die Freude, wir das Geld. Im Idealfall ist beides vorhanden.

Was können wir von der Weltkirche lernen?
Laichner:
Neben der Freude am Glauben ist es vor allem der Fokus: Sich selbst nicht so wichtig nehmen. Nicht glauben, dass wir der Nabel der Weltkirche sind. Die Vielfalt der Kirche, der Lebensgeschichten entdecken: Jede für sich ist unglaublich wertvoll. Die Freude am Herrn weitergeben und sie überall entdecken.

Was gibt Ihnen Kraft fürs Leben?
Laichner:
Selbstverständlich und ungeniert aus der Freundschaft mit Christus zu leben, ohne mich lang zu erklären. Das ist für mich wichtig wie die Luft zum Atmen.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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