Agnes Hackl leitet die Krankenhausseelsorge
„Ich bin bei dir, ich sehe dich.“

Da sein und zuhören: Eine der wichtigsten Aufgaben von Agnes Hackl und ihrem Team in der Krankenhausseelsorge.  | Foto: Kaltenhauser
  • Da sein und zuhören: Eine der wichtigsten Aufgaben von Agnes Hackl und ihrem Team in der Krankenhausseelsorge.
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Agnes Hackl ist die neue Leiterin der Krankenhausseelsorge der Diözese Innsbruck. Dem Tiroler Sonntag hat sie von ihrem persönlichen Weg und ihrer Arbeit erzählt.

Sie zündet eine Kerze an, schenkt Tee ein, aus dem CD-Player klingt leise Musik: Agnes Hackl stellt mit wenigen Handgriffen eine einladende Gesprächsatmosphäre her. Mit ihren offenen, warmen Augen sehe ich sie sofort am Krankenbett sitzen, zuhören und Trost spenden. Seit Mai ist Agnes Hackl Leiterin der Krankenhausseelsorge der Diözese Innsbruck. Ihr Weg dahin war alles andere als vorgezeichnet: Denn mit Kirche hatte Agnes lange wenig am Hut.

Was nährt mich?
Die Familie war nicht sonderlich religiös, vom Religionsunterricht war sie lange abgemeldet. Als ihr Bruder mit 19 Jahren stirbt, kommen Fragen nach dem Sinn des Lebens auf. In der Maturaklasse meldet sich Agnes wieder für Religion an, die neue Lehrerin begeistert sie. Agnes geht wieder in den Gottesdienst. Bis zum Theologiestudium ist es aber noch ein weiter Weg. „Ich habe gekellnert, war Skilehrerin, einen Sommer auf einer Alm und habe zuerst Spanisch und Französisch studiert“, so Hackl. Beim Studium habe sie aber schnell gemerkt: „Das nährt mich nicht.“ Sie beschließt, zu Philosophie zu wechseln. Bei der Einschreibung ist die Sekretärin gerade auf Mittagspause. Zum Zeitvertreib setzt sich Agnes in eine Vorlesung in Christlicher Philosophie: „Das ist mir eingeronnen wie Öl. Da hab ich beschlossen: Das mach ich jetzt einfach.“

Gemeinsam glauben lernen
Ein Theologiestudium samt Pastoraljahr und neun Jahre Erfahrung als Krankenhausseelsorgerin später erzählt Agnes ihre Geschichte. Krankenhausseelsorge habe sie von Erzählungen her immer als „zach“ empfunden. Aber dann waren da ihre prägenden Begleiter:innen im Pastoraljahr: „Ich konnte ihnen glauben, was sie glaubten: an die Auferstehung, an die frohe Botschaft, dass Gott mitten unter uns ist. Das war unglaublich wichtig für mich – und jetzt ist genau das eine meiner wichtigsten Aufgaben. Vielen gibt es großen Halt, wenn sie uns glauben können, was wir glauben.“ Zeugnis zu geben, sei manchmal ein abgenutzter Begriff, so Hackl. „Aber wenn mich ein Sterbender fragt: ‚Glaubst du wirklich, dass wir uns wiedersehen?‘ und ich bejahe, dann ist genau dieses Zeugnisgeben meine Aufgabe.“

Ich bin bei dir
Krankenhausseelsorger:innen sind sehr nah bei den Menschen, erleben intimste Momente mit, erhalten viel Vertrauen. Agnes will die Menschen spüren lassen: „Ich bin bei dir, ich sehe, was dir widerfährt.“ Gefühlt sei das nicht viel, meint sie. Aber wer ihr zuhört, spürt: Es ist alles. Ihr eigener Weg schimmert dabei immer wieder durch und macht umso glaubwürdiger, was sie sagt: „Als ich hier nach dem Studium angefangen habe, hat es erstmal alles gehörig durcheinandergeschüttelt. Die Theologie ist eine wertvolle Basis. Aber die Zugänge hier sind viel geerdeter. Und am meisten kommt es auf das Gespür für Menschen an.“

Für alle da
Viel gäbe es noch zu erzählen über das große Team aus haupt- und ehrenamtlichen Seelsorger:innen, die in den öffentlichen Krankenhäusern im Gebiet der Diözese Innsbruck für die Menschen da sind. Oft gleichen ihre Aufgaben denen eines Kriseninterventionsteams, auch viel Organisatorisches ist dabei. „Ich möchte weitertragen, was Hildegard Anegg und Andreas Krzyżan mit so viel Herz aufgebaut haben und wofür ich so dankbar bin“, so Hackl. Am wichtigsten sei die Beziehungsarbeit. Das „todos, todos, todos“ (alle, alle, alle) von Papst Franziskus ist Agnes Hackls Motto geworden: „Wir haben alle im Blick. Manchmal ist‘s mühselig. Aber es ist ein Dienst am Menschen, an der Gesellschaft, und da schau ich nicht so genau, bin ich nicht kleinlich. Irgendwas kann ich immer tun.“

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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