200 Jahre Barmherzige Schwestern von Zams
Gedrängt von Mut und Liebe

"Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, dass wir aussterben": Die Barmherzigen Schwestern von Zams blicken trotz vieler Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft.  | Foto: Marcel Hagen
  • "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, dass wir aussterben": Die Barmherzigen Schwestern von Zams blicken trotz vieler Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft.
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Die Liebe Christi drängt sie, seit 200 Jahren: Die Barmherzigen Schwestern von Zams feiern Jubiläum. Anlass für ein Interview mit Generaloberin Sr. Barbara Flad – Bild rechts.

Was würden Vinzenz von Paul und Luise Marillac sagen, wenn Sie das Werk Ihrer Gemeinschaft heute sehen würden?
Sr. Barbara Flad:
Vinzenz war ein großer Netzwerker, dem es sehr wichtig war, nicht nur auf seine eigenen Leute zu setzen, sondern auf alle Menschen guten Willens. Er und Luise haben Rahmenbedingungen geschaffen, in denen Menschen sich gut engagieren können. Da wären sie sicher einverstanden mit unserem Tun heute. Luise wäre sicher auch einverstanden damit, wie wir Führung leben – dass wir immer aufs Gegenüber, auf den Menschen schauen.

Würde Luise auch etwas kritisch sehen?
Flad:
Vielleicht würden sie hinterfragen, wie es mit der Armut ist. „Macht das, was sonst keiner macht“, hat sie gesagt. Schulen, Krankenhäuser führen heute auch andere, und wir sind nicht nur für explizit Arme da. Aber wir bleiben dem Anliegen treu, besonders wachsam für die Not der Menschen zu sein, die zu uns kommen. So könnte ich sie auch wieder beruhigen.

Verstehen Sie sich heute eher als Ordensgemeinschaft oder als Unternehmen?
Flad:
Beides zusammen, man kann es nicht trennen und konnte es auch nie: Wir sind eine Ordensgemeinschaft von Frauen, die mit Gott in der Mitte ihren Alltag gestalten. Aber wir sind auch ein Unternehmen, weil wir gemeinsam mit vielen Mitarbeiter:innen einen gesellschaftlichen Auftrag umsetzen. Dafür müssen wir natürlich auch mit Ressourcen umgehen. Und das war seit den Anfängen unseres Ordens so.

Für das Jubiläum haben Sie viel in die Geschichte der Gemeinschaft geschaut. Was hat Sie da besonders bewegt?
Flad:
Mir ist bewusst geworden, wie viele schwierige Phasen es in diesen 200 Jahren gegeben hat. Es ist nichts Neues, dass es herausfordernd ist. Das ist den Schwestern früher auch so gegangen. Und dann: Was diese Frauen, die uns vorangegangen sind, alles zuwege gebracht haben – wir hätten mehrere Bände der Festschrift gebraucht, um festzuhalten, was sie alles bewältigt und gechafft haben. Diese Frauen machen mir großen Mut.

Heute steht das Werk der Barmherzigen Schwestern voll im Saft, die Gemeinschaft wird immer kleiner. Wie gehen Sie damit um?
Flad:
Es ist Teil der derzeitigen Realität und schwer zu ertragen. Dass es fast allen so geht, ist nur bedingt ein Trost. Wir stehen in einer Situation des Wandels: Es wird nicht so weitergehen, wie es 200 Jahre lang war, wir wissen aber noch nicht, wie die neue Form aussehen wird – nur, dass sich dafür manches ändern muss. Wir glauben und hoffen, dass wir Zukunft haben – wir haben uns bewusst dagegen entschieden, zu glauben, dass wir aussterben. Wir stehen in einem kreativen Visionsprozess, in dem das wichtigste ist: Zuversicht und Gottvertrauen nicht verlieren. Wider die Resignation leben. Tun, was wir tun können.

Was gibt Ihnen Kraft dafür?
Flad:
Freundinnen und Freunde, Weggefährten, die auch aus der Hoffnung leben und für etwas brennen. Es tut gut, sich gegenseitig das Feuer weiterzugeben. Auch wenn ich z.B. bei einer Mitarbeiterin spüre, sie ist mit Herzblut bei der Sache, ich bin nicht allein, gibt das viel Kraft.

Was wünschen Sie Ihren Mitschwestern?
Flad:
Ich wünsche jeder Einzelnen ihre eigene Hoffnung – nicht die Hoffnung, die sie in mich setzen, sondern für jede ihre eigene Hoffnung, aus der sie leben kann.

Gibt es einen Satz, der Sie trägt?
Flad:
„Gehe mutig von Augenblick zu Augenblick“, von Luise Marillac. Diesen Mut brauche ich und es ist schön, ihn zugesprochen zu bekommen. Und es ist schon etwas in Bewegung: Frauen kommen zum Mitleben, zu Ostern kommen so viele Menschen, dass es bald eng in der Kirche wird. Diese positiven Zeichen darf man nicht aus den Augen verlieren!

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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