Generalvikar Roland Buemberger im Tiroler Sonntag-Interview
Der Blick auf das Miteinander erfüllt mich mit Freude.

Generalvikar Roland Buemberger

Drei Monate ist Roland Buemberger als Generalvikar der Diözese Innsbruck im Amt. Der Tiroler Sonntag hat ihn nach seinen ersten Erfahrungen gefragt: Wie versteht er seine neue Aufgabe? Worin sieht er besondere Herausforderungen? Und worauf achtet er als Regens in der Ausbildung künftiger Priester?

Die Fragen stellte Gilbert Rosenkranz.

100 Tage Generalvikar, der Einstieg in Ihre neue Aufgabe fiel mitten in die zweite Welle der Corona-Pandemie. Wie erleben Sie diese Zeit?
Roland Buemberger: Einerseits merke ich, wie sehr die Menschen und auch uns als Diözese die Corona-Thematik herausfordert und unseren gewohnten Alltag verändert. Vieles ist unbequem und nervt. Andererseits können wir auch sehen, dass die Themen Gesundheit, Verantwortung füreinander, Verzicht für ein höheres Gut, Dankbarkeit, Solidarität, Beistand oder Lebensrelevanz eine neue Bedeutung bekommen. Das sind ja eigentlich alles Begriffe, die sehr viel mit unserem christlichen Glauben zu tun haben.
Es ist eine spannende Aufgabe, diese Zeit mitgestalten zu dürfen. Jede Woche, jeder Tag bringt eine große Fülle und Buntheit von Begegnungen, Ermutigungen, manchmal sind es auch Zumutungen.
Im Rahmen Ihrer Bestellung hieß es, dass Sie das Amt für ein Jahr übernehmen. Was sind die Hintergründe für diese Befristung?
Buemberger: Dahinter steht das Verantwortungsgefühl, dass meine drei Aufgaben als Regens des Priesterseminars, Beauftragter für die Berufungspastoral und Generalvikar eigentlich auch von drei Personen erfüllt werden müssten. Aus einem spontanen Einspringen für Florian Huber, der sich von einem Tag auf den anderen aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste, wurde dann schließlich ein ganzes Jahr, weil es sinnvoll ist, auf Kontinuität zu setzen.
Im Laufe der vergangenen Jahre haben die Aufgaben des Generalvikars und die Erwartungen an dieses Amt eine solche Fülle angenommen, dass sie neu gedacht und reformiert werden müssen. Das alte Modell wollte und konnte ich nicht einfach so unbefristet weiterführen. Das würde wohl den Aufgaben und mir nicht gut tun.
Welche Aufgaben sind für Sie vordringlich?
Buemberger: Hinzuhören, was die Menschen bewegt. Hinzuhören, was Gott bewegen will. Das heißt für mich, mit unseren Priestern, Diakonen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Seminaristen die Aufgaben der Diözese Innsbruck mitzugestalten.
Ich sehe den Generalvikar einer Diözese nicht nur als Verwalter, sondern auch als Gestalter.
Besonders gerne bin ich mit den Menschen in Kontakt, das war ich auch als Pfarrer schon gern. Jetzt kann ich telefonisch oder durch Besuche Einheit und Ermutigung fördern. Oft gilt es auch, zu Lösungen beizutragen oder bei Konflikten neue Wege zu finden. Und in Unterstützung unseres Bischofs Hermann möchte ich zu einem vertrauensvollen Klima, einem guten Miteinander in unserer Diözese beitragen.
Als Generalvikar der Diözese Innsbruck sind Sie auch Personalchef und letztverantwortlich für mehr als 500 Mitarbeiter/innen in allen Bereichen der Seelsorge, Verwaltung und der Caritas. Wie verstehen Sie Ihr neues Amt?
Buemberger: Dieses Amt würde ich gerne so buchstabieren: eine Aufgabe Mit Team. Nur in Teamarbeit lässt sich dieses Amt bewältigen – und Gott sei Dank haben wir in unserer Diözese so viele Mitarbeiter/innen, die Verantwortung mittragen. Was in den Pfarren und Seelsorgeräumen schon seit längerem ein Gebot der Stunde ist, brauchen wir auch immer mehr in den zentralen Diensten der Diözesanleitung: gute Teamarbeit. Mir gefällt, dass Jesus die Apostel nicht als Einzelkämpfer berufen hat, sondern in eine Weggemeinschaft hinein, und er hat sie auch als Teams ausgesendet. Ein zweiter Gedanke zum Amtsverständnis ist das Bild des Gärtners. In meiner Kindheit und Jugend habe ich gerne bei meiner Oma im Garten mitgeholfen. Im Garten freut man sich, wenn es wächst und blüht oder sogar Früchte bringt. Ich bemühe mich als Regens und Generalvikar so zu arbeiten, dass in unserer Diözese Gutes wachsen, Schönes blühen und Vieles Früchte bringen kann.
Zur Zeit findet in der Diözese ein Prozess der „Ordinariatsentwicklung“ statt. Worum geht es da?
Buemberger: Dabei soll durch Mitdenken und Einbeziehen aller Mitarbeiter/innen die aktuelle Arbeitsweise, Struktur und Aufgabenverteilung des Ordinariates weiterentwikkelt werden. Ziel ist, den Dienst-, Leitungs- und Servicecharakter dieser zentralen Dienste zeitgemäß, effizient, praxisnah und mitarbeiterfreundlich aktuell und zukunftsfit zu gestalten. In den letzten Jahrzehnten hat sich viel Gutes entwickelt, aber manche Doppelstrukturen oder Unklarheiten können jetzt neu angeschaut und verbessert werden.
Sie sind als Regens auch in der Ausbildung von Priesteramtsanwärtern aus den Diözesen Innsbruck, Feldkirch und Linz tätig. Ein Beruf, der zur Zeit wenig Resonanz findet. Worauf führen Sie das zurück?
Buemberger: Wenig Resonanz würde ich gar nicht sagen, im Gegenteil: ich merke sehr den Wunsch nach seelsorglicher Begleitung, nach Feiern der Gottesnähe in den Sakramenten, nach theologisch kompetenter Auskunft, nach engagierter Leitung von Pfarrgemeinden und qualitätsvoller Geistlicher Begleitung. Aber leider gibt es bei jungen Leuten oft viele Verunsicherungen und Unklarheiten, die nicht mehr so wie früher durch lebensnahe positive Beispiele oder ein tragendes Netzwerk des Glaubens abgefedert werden.
Wir brauchen zur Förderung von Berufungen mehr positive und ermutigende Resonanz-Körper.
Wie sieht die Ausbildung von Seminaristen heute aus?
Buemberger: Erfreulicherweise flexibler als früher: der Praxisbezug hat viel mehr Bedeutung bekommen. Jeder Seminarist lebt und arbeitet mehrere Wochen des Jahres in einer Praxispfarre mit. Im Priesterseminar erfolgt im Miteinander-Leben und Miteinander-Beten sowie in eigenen Ausbildungsmodulen eine Stärkung der Persönlichkeit, ein Reflektieren des eigenen Glaubens und eine Befähigung zu konkreten pastoralen Aufgaben.
Nach wie vor sind das Theologiestudium an der Universität und die Ausbildung zu einem kritischen Mitdenken eine wichtige Säule der Ausbildung. Es ist sehr interessant, was wir alles allein in einem Monat lernen und erleben. Interessierte möchte ich gerne einladen, bei uns hineinzuschnuppern.
Welche Auswirkungen hat der Rückgang an Priestern für die Zukunft?
Buemberger: Hoffentlich eine neue Sichtweise, was Kirche und Volk Gottes eigentlich ist. Nämlich nicht eine Gemeinschaft, die von wenigen Insidern betreut oder abgehobenen Hochwürden unterhalten wird, sondern ein Volk von Getauften, das sich bewusst als Gemeinschaft und in jedem/r Einzelnen auf Christus hin orientiert.
Der Priester ist nicht selbst die Mitte, sondern hilft lediglich dabei, zu Christus zu finden. Immer mehr wird er andere Gläubige ermuntern, ausbilden, ermächtigen und befähigen zum Gottesdienst und zum Menschendienst.
Einer Ihrer Vorgänger war Provikar Carl Lampert. Was bedeutet Ihnen dieser Selige?
Buemberger: Gemeinsam mit Otto Neururer ist Carl Lampert für mich ein besonderer Zeitzeuge und Himmelszeuge. Ich fühle mich mit beiden sehr verbunden, ich lebe ja hier im Priesterseminar im „Neururerhaus“. Ich erinnere mich oft daran, was Bischof Reinhold Stecher und mein Heimatpfarrer Heinz Schramm von der Zeit der Kirche im Nationalsozialismus erzählt haben.
Immer wieder darf ich voller Respekt und Ehrfurcht den Seminaristen von Otto Neururer und Carl Lampert erzählen, die mit ihrem Glauben, ihrer Treue und ihrer Hingabe trotz Bedrängnis und Finsternis ihre Hoffnung nicht verloren haben. Mit dem Blick auf diese Seligen gelingt es mir, trotz Fragezeichen oder Problemen mit Hoffnung weiterzuschauen. In einem seiner letzten Briefe schrieb Carl Lampert schlicht und doch sehr eindrucksvoll: „Die Liebe stirbt nie!“
„Kommt, lasst uns zusammen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“ lautete Ihr Primizspruch. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz nach 21 Jahren aus?
Buemberger: Volltreffer! Dieser Satz vom Propheten Jesaja trägt mich auch heute durch jede Woche. Er beinhaltet eine ermutigende Einladung, eine Betonung des Miteinanders, die Buntheit der Lebenswege und das einende Licht des Herrn, das Orientierung und Hoffnung bringt. Das alles durfte ich bisher in allen Aufgaben und an allen Einsatzorten meines Dienstes geschenkt bekommen und darf es hoffentlich auch weiterschenken.
Von vielen Priestern, die meine Vorgesetzten waren, konnte ich einen positiven Bezug zum Glauben lernen: Heinz Schramm, Rudolf Theurl, Karl Singer. Ihnen und guten Freunden habe ich viel zu verdanken. Der Blick auf das Miteinander des bunten Gottesvolkes und das Zueinander der verschiedenen pastoralen Berufe erfüllt mich mit Freude.

Autor:

Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag

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