Die Schuhe von Petrus Canisius wurden nachgebaut
Ein besonderes Paar

Andreas Kotzbeck übergibt den Schuh an Auftraggeber Martin Lesky.
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Elisabeth und Andreas Kotzbeck sind bekannt für ihre maßgefertigten Schuhe. Jetzt haben sie sich an ein besonderes Meisterstück gewagt: Im Auftrag der Diözese Innsbruck haben sie ein Paar Schuhe hergestellt, die dem mittelalterlichen Schuhwerk des Diözesanpatrons Petrus Canisius ziemlich nahe kommen.

Ein paar Dinge haben sich ja doch geändert, seit Petrus Canisius im 16. Jahrhundert in sein Schuhwerk gestiegen ist, um unter anderem nach Tirol aufzubrechen. „Damals hat es die Unterscheidung in einen linken und rechten Schuh nicht gegeben", erzählt Schuhmachermeister Andreas Kotzbeck aus Hall. Auch ein Fußbett war damals unbekannt. Aber immerhin: Petrus Canisius hatte ein für damalige Begriffe gutes Schuhwerk, was darauf hindeutet, dass er aus einem betuchten Haus stammt. „Die meisten Menschen sind damals sicher barfuß gegangen oder haben sich Leinen um die Füße gewickelt", so Andreas Kotzbeck.

Ein Foto als Vorlage.

Einiges an Wissen über die mittelalterliche Schuhwerkstatt hat sich die Schumacherfamilie Kotzbeck in den vergangenen Wochen angeeignet. Schließlich galt es, jene Schuhe nachzubauen, in die der Diözesanpatron im 16. Jahrhundert gestiegen ist. Als Vorlage diente ein Foto von eher mittelmäßiger Qualität, das die Schuhe des Heiligen zeigt, die im Museum in Nimwegen zu sehen sind. „Viel Zeit hat vor allem die Überlegung gebraucht, wie dieser Schuh ausgeschaut haben könnte", erzählt Andreas Kotzbeck. Der Schuh ist genäht, der Absatz mit Holzstiften genagelt. Das Oberteil ist ein pflanzlich gegerbetes, weiches Oberleder. „Das Leder für die Sohle lag damals rund ein Jahr in einer Eichenlohe", erzählt er. So wurde das Leder hart.

Nahe am Original.

Rund 60 Stunden Arbeit stecken in den Schuhen. „Es ist sehr interessant, so einen Schuh zu entwickeln. Man muss sich überlegen, was damals technisch möglich war und was die Bedürfnisse des Menschen waren", erzählt Andreas Kotzbeck. Manchmal war die Arbeit ein Ratespiel, denn es gibt keine gut erhaltenen Schuhe aus dieser Zeit. Auch Modelle oder Zeichnungen von Schuhen sind Kotzbeck nicht bekannt. Und manchmal war die Arbeit ein Kompromiss: Den rissfesten Nähfaden etwa hat es damals noch nicht gegeben. Dennoch dürfte das Werk der Kotzbecks dem Original sehr nahe kommen. Fest steht, dass Petrus Canisius auf eher kleinen Füßen unterwegs war. Die Schuhgröße beträgt 40, für die damalige Zeit ein durchschnittler Wert, so Kotzbeck. Heute liege dieser Wert bei 42-43.

Traditionsbetrieb.

In dritter Generation führt die Familie Kotzbeck die Haller Schuhwerkstatt. Gegründet wurde sie von Großvater Christian Kotzbeck, der einige Jahre als Klosterschuhmacher im Stift Wilten gearbeitet hatte, ehe er Ende der 20er-Jahre seinen eigenen Betrieb in der Haller Altstadt eröffnete. Dessen Sohn Hans Kotzbeck (1935 bis 2009) erweiterte das Schuhhandwerk um den neuen Zweig der Orthopädie. 1982 hat Andreas Kotzbeck mit der Lehre zum Orthopädieschumacher und Einzelhandelskaufmann begonnen. Mit 15 fertigte er seinen ersten Schuh. Schuhe nach Maß. Heute erzeugt der Betrieb in der Innsbruckerstraße 11 in Hall maßgefertigte Schuhe vor allem für Menschen mit Bedarf an speziell angepassten Schuhen, die zum Teil auch von der Krankenkasse verschrieben werden, erklärt Andreas Kotzbeck. Einen mittelalterlichen Schuh nachzubauen, das stand bisher noch nicht auf der Auftragsliste des Meisterbetriebes. Dass es vielleicht sogar Folgeaufträge geben könnte, will Andreas Kotzbeck nicht ganz ausschließen. Sollte jemand Interesse am Schuhmodell zeigen, könne man ja weiterreden, meint er.

Wege zueinander finden

Im April wird Dekan Bernhard Kranebitter mit einer Predigt zum Diözesanpatron den Auftakt zum Projekt „Petrus Canisius auf Wanderschaft" setzen. Anschließend nimmt er die Schuhe mit nach Osttirol, wo er am 1. Mai einen Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Maria Lavant feiert. Weitere Stationen der Reise sind unter anderem Lienz, Amlach und der Seelsorgeraum Wilten.Das Projekt ist ein Beitrag zum Petrus-Canisius-Jahr 2021. Die Idee dazu hatte Martin Lesky, Referent für missionarische Pastoral der Diözese Innsbruck. „Die Schuhe sollen für ein paar Tage in den Pfarren bleiben. Während dieser Zeit soll es Aktionen rund um den Diözesanpatron geben", so Lesky. Mit dem Schuh mitgeführt wird ein Reisetagebuch, in das Gebetsanliegen, Gedanken und Begegnungsgeschichten hineingeschrieben werden können.
Rund 100.000 Kilometer ist Petrus Canisius im 16. Jahrhundert unterwegs gewesen, erzählt Lesky. Damit hätte er zweieinhalb mal die Erde umrunden können. So weit müssen es die Schuhe aus der Werkstatt von Kotzbeck nicht schaffen. Dennoch hofft Lesky auf Interesse in den Pfarrgemeinden und lädt dazu ein, sich am Projekt zu beteiligen. «
Informationen zum Projekt "Petrus Canisius auf Wanderschaft" bei Martin Lesky,
Tel. 0676/8730 2750.
E-Mail: martin.lesky@dibk.at

Autor:

Walter Hölbling aus Tirol | TIROLER Sonntag

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