Die Biathletin Anna Gandler im Gespräch
„Mir ist wichtig, dass ich auch auf die anderen schaue“

Junioren-Weltmeisterin Anna Gandler (20) unterstützt die Adventsammlung „Bruder und Schwester in Not“ – hier bei einem Wettkampf in Obertilliach.
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  • Junioren-Weltmeisterin Anna Gandler (20) unterstützt die Adventsammlung „Bruder und Schwester in Not“ – hier bei einem Wettkampf in Obertilliach.
  • Foto: Lukas Huter
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Das muss Anna Gandler aus Hall i. T. erst einmal jemand nachmachen: Mit 20 Jahren hat sie fünf Medaillen bei Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften gewonnen. Seit 2016 ist die Biathletin Teil des Nationalkaders.

Anna Gandler ist eine der großen Nachwuchshoffnungen Österreichs in Sachen Biathlon. Auf Skiern steht sie, seit sie zwei Jahre alt ist. Neben dem Sport ist ihr das Engagement für andere Menschen besonders wichtig. Diesen Advent setzt sich Anna Gandler als eines der Gesichter der Adventkampagne von Bruder und Schwester in Not für Kinder in Tansania ein. Im Tiroler Sonntag-Interview spricht sie über Sport, Menschlichkeit und ihren Bezug zu Afrika.

Sie sind gerade als eines der „Gesichter“ der Adventsammlung von Bruder und Schwester in Not auf Plakaten und Videos mit dem Stichwort „Menschlichkeit“ zu sehen. Wie passen der harte Wettkampf im Sport und die Menschlichkeit für Sie zusammen?
Anna Gandler: Menschlichkeit ist ein großes Thema im Sport. Im Sport herrscht Druck: Jeder will sein Bestes geben und das wird auch von einem erwartet. Alles wird immer schneller und jeder will gewinnen. Da muss man umso mehr darauf schauen, dass das Menschliche nicht vergessen wird. Mir ist es sehr wichtig, dass ich auch auf die anderen schaue.

An welche Situation denken Sie zum Beispiel, wenn Sie an Menschlichkeit im Sport denken?
Gandler: Wenn jemand zum Beispiel total am Boden ist: Dass man hingeht und den etwa in den Arm nimmt und sagt, dass das schon wieder werden wird. Also dass man einander nicht allein lässt, sondern auch auf die Kolleginnen und Kollegen schaut, damit es auch eine Gemeinsamkeit gibt.

Wenn es bei Ihnen selbst bei einem Rennen einmal nicht so läuft: Wie schaffen Sie es, bei sich zu bleiben und den anderen den Sieg zu vergönnen?
Gandler:
Ich weiß, dass jeder für seinen Erfolg hart arbeitet und deshalb muss man auch den anderen den Sieg vergönnen, auch wenn jeder Sportler natürlich lieber selber ganz oben stehen möchte. Verlieren zu können ist eines der schwierigsten Dinge im Sport. Dazu braucht man natürlich auch mentale Stärke, die man sich aneignen muss. Man sucht sich ein Motto oder eine Situation, an die man gerne denkt. Am besten ist das etwas außerhalb des Sports. Für mich persönlich sind es Menschen in Afrika, die mich inspiriert haben und die mir meine innere Ruhe in Niederlagen oder schweren Situationen bringen. Die Menschen dort und ihre Fröhlichkeit haben mich sehr beeindruckt. Ihr Leben ist nicht leicht und trotzdem hat jeder ein Lächeln auf dem Gesicht. Das war der Grund, warum ich Bruder und Schwester in Not für die Kampagne sofort zugesagt habe.

Können Sie uns mehr über Ihren Bezug zu Afrika erzählen?
Gandler:
Ich war mit meiner Familie schon öfter in Kenia, einem Nachbarland Tansanias. Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis. In Kenia habe ich einen Satz gehört, der mir sehr präsent ist und zu meinem Motto geworden ist: Hakuna Matata, das bedeutet auf Swahili ‚Es gibt keine Sorgen‘. Dieser Satz ist mir sehr wichtig geworden und hilft mir in Wettkämpfen. Wenn ich heute nervös oder unter Druck bin, dann sage ich mir diesen Satz vor und denke an die Menschen, die ich in Afrika getroffen habe: Im Vergleich zu ihnen habe ich tatsächlich keine Sorgen.

Gibt es Werte, die Ihnen besonders wichtig sind?
Gandler:
Besonders wichtig sind mir die Familie, Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Ohne die Familie geht nichts.
Mein Weg im Sport ist nicht leicht und ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie mich unterstützt und immer hinter mir steht. Ehrlichkeit erwarte ich mir von jedem, auch im Sport. Und Freundlichkeit: Wenn ich einem anderen Menschen begegne, wünsche ich mir, dass wir einander freundlich und mit Respekt begegnen. «

Zur Sache
Mischkulturen sichern Ernährung

Ernährung für Kinder und deren Familien sicherzustellen, das ist der Schwerpunkt der Adventsammlung 2021 von „Bruder und Schwester in Not“. Im Nordwesten Tansanias ist die Situation der kleinbäuerlichen Bevölkerung schwierig: Aufgrund von Abholzung, Klimawandel und Bodenerosion reichen die Ernten kaum aus, um die Bevölkerung zu ernähren. 49,4 % der Menschen in Tansania leben laut der Weltbank in extremer Armut, müssen also mit weniger als 1,9 US-Dollar pro Tag auskommen. In einem gemeinsamen Projekt von Bruder und Schwester in Not und der lokalen Partnerorganisation CHEMA werden Mischkulturen aus Bäumen und Feldfrüchten gepflanzt. Wissensvermittlung zu nachhaltiger Landwirtschaft setzt theoretisch und praktisch bereits an Grundschulen an. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit von Kindern und Familien in Tansania.

60 Jahre Bruder und Schwester in Not
Die diözesane Stiftung Bruder und Schwester in Not arbeitet seit 1961 mit Partnerorganisationen des globalen Südens zusammen. Die Ziele sind verbesserte Lebenschancen für benachteiligte Menschen sowie Friede, Gerechtigkeit und ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt. Die Projekte umfassen vor allem die Bereiche ländliche Entwicklung und Stärkung der Menschenrechte.

Spendengütesiegel
Bruder und Schwester in Not trägt das Österreichische Spendengütesiegel.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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